Warum Obdachlose auf der Straße erfrieren

Zwei Obdachlose sind in diesem Jahr schon erfroren. Die 51- und 54-jährigen Männer wurden auf Straßen in Hannover und Berlin gefunden. Es ist ziemlich kalt, um die minus fünf Grad in der Nacht. Obdachlose haben es nicht leicht und erst recht nicht bei diesen Temperaturen. Welche Hilfsangebote es in Dortmund gibt – und welche Schwierigkeiten, sie in Anspruch zu nehmen.

Warum erfrieren jedes Jahr wieder Obdachlose? Es gibt viele soziale Einrichtungen, besonders für diese kalten Tage. Allerdings kommt es auch vor, dass Obdachlose Übernachtungsangebote gar nicht nutzen möchten oder können.

Das soziale Angebot

In Dortmund wird niemand, der um einen Schlafplatz bittet, ohne Hilfsangebot abgewiesen – unabhängig von der Jahreszeit und den Wetterbedingungen, heißt es von der Stadt Dortmund. Aber es funktioniert nicht immer, bei diesen Temperaturen genug Plätze für alle Obdachlosen bereitzustellen. Immer wieder schlafen Menschen in U-Bahn-Stationen und sogar auf der Straße. Dabei ist die Erfrierungsgefahr bei Temperaturen unter null Grad hoch. Um einen Schlafplatz zu finden, gibt es in Dortmund mehrere Anlaufstellen. Dort hat man auch die Möglichkeit zu essen, sich zu waschen und sich aufzuwärmen. Das Mindeste eben. Generell hat die Stadt Dortmund eine „Unterbringungspflicht“ für, so die gesetzliche Definition, unfreiwillig obdachlos gewordene Menschen und solche, die sich nicht aus eigener Kraft aus ihrer Lebenslage befreien können.

Neben den städtischen Einrichtungen gibt es auch noch soziale Angebote von anderen Trägern wie der Diakonie. Beim Brückentreff haben Obdachlose die Möglichkeit, an einem Tagesangebot teilzunehmen. Sie dürfen sich täglich dort aufhalten. Ein offener Treff, um Sozialkontakte zu pflegen. Hier läuft es aber nach dem Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt, es wird von den Gästen ein kleiner Obolus für Getränke und Essen verlangt um die Menschen dafür zu sensibilisieren, ihr Geld zu verwalten, sagt ein Sozialarbeiter vom Brückentreff.

Ein Unterschied zum Gast-Haus in Dortmund. Das ist eine Initiative für Obdachlose, bei der sie jeden Tag verschiedene Mahlzeiten zu sich nehmen, duschen, ihre Wäsche waschen und sich aufwärmen können. Um ihnen längerfristig eine Unterkunft zu gewähren, stellt die gemeinnützige Organisation „SBW – Sozial betreutes Wohnen“ auch Wohnungen für junge Obdachlose zur Verfügung. „Für Notfälle sind wir aber nicht zuständig. Um ein Zimmer zu bekommen, muss man vier Wochen Vorlauf einplanen“, sagt eine Mitarbeiterin der SBW. Für Notfälle gibt es vor allem die Männerübernachtungsstelle mit maximal 70 Plätzen und die Frauenübernachtungsstelle mit 50 Plätzen. Aber auch diese werden zum Teil nicht ausgeschöpft. Außerdem gibt es noch Wärmebusse und die Suppenküche Kana, die sich um die Verpflegung von Obdachlosen kümmern und Essen spenden.

Warum die Angebote nicht immer genutzt werden

In Dortmund gibt es also unterschiedliche soziale Einrichtungen für Obdachlose. Im Winter mangelt es aber vor allem an Wärmeräumen in Dortmund, sagt Uwe Lagoda von der Suppenküche Kana. Dort bekommen Obdachlose eine Mahlzeit, ohne sich anzumelden, sie können sich aufwärmen und ein bisschen Gesellschaft bekommen. Dort dürfen alle Bedürftigen vorbeikommen und sich bedienen, unentgeltlich. Jeden Tag kommen bis zu 300 Menschen in die Suppenküche. Viele davon sind wohnungslos. Uwe Lagoda kennt das Problem schon lange. Er arbeitet seit acht Jahren für die Suppenküche, begleitet aber auch Obdachlose bei Behördengängen und hilft ihnen bei dem Start zurück ins Leben. Er kennt ihre Probleme und weiß, warum manche Angebote von sozialen Einrichtungen nicht ausgeschöpft werden.

Ein häufiger Grund sei, dass man auch für die Notunterkünfte wie die Frauenübernachtungsstelle und die Männerübernachtungsstelle im Sozialsystem registriert sein muss. Das sind aber viele Wohnungslose nicht. Kein Personalausweis, keine Identität, kein Schlafplatz. Auch die Notunterkünfte brauchen einen Kostenträger. Also müssen sich Obdachlose bevor sie dort schlafen können  beim Arbeitsamt oder Sozialamt registrieren. Für viele Obdachlose sei das auf Grund von psychischen Erkrankungen, Scham oder Überforderung ein Problem, sagt Uwe Lagoda. Zum Teil scheitere es auch daran, dass keine Tiere mit in die Unterkünfte dürfen. Den Hund auf der Straße zu lassen komme für die wenigsten in Frage.

Wie jeder Obdachlosen helfen kann

Ehrenamtliche Mitarbeiter oder Praktikanten werden in der Suppenküche Kana immer gesucht, genau wie bei anderen Hilfsangeboten. Wer auf der Straße einen Notfall sieht, sollte unter der Nummer 112 einen Notdienst rufen, schreibt die Stadt Dortmund auf ihrer Internetseite. Obdachlose aus dem Teufelskreis herauszuholen und ihnen zurück in die Gesellschaft zu helfen ist für Sozialarbeiter immer wieder eine herausfordernde Situation, sagt Uwe Lagoda: „Wir müssen akzeptieren, nicht jedem helfen zu können.“

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