Erstes Lagebild zur Clankriminalität in NRW: Das Ruhrgebiet liegt an der Spitze

Erstmalig hat die Polizei in NRW ein Lagebild zur Clankriminalität veröffentlicht.  Sie verortet zurzeit 104 kriminelle Clans im Bundesland, mit insgesamt 14.000 Straftaten in den vergangenen drei Jahren. Das Ruhrgebiet liegt dabei an der Spitze – allen voran Essen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Mittwoch ein Lagebild zur Clan-Kriminalität vorgestellt, das die Polizei in Nordrhein-Westfalen verfasste. Damit ist NRW das erste Bundesland in Deutschland mit einem solchen Bericht. In NRW gebe es 104 kriminelle Clans. Rund 14.000 Straftaten zählte die Polizei in den vergangenen drei Jahren – davon mehr als 700 in Dortmund.

Clankriminalität ist ein Teil der organisierten Kriminalität. Die Täter gehören zu Großfamilien meist türkisch-arabischer Herkunft. „Kriminalität  zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnisses und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet“, schreibt das Bundeskriminalamt in seinem bundesweiten Lagebild zur organisierten Kriminalität.

Die meisten Clandelikte wurden laut NRW-Lagebericht im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Essen begangen. Dort wurden den kriminellen Großfamilien allein in den vergangenen drei Jahren 2.439 Straftaten  zugeordnet. In Gelsenkirchen waren es 1.096, Recklinghausen folgt mit 1.091. Auch bei der Anzahl der Tatverdächtigen von 2016 bis 2018 liegt Essen mit 1.114 allein im vierstelligen Bereich – und damit an der Spitze.

„Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität“

Über ein Drittel der ermittelten Straftaten waren sogenannte Rohheitsdelikte, also Bedrohung, Nötigung, Raub oder gefährliche Körperverletzung. „Clankriminalität ist keine Kleinkriminalität“, sagte Innenminister Reul bei der Vorstellung des Lagebilds. Unter den Straftaten waren nach Angaben des Landeskriminalamtes auch 26 Tötungsdelikte, darunter zwei vollendete. Ursächlich für den hohen Anteil der schweren Gewalt könne die Aggressivität in den Geschäftsbereichen der Clankriminellen sein. Viele seien in der Kampfsportszene aktiv, heißt es im Lagebild.

Neben den Roheitsdelikten zählte die Polizei viele Einbruchsdiebstähle und zunehmenden Betrug durch Clans in NRW. Bei der Beantragung von Sozialleistungen machen die Kriminellen oft falsche Angaben. Das Ziel: ohne Berechtigung staatliche Transferleistungen in Anspruch zu nehmen. Ebenso bietet der Handel mit Kraftfahrzeugen einen infrastrukturellen Rahmen für eine Vielzahl von Delikten. Dazu zählt unter anderem  der Transport von Betäubungsmitteln. Auch mit Dienstleistungen betrügen die Clans. In der Vergangenheit berichteten einzelne Kreispolizeibehörden von Schlüsseldiensten, die von Clanangehörigen betrieben werden. Nach Türöffnung stellen diese hohe Forderungen.

Lagebild erfasst das Dunkelfeld nicht

Jedoch sind die veröffentlichten Zahlen des Lagebilds nicht vollkommen repräsentativ, da die Polizei nicht alle Straftaten erfasst hat. „Das Dunkelfeld können wir leider nicht abdecken“, sagt der Pressesprecher des Landeskriminalamts, Frank Scheulen. Das polizeiliche Datensystem speichere zwar alle eingetragenen Straftaten ab, allerdings registriere die Polizei viele Delikte nicht.

Die Aufklärungsquote in Dortmund liege bei 62,3 Prozent – und damit um knapp sieben Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Dafür hat Dortmund aber auch einiges tun müssen: Besonders in dem kriminellsten Stadtteil Dortmunds, der Nordstadt, führte die Polizei verstärkte Streifenkontrollen und regelmäßige Schwerpunktkontrollen zur Bekämpfung der Clankriminalität ein. Die Gesamtzahl der von der Polizei erfassten Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache Nord ist laut Scheulen im ersten Quartal um 15 Prozent gesunken. Besonders die Straßenkriminalität sei stark zurückgegangen.

Beitragsbild: bluebudgie/pixabay/pixabaylicense

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