Hochwasser im Ruhrgebiet: So sichern sich Städte vor Überschwemmungen

Derzeit stehen vielerorts Uferstreifen unter Wasser, Zuwege zum Rhein sind gesperrt und der Schiffsverkehr in Köln ist wegen des zu hohen Wasserpegels eingestellt. Für dieses Wochenende werden nochmals stärkere Regen- beziehungsweise Schneefälle erwartet und viele Flüsse könnten mehr Wasser führen. Wie steht es also um den Hochwasserschutz in Dortmund und Umgebung? 

Schneeschmelze und Niederschläge sorgen aktuell für Hochwasser in NRW. Auch hier in der Region führen die Flüsse mehr Wasser: Letzten Donnerstag gab es ein kleineres Hochwasser an der Emscher und am Wochenende an der Lippe. Grund zur Sorge bietet ein erhöhter Pegel jedoch erstmal nicht, sagt Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft. Es gibt zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen, die die Gefahr einer Überschwemmung eindämmen.  

Was ist die Emschergenossenschaft?
Im Ruhrgebiet kümmern sich neben der Stadt Fachverbände um den Hochwasserschutz der drei größten Flüsse und Nebenflüsse der Region: Rhein, Escher und Lippe. Die Emschergenossenschaft ist zudem für die Abwasserreinigung und Pflege der Gewässer zuständig.
 

Eine Überlastung des Kanalsystems ist eine mögliche Hochwassergefahr, so Abawi. Weil in den Städten die Kanalisation begrenzt ist, kann es sein, dass bei starken Regenfällen die Systeme überfüllt sind. Dann können Gullydeckel hochkommen und Wasser auf die Straßen fließen.

Daher ist die Hauptstrategie, das Wasser so abzuleiten, dass es nicht sofort in den Kanal gelangt. Das schafft man zum Beispiel mit Hilfe von Regenrückhaltebecken, Stauraumkanälen und Pumpen. Laut Abawi ist die Region damit ganz gut ausgerüstet. In Hamm etwa stehe der mit 17 bis 18 Metern größte Flussdeich Europas und in Oberhausen gibt es einen Deich, der mindestens einem Jahrhunderthochwasser standhält. So ein Jahrhunderthochwasser kommt durchschnittlich alle 200 Jahre vor. 

Diese großen Überschwemmungen gab es in den letzten Jahren:

Frühling 2013
2013 regnete es im Mai und Juni sehr häufig und die Pegel der Flüsse stiegen an. Vor allem Süd- und Ostdeutschland waren von Hochwasser betroffen. In 55 Landkreisen musste Katastrophenalarm ausgelöst werden und Wohngebiete wurden evakuiert. 
2008 in Dortmund
In Dortmund war das letzte große Hochwasser 2008. Am 26. Juli zog ein heftiges Gewitter auf und innerhalb von knapp zwei Stunden fielen 200 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter.  Besonders betroffen waren die Stadtteile Dorstfeld und Marten, wo das Rückhaltebecken die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte und Gebäude und Straßen überflutet wurden.
Jahrhunderflut 2002
Eine besonders starke Überschwemmung in Deutschland war die “Jahrhundertflut” an Donau und Elbe 2002. Über mehrere Wochen hinweg regnete es im August immer wieder sehr stark (örtlich wurden über 300 Millimeter Niederschlag gemessen). Mehrere Deiche, Brachen und Häuser stürzten ein, in Sachsen starben damals 21 Menschen.

Vermehrt Hochwasser durch Klimawandel

Die letzten großen Hochwasser waren vor allem Sommerhochwasser, die durch große Unwetter ausgelöst wurden. Die aktuellen Höchststände sind hingegen hauptsächlich durch Schneeschmelze bedingt. In Zukunft wird es allerdings häufiger zu Großereignissen wie Starkregen und Überschwemmungen vor allem im Sommer kommen, wie eine Studie zeigt. Diese wurde 2019 von 35 Forschungsgruppen im Fachjournal “Nature” veröffentlicht.

Um die Städte auch in Zukunft vor den Folgen vermehrt auftretender Unwetter zu schützen, planen die Stadt Dortmund und der Emscherverband an Strategien, das Wasser direkt in den Boden zu leiten und so einer Überlastung der Kanäle vorzubeugen. Eine Möglichkeit ist etwa, Flächen oder Hausdächer vermehrt zu begrünen, sodass das Wasser versickern oder verdunsten kann, erklärt Abawi vom Emscherverband. Auch sollen mehr Parkplätze entsiegelt werden, das heißt nicht mehr komplett mit Asphalt bedeckt sein, sondern zum Beispiel Schotter als oberste Schicht haben. So kann das Regenwasser direkt ins Grundwasser abfließen und landet nicht im Kanal.

Trotz mehr Niederschlag droht erstmal keine Gefahr

Für Dortmund sind am Wochenende Temperaturen unter null Grad und Regenwahrscheinlichkeiten von 70 bis 90 Prozent vorhergesagt. Auch wenn die Wasserstände in den kommenden Tagen wahrscheinlich noch weiter ansteigen werden, können wir erstmal beruhigt sein. Ein großes Hochwasser droht nicht. Hinzu kommt: “Ein Hochwasser ist generell nichts schlimmes, wir sind ziemlich sicher vor schweren Schäden, wobei es eine 100-prozentige Sicherheit natürlich nie gibt” sagt Ilias Abawi vom Emscherverband. 

Wie die Gefährdungslage genau in Dortmund ist, zeigt eine Karte der Stadt. Hier sind die theoretischen Maximalwasserstände für ein mögliches Starkregen-Ereignis eingezeichnet.

Beitragsbild: Bild von Markus Distelrath auf Pixabay 

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