Warum es an der TU Dortmund keine Frauenparkplätze gibt

Dominik Bayer fühlt sich von Frauenparkplätzen diskriminiert - und verklagte die Stadt Eichstätt in Bayern. Bild: harutmovsisyan / Pixabay

Nachdem in Eichstätt, Bayern, eine Frau auf einem Parkplatz vergewaltigt wurde, wies die Stadt Frauenparkplätze aus. Doch Jurastudent Dominik Bayer klagte gegen die Parkplätze: Er findet sie diskriminierend. An der TU Dortmund gibt es keine Frauenparkplätze und das wird auch erstmal so bleiben. 

Das Verwaltungsgericht München sprach am Mittwoch (23. Januar) sein Urteil über den Fall. Weder Dominik Bayer noch die Stadt gewannen, stattdessen einigten sie sich auf einen Kompromiss: Die Stadt muss die Frauenparkplätze neu beschildern. Die neuen Schilder sollen klar machen, dass die besonderen Parkplätze nur eine Empfehlung sind und auch von Männern benutzt werden können.

Der 25-jährige Jurastudent stellte sich vor dem Gericht den Fragen der Presse und betonte: Es gehe ihm bei dem Prozess um die Gleichberechtigung von Mann und Frau. „Ich fühle mich als Mann diskriminiert“, sagte er in Richtung der Kameras und Mikrofone. Der Stadt komme es nicht in den Sinn, dass auch Männer Opfer von Gewalt werden können. Schließlich gebe es ja auch kleine und schwächere Männer. Außerdem, so Bayer, würden die gesonderten Parkplätze den Eindruck erwecken, Frauen seien schwächer. Diesen Vorwurf der Diskriminierung wies das Gericht aber entschieden zurück.

Stadt Eichstätt stellte die Schilder nach einer Vergewaltigung auf

Die Stadt Eichstätt reagierte auf die Klage mit Unverständnis. Sie stellten die Schilder schließlich auf, nachdem eine Frau vergewaltigt wurde. Das Sicherheitsgefühl vieler Frauen in Eichstätt habe darunter gelitten. Seitdem stehen auf dem Parkplatz, um den es bei der Klage geht, acht blaue Schilder mit der Aufschrift: „Nur für Frauen“.

Spiegel Online zufolge ist in der Nähe des Parkplatzes, um den es in dem Prozess geht, ein Altenheim. Viele Frauen, die dort arbeiten, müssen entweder früh morgens oder spät in der Nacht zu ihrer Schicht fahren. Von der ersten Reihe der Parkplätze aus haben die Frauen nun einen kurzen, beleuchteten Weg in die Altstadt. „Wir haben das rein aus Sicherheitsgründen gemacht. Es ist nunmal statistisch erwiesen, dass Frauen häufiger Opfer von (sexualisierten) Gewaltdelikten werden als Männer“, erkärt Hans Bittl, Leiter des Rechtsamt von Eichstätt.

Prof. Dr. Randi Gunzenhäuser, Professorin an der TU Dortmund, die sich auch mit Gender Studies beschäftigt, hält die Klage für relativ kindisch. Es gebe einen großen Unterschied zwischen Ungleichheit und Diskriminierung, so Gunzenhäuser. Frauenparkplätze seien ein Beispiel für Ungleichheit. „Ich denke nicht, dass das heißt, das Frauen schwächer sind, sondern dass sie öfter angegriffen werden“, erklärt Gunzenhäuser. Frauen haben oft allen Grund dazu, sich weniger sicher zu fühlen. Natürlich betreffe das Gefühl von Sicherheit aber alle Gruppen – es gebe auch Männer, die als schützenswert betrachtet werden müssen. „Ich würde einfach sagen: Wir müssen sichere Parkplätze schaffen“, betont die Professorin.

Extra3 schlägt eine passende Beschilderung vor

Auf Twitter regten sich viele User über die Klage von Bayer auf. Auch dieser Nutzer findet, dass Frauenplätze schon ihren Sinn haben:

Das Satiremagazin Extra3 ließ es sich nicht nehmen, schonmal ein geeignetes Schild vorzuschlagen:

Keine Frauenparkplätze für die TU Dortmund

Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung von 2014 soll es auch an der Uni Dortmund Frauenparkplätze geben. Eine Mitarbeiterin des Gleichstellungsbüro, Elisabeth Brenker, teilte jedoch mit: Die TU hat keine offen ausgezeichneten Frauenparkplätze. Es gibt Pläne beim Baudezernat, in denen vor fünf Jahren mal Frauenparkplätze vorgesehen waren, doch die Uni hat sich am Ende doch gegen die Frauenparkplätze entschieden. Stattdessen schnitt man die Büsche zurück und sorgte dafür, dass der Parkplatz an der Otto-Hahn-Straße komplett ausgeleuchtet ist. „Wir stellen überhaupt nicht in Frage, dass Frauenparkplätze sinnvoll sind“, betont Brenker. Doch wegen der Masse an Autofahrern wäre es schlichtweg nicht möglich, Parkplätze extra für Frauen zu reservieren.

Tatsächlich nannten Studenten – Männer wie Frauen – bisher bei der Gefahrstellenbegehung jedes Mal die Parkplätze an der Otto-Hahn-Straße und an der Emil-Figge-Straße. Das änderte sich allerdings, als man beide Parkplätze komplett beleuchten ließ. „Was immer wichtig ist, ist dass die Wahrnehmung von Angsträumen sehr, sehr subjektiv ist“, erklärt Brenker. Dennoch wurde erst im vergangenen Mai einer Studentin auf dem Parkplatz der Otto-Hahn-Straße nachts eine Waffe an den Kopf gehalten. Auch wenn ein Frauenparkplatz an dieser Situation nichts geändert hätte – sie war auf dem Weg zum Studentenwohnheim Meitnerweg – zeigt es doch, dass die Beleuchtung nicht alle Gefahren aus dem Weg räumt. Die Uni geht hier von einem Einzelfall aus.

Dominik Bayers Aussage, Schilder für Frauenparkplätze würden auch Frauen diskriminieren, kann Elisabeth Brenker persönlich dagegen überhaupt nicht nachvollziehen. „Es ist häufig so, dass solche Fälle herzlich wenig mit Gleichstellung zu tun haben“, finder sie. Frauenparkplätze sind ihrer Meinung nach eine Maßnahme, um ungleichen Gefährdungen zwischen Männern und Frauen und ungleichen Wahrnehmungen von Gefährdungen entgegen zu wirken. „Frauenparkplätze wurden in dem Urteil grundsätzlich bestätigt.“ Trotzdem – extra ausgeschilderte Frauenparkplätze wird es an der TU erstmal nicht geben. Dafür ist es einfach zu voll.

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