So erleben Ladenbesitzer das Revierderby

Am Samstag ist es so weit: Borussia Dortmund empfängt Schalke 04 zum Revierderby. Dazu werden sich wieder mehr als 80 000 Fans auf den Weg in den Signal-Iduna-Park machen. Dabei werden die Menschenmassen wieder für eine Ausnahmesituation am Bahnhof und am Stadion sorgen.

Für einen Großteil der Fans beginnt der Weg zum Stadion am Dortmunder Hauptbahnhof. Auch mehrere Tausend Schalker Fans treffen hier mit den Bahnen aus Gelsenkirchen ein. Daher hat die Polizei Sicherheitsmaßnahmen getroffen, denn ein mögliches Aufeinandertreffen von Dortmunder und Schalker Fans bringt ein besonderes Risiko mit sich. Trotzdem ist die Stimmung bei den Geschäften am Bahnhof im Vorfeld des Derbys entspannt.

“Am Derbyspieltag ist tatsächlich weniger bei uns los, als an normalen Spieltagen von Dortmund. Wir machen da weniger Umsatz”, sagt der Mitarbeiter eines Einzelhandelsgeschäfts am Bahnhof. Denn die Polizei trennt die Fangruppen bereits im Bahnhof streng zu verschiedenen Seiten. Die Schalker Fans werden vom Bahnsteig direkt in Richtung des Nordausgangs gelenkt und von dort zur U-Bahnstation “Hauptbahnhof”. Dadurch soll vermieden werden, dass die Fangruppen von Dortmund und Schalke am Haupteingang des Bahnhofs aufeinander treffen. Für die Geschäfte am Südausgang bedeutet das gleichzeitig, dass weniger Kunden an ihren Geschäften vorbei kommen. “Wir bekommen hier keine Schalke-Fans zu sehen, die werden alle abgeschirmt. Aber das ist schon gut so, die Sicherheit sollte auf jeden Fall vorgehen. So können wir hier ganz entspannt sein, auch wenn natürlich trotzdem die Hölle los sein wird”, heißt es von einer Rossmann-Mitarbeiterin.

Aber ein ganz normaler Spieltag ist es dann doch nicht für alle am Bahnhof. “Da ist man etwas angespannter als sonst. Irgendwo macht man sich schon Gedanken, ob etwas passieren könnte und es zu Gewalt kommt. Aber wir haben das hier ja immer einmal in der Saison”, so ein Mitarbeiter der DB-Sicherheit. Daher haben die Geschäfte auch von der Bahnhofsleitung selbst Sicherheits-Anweisungen bekommen. Unter anderem sollen vor den Läden alle Gegenstände wie Aufsteller, Schirme und Bänke weggeräumt werden, um mögliche Randale damit zu verhindern. Und auch eine Kioskbesitzerin blickt mit leichten Sorgenfalten auf Samstag: “Ich weiß noch nicht was mich erwartet. Häufig ist es abhängig vom Spielverlauf wie die Fans so drauf sind. Die können wegen einer roten Karte auf einmal sehr viel aggressiver sein, als sonst.” Wichtig sei es als Verkäuferin Selbstbewusstsein auszustrahlen, dann mache sie sich weniger angreifbar: “Wenn die Besoffenen dann wieder Ärger machen, muss man auch mal auf den Tisch hauen. Aber trotzdem kann ich nur davon abraten wirklich den Konflikt zu suchen. Lieber sollte man diplomatisch bleiben.”

Häufig ist es abhängig vom Spielverlauf wie die Fans so drauf sind. Die können wegen einer roten Karte auf einmal sehr viel aggressiver sein, als sonst

Kioskbesitzerin am Dortmunder Hbf

Wenn die Fans den Bahnhof verlassen haben, geht es für die meisten mit der U-Bahn weiter Richtung Stadion. Beide Fanlager haben extra für sie vorgesehene Haltestellen, die sie ansteuern sollen. Für die Auswärtsfans ist die Station “Westfalenhalle” vorgesehen. Von dort werden die Schalker Fans vorbei an der Westfalenhalle zum Nordeingang des Stadions geführt. Für den Imbiss-Besitzer Dirk bringt diese Route einen echten Verlust mit sich. “Das Derby stört mich. Ich mache teilweise nur halb so viel Umsatz, wie an einem guten normalen Spieltag. Denn die Fans werden bei Derbys an der anderen Seite der Westfalenhalle rumgeführt, als sie sonst laufen würden. Dadurch kommen sie an zwei meiner Stände nicht vorbei.” Dazu kämen die Leute erst später zum Spiel, weil sie keine Lust auf den ganzen Trubel vor dem Stadion hätten. Deswegen werde er am Samstag erfahrungsgemäß insgesamt deutlich weniger verkaufen.

Mitten auf der Route zum Einlass in den Gästebereich befindet sich das Restaurant “Strobels”.  “Wir befinden uns hier in einer besonderen Situation. Die Auswärtsfans werden praktisch direkt an uns vorbei geführt. Aber an Derbyspieltagen wird das von der Polizei sehr gut kanalisiert. Dadurch ist zwar der Platz vor dem Laden ziemlich vollgepackt, aber wir bekommen hier drin keine Probleme”, sagt ein Mitarbeiter. Auf dem Stadionvorplatz an der Nordseite wird mit einem hohen Polizeiaufgebot dafür gesorgt, dass Schalker und Dortmunder Fans weiter auseinandergehalten werden.

Damit ist der östliche Teil des Platzes fest in königsblauer Hand. Die Dortmunder tummeln sich auf der anderen Seite. Dort ist auch der Fan-Shop zu finden, auf dessen Mitarbeiter am Samstag ein besonderes Spiel zu kommt. “Wir sind hier alle ein bisschen Dortmund Fans und fiebern dem Spiel entgegen. Und gegen Schalke denkt man sich natürlich: Das müssen wir gewinnen. Weil wir hier so nah am Stadion sind hört man auch direkt, wenn ein Tor fällt, dann jubeln wir hier drin auch.”, sagt eine Mitarbeiterin. Trotzdem sei der Stress an so einem Tag größer als sonst: “Es werden so viele Leute hier sein, dass man kaum noch was vom Laden sieht. Alles ist dann voll mit Menschen.”

Nach dem Spiel werden die Fans von der Polizei gebeten wieder die selben Routen für den Rückweg zum Bahnhof zu nutzen, wie auf dem Hinweg. Aber es geht nicht für alle noch am selben Tag zurück. Das Revierderby zieht schließlich Fans aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Diese verbringen dann noch eine Nacht in einem der Hotels um das Stadion herum. “Wenn Derby ist haben wir mehr Gäste aus dem Ausland als sonst, besonders aus England kommen viele”, so die Rezeptionistin des B&B-Hotels, “Derbys bedeuten auch mehr Stress, weil die Gäste dann länger und lauter feiern als sonst. Da müssen wir dann einschreiten”. Sorge vor Ausschreitungen gibt es dort aber nicht: “Wir haben hier zwar Dortmund und Schalker zusammen unter einem Dach, aber die verhalten sich absolut friedlich. Das ist das Schöne.”

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