Qasem Soleimanis Tod und seine (möglichen) Folgen

Nach der Tötung Qasem Soleimanis durch die USA ist die Situation im nahen Osten äußerst angespannt. Es droht eine weitere Eskalation der Gewalt in der ohnehin kriegs- und krisengebeutelten Region. Das könnten mögliche Folgen sein.

Wer war Qasem Soleimani und was hat er im Irak gemacht?

Soleimani wuchs in einer Bauernfamilie in der Provinz Kerman auf. Im Alter von 23 Jahren schloss er sich der iranischen Revolutionsgarde an. Sein Aufstieg im iranischen Militär begann im Iran-Irak-Krieg in den 80er-Jahren, wo er durch Einsätze jenseits der Grenze nationale Bekanntheit erlangte. Bis zu seinem Tod war er Kommandeur der Quds-Einheit, einer Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden für Einsätze im Ausland und bildete schiitische, unter der Kontrolle Teherans stehende Milizen im nahen Osten aus. Im Syrienkrieg soll er maßgeblich die Regierungstruppen Assads unterstützt haben und im Irak kämpfte er gegen den Islamischen Staat.

Wie kam es zu seiner Tötung?

In der Nacht vom vergangenen Donnerstag auf Freitag wurde Soleimani bei einem US-Drohnenangriff in der Nähe des Bagdader Flughafens gezielt getötet. Die USA werfen ihm unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Er sei Teherans wichtigster Agent bei der Verbreitung von Streit und Terror im gesamten Nahen Osten, schreibt die britische Times über ihn. Im April 2019 wurde die Quds-Einheit von den USA als terroristische Organisation eingeordnet. Die Tötung Soleimanis war wohl bereits beim Angriff auf Kirkuk Ende Dezember diskutiert worden, bei dem die USA als Reaktion auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff pro-iranische Milizen bombardierten. Durch die Belagerung der US-Botschaft in Bagdad soll Präsident Donald Trump aber seine Meinung geändert und Soleimanis Tod befohlen haben.

Die Reaktionen

Das irakische Parlament stimmte am Sonntag über eine Resolution ab, die die Regierung dazu auffordert der amerikanischen Militärpräsenz im Land ein Ende zu bereiten. Sie verlangen eine Beendigung des Abkommens mit den Vereinigten Staaten, in dem der Einsatz von US-Truppen im Kampf gegen den Islamischen Staat beschlossen wurde. Das Votum sei laut Informationen des Spiegels einstimmig mit 170 Stimmen dafür ausgegangen. 158 der insgesamt 328 Abgeordneten, vor allem Sunniten und Kurden, die für die Präsenz der US-Soldaten im Land sind, seien der Abstimmung von vorn herein fern geblieben. Die Entscheidung sei von den im irakischen Parlament dominierenden Schiiten ausgegangen. Viele forderten demnach den Abzug der US-Truppen schon seit Jahren.

Teheran droht der Supermacht mit Vergeltung. Die Gegenmaßnahmen müssten sie jedoch äußerst sorgfältig wählen, um keinen Krieg mit den übermächtigen USA zu riskieren. Eine Möglichkeit bestünde für den Iran darin, erneut Öltanker im persischen Golf anzugreifen. Der Iran hatte im Sommer bereits gezeigt, dass er den Schiffsverkehr in der Wasserstraße empfindlich treffen kann. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Iran höchstens in der Lage wäre, den Schiffsverkehr für einige Tage zu unterbrechen, bis eine Intervention durch die amerikanische oder britische Marine erfolgt, gegen die der Iran machtlos wäre.

Dreizehn Racheszenarien im Gespräch

Irans oberster Militärberater Hossein Dehghan sagte im Interview mit CNN: „Die Antwort wird mit Sicherheit eine militärische sein und sich gegen Militäreinrichtungen richten.“ In Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait sind mehrere zehntausend US-Soldaten stationiert, die sich innerhalb der Reichweite iranischer Raketen befinden. Nach eigenen Angaben hat der Iran bereits über 30 mögliche Ziele für Vergeltungsangriffe in der Region ausgemacht. Möglich sind auch Angriffe verbündeter schiitischer Milizen auf die US-Truppen. Für die knapp 6.000 im Irak und Syrien stationierten US-Truppen könnte also ein erhöhtes Risiko bestehen.

Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Fars habe der iranische Sicherheitsrat bereits eine Liste mit Szenarien für einen Gegenschlag entworfen. „Die Amerikaner sollten wissen, dass wir bisher 13 Racheszenarien im Rat besprochen haben, auch wenn Einstimmigkeit darüber herrscht, dass selbst die schwächste Option ein historischer Albtraum für die USA wäre“, sagte demnach Irans Verteidigungsminister Ali Shamkhani. In Teheran wurde außerdem ein Gesetz verabschiedet, durch das US-Soldaten im Iran als Terroristen gelten. Darüber hinaus wurde das Budget der Quds-Brigaden, die schiitische Milizen im Ausland ausbilden, um umgerechnet 200 Millionen Euro aufgestockt.

Trumps Drohung an den Iran

US-Präsident Donald Trump hat den Iran vor einem Angriff auf US-Bürger gewarnt. Sollte der Iran sich für einen Vergeltungsschlag entscheiden, gebe es eine Liste mit 52 wichtigen Zielen, die dann angegriffen würden.

 

Unter den 52 Zielen befinden sich wohl auch solche, die sehr bedeutsam für den Iran und die iranische Kultur seien. Sollte Donald Trump sich entschließen iranische Kulturstätten zu zerstören, würde das weiter einen Keil zwischen ihn und seine westlichen Verbündeten treiben, da dies einen klaren Verstoß gegen die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten darstellen würde. Sollte die Führung in Teheran sich für einen Vergeltungsschlag entscheiden, droht eine eskalierende Spirale der Gewalt. Die Zahl 52 wählte Trump nicht zufällig. Er spielt damit auf die 52 amerikanischen Geiseln an, die von November 1979 bis Januar 1981 in der US-Botschaft in Teheran festgehalten wurden.

Vieles hängt von den Entscheidungen ab, die in den nächsten Tagen und Wochen in Washington und Teheran getroffen werden. Holt Teheran zum Vergeltungsschlag gegen die Vereinigten Staaten und seine Bürger aus? Bricht Trump mit den Vorstellungen der westlichen Wertegemeinschaft und zerstört iranische Kulturstätten? Und ist die Zeit der US-Soldaten im Irak bald abgelaufen? Posthum könnte Qesam Soleimani durch seinen Tod sein größtes Ziel noch erreichen, ein Ende der US-Militärpräsenz im Irak.

 

Beitragsbild: Official White House Photo by Shealah Craighead

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