Lasst den Karnevalisten ihren Spaß!

Nach dem Karnevalsauftakt ist die Empörung in der Bevölkerung wieder groß: Schwerverletzte und Sexualdelikte machen die Schlagzeilen. Doch das ist kein Grund, den Karneval als Ganzes unter Generalverdacht zu stellen! In Köln hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr erheblich gebessert. Ein Kommentar.

Als leidenschaftliche Karnevalistin gehört es sich, am 11. November den Auftakt der fünften Jahreszeit  gebührend zu feiern. Für mich geht es also in die Heimat im Westmünsterland, um als Mitglied der Funkengarde auf der Bühne zu stehen und auf das neue Prinzenpaar anzustoßen. Währenddessen bereiten sich meine Freunde in Dortmund und viele andere Karnevalisten auf einen Tag Feierei in Köln vor. In der Karnevalshochburg schlechthin feierten am Sonntag zehntausende Jecken ausgelassen.

Umso ärgerlicher (und für mich als humorvolle Karnevalistin manchmal auch ein bisschen lustig) sind die Tweets von Menschen, die sich über die feiernden Karnevalisten aufregen:

Ich verstehe, dass Karneval nicht für jeden etwas ist, und akzeptiere es auch, wenn Leute sagen: „An Karneval bleibe ich lieber zu Hause.“ Aber mal ehrlich: Muss man seinen Frust über die eigene Karnevalsunlust überall verbreiten und den Karnevalisten damit das Gefühl geben, sie wären minderbemittelt, weil sie sich verkleiden, fröhlich sind und Karneval feiern? Das nervt total! Akzeptiert Karneval doch einfach als Volksfest!

Trotzdem kann uns natürlich niemand die Lust am Karneval nehmen. Wir Jecken haben unseren Spaß, und wenn sich jemand dazu entscheidet, lieber zu Hause vor dem Computer zu sitzen und rumzumotzen, wie blöd Karneval doch ist – nicht unser Problem!

Schreckliche Zwischenfälle

Was natürlich schon ein Problem ist und uns Jecken sehr traurig stimmt, sind die vielen Unfälle, die an solchen Tagen wie dem Elften im Elften passieren, und häufig mit übermäßigem Alkoholkonsum im Zusammenhang stehen. So fiel ein 25-Jähriger aus einer Dachgeschosswohnung in den Innenhof und zog sich  lebensgefährliche Verletzungen zu. Ebenfalls schwer verletzt wurde ein 22-Jähriger, der auf ein Gerüst geklettert war und hinunterstürzte. Ein 51-Jähriger Mann ist am Sonntagabend von einem Zug erfasst worden. Ob er vorher Karneval feiern war, ist noch unklar.

Unentschuldbar, beunruhigend und traurig sind auch die Anzeigen von sexueller Belästigung und einer Vergewaltigung in der Nähe des Doms. Hätten diese Sexualdelikte nicht stattgefunden, wenn niemand den Sessionauftakt gefeiert hätte? Vielleicht. Allerdings können Übergriffe leider überall und zu jeder Tageszeit passieren. So oder so: Die Täter sollten mit aller Härte bestraft werden.

Friedlich trotz Alkoholkonsum

In Bezug auf den Alkoholkonsum muss man einfach sagen: Alkohol gehört zum Karneval dazu wie Ketchup und Mayo zur Pommes. Wahrscheinlich begünstigt Karneval das Sinken der Hemmschwelle für übermäßigen Alkoholkonsum. Trotzdem kann das traditionsreiche Fest für daraus resultierende tragische Vorfälle nicht verantwortlich gemacht werden. Denn: Jeder ist selbst für seinen Alkoholkonsum und seine Taten verantwortlich. Das gilt an Karneval so sehr wie an jedem anderen Tag auch. Und seien wir mal ehrlich: So gut wie jeder hat in seinem Leben mal einen über den Durst getrunken. Das kann an jedem Fest passieren. Ob auf dem Geburtstag des besten Freundes, bei der Hochzeit der großen Schwester, auf der eigenen WG-Party, oder eben an Karneval.

Außerdem gab es auch eine positive Entwicklung: Die im letzen Jahr stark beklagten Sauf-Exzesse und gesichteten Schnapsleichen in Köln sind zurückgegangen. Auch die Alarmierung von Rettungskräften sank um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt ist der Karnevalsauftakt in Köln viel friedlicher verlaufen und auch in den großen und kleinen Karnevalshochburgen in Deutschland war die Stimmung bestens.

Hoffentlich kann der 11.11. in den Großstädten eines Tages vollkommen friedlich verlaufen. Aber bis das passiert, lasst uns die Karnevalszeit so schön wie möglich gestalten und Spaß haben. An alle Hater da draußen: Ihr seid selbst Schuld, wenn ihr keinen Karneval feiern möchtet! Aber habt ihr es überhaupt schon einmal richtig versucht? Ich kenne niemanden, der bei mir im Dorf Karneval gefeiert hat, und nicht begeistert war. Also, springt doch einfach Mal über euren Schatten. Ihr werdet euch wundern, wie viel Gutes dadurch passieren kann.

In diesem Sinne: Helau, Alaaf und Festo!

Darum wird am 11.11. Karneval gefeiert
Warum die Karnevalsession genau am Elften Elften um 11.11 Uhr beginnt, ist nicht genau bekannt. Es gibt aber viele Vermutungen. So ist die Elf eine Schnapszahl und stand schon im Mittelalter für Jux und Tollerei. Die Zahl steht genau zwischen der Zehn und der Zwölf – beides Zahlen, die für Vollkommenheit stehen und für das Christentum von Bedeutung sind. So hat der Mensch zehn Finger und zehn Zehen, und das Jahr hat zwölf Monate, bevor es wieder neu beginnt. Außerdem gibt es zehn Gebote und zwölf Apostel. Die Elf ist also eine Zahl, die die christliche Gesellschaftsordnung in Frage stellt. Eine andere Erklärung besagt, dass der 11.11. zum Karnevalsauftakt ausgewählt wurde, weil es im Mittelalter nach diesem Tag eine sechswöchige Fastenzeit bis Weihnachten gab. Am Elften im Elften wurde also noch einmal ausgelassen geschlemmt und gefeiert.
Die Bedeutung der Zahl Elf im Karneval
Nicht nur beim Datum des Sessionsauftakts spielt die Zahl Elf eine Rolle. In den Karnevalshochburgen beginnen Sitzungen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später, meistens um 11.11 Uhr. Organisiert werden die Karnevalsfeiereien vom „Elferrat“. Die Zahl Elf steht auch für die Gleichheit und Eintracht im Karneval: Die Eins steht neben der Eins.

Beitragsbild: Komitee Kölner Karneval

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