Nach Video aus Testlabor: Warum Tiere weiter leiden müssen

Nachdem die Organisation „Soko Tierschutz“ ein heimlich gedrehtes Video aus einem Labor in Hamburg veröffentlicht hat, verbreiten sich die Bilder schlagartig im Netz. Zu sehen sind Hunde in blutverschmierten Käfigen, fixierte Affen und die Durchführung von Tierversuchen. Das Video erschreckt.

Muss man Tierversuche akzeptieren? Oder gibt es Möglichkeiten auf Produkte zu verzichten, die ohne hergestellt wurden? Um diese Frage beantworten zu können, muss zuerst einmal klar sein, welche Produkte durch Tierversuche auf den Markt kommen. Und das sind mehr, als man auf den ersten Blick denken könnte. Dr. Christopher Faßbender ist Berater für Peta Deutschland und sagt: „Es ist vielen nicht bewusst, für welche Konsumgüter alles Tierversuche gemacht werden“. Die Liste ist lang.

Seit 2013 ist es Kosmetikunternehmen in der EU gesetzlich verboten, ihre Produkte und deren Inhaltsstoffen an Tieren zu testen. Dieses Gesetz ist wohl das bekannteste, doch es gibt Ausnahmen. Wenn der Inhaltsstoff nicht ausschließlich für die Kosmetikindustrie verwendet wird, sondern auch in anderen Produkten, fällt er unter das Chemikaliengesetz „Reach“. Diese Inhaltsstoffe werden an Tieren getestet. Auch das LPT-Labor, dessen Tierversuche in dem heimlich gedrehten Video zu sehen sind, arbeitet für die Chemie- und Pharmaindustrie.

Tierversuche sind für Medikamente in Deutschland vorgeschrieben

 

Foto: SOKO Tierschutz / Cruelty Free International
  • In Deutschland ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Medikamente durch Tierversuche getestet werden müssen. Dagegen und für die Tiere setzt sich „Ärzte gegen Tierversuche“ ein. Dr. Gaby Neumann ist Tierärztin und Pressesprecherin der Organisation. Das Hauptargument gegen Tierversuche bei Medikamenten sei die fehlende Übertragbarkeit: „Menschen und Tiere reagieren  völlig unterschiedlich auf Medikamente. Es gibt Studien, die belegen, dass über 90 Prozent der Medikamente an Tieren gut verträglich waren und auch gewirkt haben“, so die Sprecherin. In den anschließenden klinischen Studien am Menschen sei aber herausgekommen, dass sie dort hochgradige Nebenwirkungen auslösen oder gar nicht wirken. Neumann: „Es muss ins Bewusstsein der Menschen kommen, dass der Gedanke: ,Lieber die Ratte als ich‘ falsch ist.“

Auf die Frage, ob man die Wirkung von Medikamenten auch ohne Tierversuche testen kann, erklärt die Tierärztin: „Es gibt Methoden, bei denen man aus einer menschlichen Zelle kleine „Miniorgane“ herstellen kann. Diese werden auf sogenannte Organchips durch einen Flüssigkeitsstrom miteinander verbunden und simulieren auf diese Weise den Menschen auf dem Chip. So kann getestet werden, was durch die Zugabe eines Medikaments mit den menschlichen Miniorganen passiert.“ Das könnten Forscher sogar individualisiert für einen Patienten anhand seiner Zelle testen.

Wie finde ich Produkte ohne Tierversuche?

Grundsätzlich gibt es laut Peta eine sehr breite Palette an Produkten, deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet werden oder wurden. „Es geht darum, nach vorne zu schauen und Bewusstsein dafür zu schaffen, jetzt Dinge zu benutzen die ohne Tierversuche hergestellt werden“, sagt Sprecher Christopher Faßbender.

Aber wie kann man am besten Produkte vermeiden, die mit Tierversuchen hergestellt wurden? Im Interview spricht Faßbender über Kosmetika, Medikamente, Wasch- und Putzmittel sowie Pflanzenschutzmittel. Was viele aber nicht wissen – auch für neue Technologien wie z.B. Nano-Beschichtungen werden Inhaltsstoffe verwendet, die von der Chemieindustrie in Tierversuchen geprüft wurden. Deshalb gibt er den Tipp, auch mal gebrauchte Sachen zu kaufen und die neusten Technologien zu meiden.

Kosmetik- und Lebensmittelliste

Es gibt Möglichkeiten, direkt zu erkennen, welche Produkte ohne Tierversuche hergestellt werden. Durch ein Siegel, das auf den ersten Blick Produkte kennzeichnet. „Leaping Bunny“, ist das einzige internationale Siegel für tierversuchsfreie Kosmetikprodukte. Ein weiteres Zeichen sind der „Hase mit der schützenden Hand“ des Deutschen Tierschutzbundes und die „Veganblume“ für Kosmetikprodukte. Wenn ein solches Siegel nicht direkt ersichtlich ist, hilft ein Blick in die Kosmetikliste von Peta. Dort findet man auch eine Liste aller Lebensmittelhersteller mit Produkten ohne Tierversuche. Die dort genannten Firmen haben der Organisation gegenüber versichert, keine oder mittlerweile keine Tierversuche mehr durchzuführen.

Wer schon im Laden steht und direkt die Herstellung des Produktes überprüfen möchte, für den sind Apps wie „Codecheck“ optimal. Hier kann man einfach den Barcode scannen und bekommt detaillierte Infos zu den Inhaltsstoffen eines Produkts. Eine weitere App ist „Kosmetik ohne Tierversuche“. Genau wie „Codecheck“ ist die App kostenlos und listet bekannte und unbekannte Kosmetikmarken auf, die auf Tests an Tieren verzichten.

 

Beitragsbild: SOKO Tierschutz / Cruelty Free International: https://www.youtube.com/watch?v=qFjF0Dy3Uh0

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