MINT: So erleben Frauen die Männerdomänen


Frauen verstehen sowieso nichts von Zahlen? Wenn man sich die Zahlen des statistischen Bundesamts ansieht, scheint es, als sei an diesen Vorurteilen was dran. Noch immer wagen sich wenige in die MINT-Fachgebiete – woran liegt das?

Im Wintersemester 2017/2018 waren an deutschen Hochschulen nur 32 Prozent der Studienanfänger im MINT-Bereich weiblich. MINT, das steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften. Zwar ist die Gesamtzahl der weiblichen Studierenden in diesen Fächern seit 2007 von rund 40.600 auf rund 63.400 gestiegen, die Männer sind aber nach wie vor in der Überzahl.

„Es fehlt an Vorbildern.“

Mit mangelndem Können hat das nichts zu tun, sagt Jill Timmreck vom Gleichstellungsbüro der TU Dortmund. Sie koordiniert das Mentoring-Programm „MinTU“, das Mädchen schon in der Schule für naturwissenschaftliche Fächer begeistern will. „Studien zeigen, dass Mädchen in der Pubertät ganz schnell ihr Interesse an MINT verlieren“, sagt Timmreck. Sie seien sich dann sicher, dass sie diese Fächer nicht können, auch wenn ihre Noten gut wären. Auch fehle es ihnen oft an Vorbildern in ihrer näheren Umgebung.

Timmreck hat mit Raumplanung ebenfalls ein ingenieurswissenschaftliches Fach belegt. Seit 2013 arbeitet sie an dem Programm mit, das Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren die Chance gibt, durch studentische Mentorinnen und Workshops an der Uni, die MINT-Bereiche kennenzulernen. Das Angebot ist erfolgreich; „Wir bekommen so viele Anmeldungen für MinTU dass wir vielen leider absagen müssen.“

Nie die einzige Frau im Seminar

Lisa Salewsky weiß wie es ist, eine der wenigen Frauen im Hörsaal zu sein. Die 21-Jährige studiert im dritten Semester Informatik an der TU und fühlt sich sehr wohl in ihrem Studiengang. „Obwohl es natürlich deutlich mehr männliche Studierende gibt, habe ich mehr weibliche Kommilitoninnen, als ich dachte. Es kommt nie vor, dass ich die einzige Frau in einem Seminar bin.“

Für Naturwissenschaften hat Salewsky sich schon seit der Grundschule interessiert. Eigentlich wollte sie Jura studieren, doch dann belegte sie in ihrer Schule einen Informatikkurs und entdeckte ihre Leidenschaft für das Fach. Jedoch vermutet sie, dass für viele Mädchen die Abneigung gegenüber MINT-Fächern gerade in der Schule beginnt. „Ich habe von vielen gehört, deren Informatikkurse in der Schule entweder so schwer waren, dass sie nicht mitkamen, oder so leicht, dass sie sich gelangweilt haben.“ Dadurch sei das Interesse abgeflaut.

Keine blöden Sprüche

Mit vielen Männern zusammen zu studieren, ist für sie kein Problem. Blöde Sprüche und schiefe Seitenblicke erlebe sie in ihrer Fakultät nicht. „Es ist nicht so, dass die Leute sagen: Die ist ein Mädchen, die kann das ja nicht.“ Im Gegenteil: Ihre Fachschaft sei sehr offen und warmherzig.

Das scheint auch für andere Fachschaften der TU zu gelten. „Uns sind keine Beschwerden von Studierenden über Sexismus in den MINT-Studiengängen bekannt“, sagt Martina Stackelbeck, zentrale Gleichstellungsbeauftragte der TU, auf Nachfrage von KURT.

Ein Blick in die Arbeitswelt

Neben der Uni arbeitet Lisa in einem IT-Unternehmen, das Software programmiert. Auch dort ist sie als Frau in der Minderheit. „Es gibt wenige Frauen, aber alle sind super warmherzig und darauf bedacht, dass ich mich wohlfühle. Sie kamen am Anfang auch zu mir und sagten: Wenn du ein Problem hast, dann komm zu uns“, sagt Salewsky.

So glückliche Erfahrungen im Berufsleben macht nicht jede. Maike Kuhnert ist Mitglied bei Women in Tech Ruhr (WiT), ein Zusammenschluss von Frauen, die in technischen Bereichen arbeiten oder sich für MINT-Themen interessieren. Dabei besprechen sie neben technischen Themen auch Fragen, die speziell Frauen betreffen. Unter anderem, wie Frauen sich in Gehaltsverhandlungen im MINT-Bereich gut verkaufen können.

„Ja, Sexismus gibt es oft genug“, sagt Kuhnert. Einige Frauen, die sie über WiT kennengelernt hat, berichten bei den Treffen auch von negativen Erfahrungen aus ihrem Berufsleben. „Sie erzählen, dass in Meetings Anmerkungen gemacht werden, dass man nicht so emotional sein soll und dass die teilweise nicht ernst genommen werden“, sagt Kuhnert.

„Frauen müssen sich mehr beweisen.“

In solchen Fällen rät Kuhnert dazu, sich mit den einzelnen Kollegen zusammenzusetzen und mit ihnen darüber zu sprechen. Sie selbst hat nach einem Informatikstudium an der TU Dortmund begonnen, in Elektrotechnik zu promovieren und ist gleichzeitig in der Wirtschaft tätig. Auch, wenn sie selbst an ihrem Arbeitsplatz keine Probleme hat, glaubt sie: „Frauen müssen sich ein bisschen mehr beweisen müssen als Männer.“

Ein anderer Blickwinkel

Jill Timmreck hofft, dass der Frauenanteil in den MINT-Disziplinen in Zukunft weiter steigen wird. „Wir brauchen mehr Frauen um neue Ideen einzubringen, weil sie teilweise einen anderen Blickwinkel haben als Männer.“

Lisa Salewsky ist mit der Wahl ihres Fachs auch nach drei Semestern immer noch zufrieden. „Frauen, die sich für den MINT-Bereich interessieren, sollten sich nicht von der Männerdomäne abschrecken lassen. „Dann kommt eigentlich auch hauptsächlich positive Rückmeldung von Kollegen und Kommilitonen, zumindest so, wie ich es erfahren habe.“

Beitragsbild: pixabay

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