Wo Stadtbewohner zusammenwachsen: Frühling im Gemeinschaftsgarten

Möhren, Kohlrabi, Radieschen und Kartoffeln kauft Sherin nicht mehr nur im Supermarkt. Die 26-jährige Lehramtsstudentin betreibt mit sieben Freunden einen Gemeinschaftsgarten. Und folgt dabei einem Trend vieler Großstädte.

„Wer in der Stadt wohnt, der ist dankbar, wenn er eine Oase hat“, sagt Sherin, Studentin an der TU-Dortmund. Ihre Oase liegt am BVB-Stadion, am Naturschutzgebiet Bolmke. Vor einem Jahr zeigte Sherins Mitbewohnerin ihr das Gartenprojekt, seitdem ist sie dabei und pflanzt Gemüse und Kräuter an. Drei Mitgärtner sind studierte Landschaftsökologen und bringen ihr das Gartenhandwerk bei. Zum Beispiel brauchen einige Pflanzen nährstoffreichere Erde als andere. Und nicht jedes Gemüse darf nebeneinander gepflanzt werden. „Es gibt gute und schlechte Nachbarn“, sagt Sherin.

Was ist ein Gemeinschaftsgarten?

In Gemeinschaftsgärten treffen sich Bürger, um gemeinsam Pflanzen und Lebensmittel anzubauen. Die Stadtbewohner bepflanzen leerstehende Grundstücke und schaffen so neue Grünflächen. So sollen Stadtviertel attraktiver gestaltet werden, zum Beispiel in Vierteln, in denen die Bewohner keinen eigenen Garten besitzen. Gemeinschaftsgärten sind meist öffentlich und sollen die Stadtbewohner zusammenführen. Finanziert werden die Gärten von der Stadt oder Sponsoren, zum Beispiel Unternehmen.

Die ersten Gemeinschaftsgärten gab es in den 70er Jahren in New York. Bürger mit wenig Geld pflanzten Lebensmittel und Pflanzen auf leerstehenden Grundstücken an. Heute ist das „Urban Gardening“ auch unter jungen Menschen ein Trend in vielen deutschen Großstädten.

Der Austausch zwischen Anfängern und erfahrenen Gärtnern ist das Ziel zahlreicher Gemeinschaftsgärten, die in Dortmund die Stadt verschönern sollen. Laut einer Online-Umfrage von Statista steht 14 Prozent der Deutschen ein Gemeinschaftsgarten zur Verfügung. Allein in Dortmund gibt es über zehn offizielle Gemeinschaftsgärten, in denen Stadtbewohner regelmäßig anbauen und ernten.

 

„Ich schmecke auch eine Unterschied beim Obst und Gemüse“, sagt Sherin. Vor allem sei ihr wichtig zu wissen, woher die Produkte kommen und was mit ihnen gemacht wurde. Dass für eine gute Ernte auch Arbeit dahinter steckt, nimmt sie gerne in Kauf. Mal stürmt es und das Tomatenhaus fliegt durch den Garten, mal müssen Pflanzen umgegraben werden. „Aber das ist okay, dafür kann ich manchmal auch auf der Wiese liegen und entspannen“.

Wer erstmal mit wenig Verantwortung starten will, der kann Mitglied in einem Garten mit vielen Teilnehmern werden. Sherin rät Anfängern in eine Solawi, eine solidarische Landwirtschafts-Gruppe zu gehen. Dort kann man zu bestimmten Terminen auf dem Acker helfen und Erfahrungen sammeln. „Einfach offen sein und Bock auf Neues haben“, sagt sie.

Mit acht Mitgliedern ist ihr kleiner Gemeinschaftsgarten gut besetzt. Andere Gärten in verschiedenen Ecken Dortmunds suchen neue Mitglieder. Auch die TU-Dortmund hat einen eigenen Campusgarten. Den gründete vor einem Jahr der AStA. Der Garten liegt gegenüber vom Friedhof, An der Palmweide 113 und nur zehn Minuten zu Fuß von der Uni.

Der AStA-Campusgarten An der Palmweide 113
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