Kommentar: Wie ein Satirelied zur Staatsaffäre wurde

Wer hätte das gedacht: Es gibt einen Oma-Shitstorm. Und der Westdeutsche Rundfunk hat ihn entstehen lassen. Weil er eine Satire-Version des Liedes zu „Die Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ von einem Kinder-Chor singen lassen hat. Klingt unspekulär? Ist es aber nicht! Denn es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen sich davon beleidigt fühlen…

Der WDR lädt das Video zum Satirelied „Die Oma ist ’ne alte Umweltsau“ hoch und die Kommentarspalte explodiert. Es hagelt Kritik. Und dann beginnt das ganze Schlamassel: Um diesen Shitstorm einzudämmen, wird das Video gelöscht. Mittlerweile wissen wir doch über dieses omniöse Internet: was einmal im Netz ist, bleibt im Netz. Auch, wenn Inhalte gelöscht werden, heißt es nicht, dass sie einfach verschwinden. Als sich Intendant Tom Buhrow zum Ende letzten Jahres für das Satirelied entschuldigt, dachte er wahrscheinlich, dass sich das Internet nun wieder beruhigt. Falsch gedacht, dann denn ging es erst richtig los! Wenige Tage danach, war #Omagate Twitter Trend Nummer 1. Jeder hatte zu der Affäre etwas zu sagen.

 

Man kann von dem Lied denken, was man will. Lustig? Ich habe nicht gelacht. Ich fand das Lied daneben. Aber ich bin auch nicht vor Wut an die Decke gegangen. Weil ich keine Oma bin? Quatsch! Weil es  Satire ist, eine Überspitzung gesellschaftlicher Kritik. Dabei liegt die Betonung auf Überspitzung. Es ist eine Kunstgattung! Ein kleiner Hinweis zu unserem Grundgesetz Artikel 5: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Wer ist denn jetzt die Sau?

Und dann wurde die Sau so richtig durchs Dorf getrieben. In dem Fall nicht die Oma, sondern der WDR. Zu Teilen auch zu recht, aber nicht wegen des Lieds, sondern weil der WDR  mit der #Omagate- Affäre bewiesen hat, dass er noch weit davon entfernt ist, den digitalen Wandel umzusetzen. Denn man kann doch nicht nach jedem Shitstorm direkt zurück rudern. Der WDR muss als öffentlich-rechtliche Anstalt damit umgehen können. Wenn Content gelöscht wird, bestätigt man die Kritik mancher Randgruppen, die gerade auf Social-Media-Kanälen besonders laut sind. Und so standen genau diese Randgruppen dann vor dem WDR Gebäude in Köln und schrien „Deutscher Opa über alles“ – Na herzlichen Glückwunsch! Das ist wohl völlig aus dem Ruder gelaufen. Reporter der Anstalt brauchen Polizeischutz und bekamen Morddrohungen. Und dann wurde das Thema zur Staatsaffäre: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kritisiert die Instrumentalisierung von Kindern. Die AfD zeigt klare Kante und pöbelt gegen die Rundfunk-Gebühren. Auch die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP Nicola Beer fordert Reformen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

 

 

Was ist bloß aus unserer Gesellschaft geworden?

Kritik hin oder her. Aber die Reaktionen sind einfach weitaus schlimmer! Polizeischutz? Morddrohungen? Wo ist unsere Gesellschaft denn hier hingeraten?Für mich zeigt die Erfahrung aus dem Oma-Gate, dass man nie überhastet auf Social-Media-Debatten reagieren sollte. Denn die Aufregung erscheint meist größer, als sie dann doch eigentlich ist. Wenn man den Troll füttert, wächst er nun mal. Und dann fangen wir an, Themen zu einem Shitstorm werden zu lassen, die es eigentlich nicht wert sind. Wir müssen lernen, in unterschiedlichen Medien unterschiedlich zu handeln. Und das bedeutet vor allem sich Online vom linearen Programm zu lösen. Und ein Satirelied ist zur Staatsaffäre geworden. Darüber sollten wir wirklich mal nachdenken.

Also Schluss jetzt mit der Debatte! Kommen wir mal zu den Kindern: Die sollten wir mal loben, denn die haben doch wirklich schön gesungen.

 

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