Das heiß ersehnte Sommerende

Es ist wieder so weit: Braungebräunte Körper räkeln sich auf den Stadtwiesen. Der Hashtag „Summertime“ häuft sich in den sozialen Medien, zusammen mit Fotos von glücklichen Paaren und lachenden Freundesgruppen am Kanal. Und unter hellblauem Himmel trinken junge Menschen ihren spritzigen „Ipanema“.  Was klingt, wie ein romantischer Film über surfende Teenager ist auch nicht mehr als das. Denn realistisch betrachtet ist der Sommer eine Jahreszeit, die es einfach nur zu überstehen gilt. Es gibt keine romantischen Abendspaziergänge ohne einen Schwarm von Mücken, der mitgeht. Auf einer hübschen Decke inmitten der prallen Sonne lässt es sich nicht besser für die Uni lernen. Und grillen kann man nicht nur bei über 25 Grad.

Im Sommer ist es, als würde mein ganzer Lebensstil infrage gestellt werden. Ich trinke gerne heißen Kaffee, keine Frapuccinos. Ich trage gerne Rollkragenpullover, keine süßen, bauchfreien Tops. Statt in einen kalten Pool steige ich lieber in eine heiße Badewanne. Aber all diese Dinge werden mir von einen Tag auf den anderen verwehrt. Denn der Sommer kommt plötzlich. Niemand warnt dich vor, tauscht deine Bettdecke in der Nacht aus oder macht die Rollläden zu. Stattdessen wachst du eines Morgens schweißgebadet auf, die viel zu hellen Sonnenstrahlen beißen in dein Gesicht und im Radio spielen die Vengaboys, „we’re going to Ibiza“.

Und da wären wir schon beim nächsten Problem. Die meisten Sommer-Hits haben ihr Haltbarkeitsdatum bereits in den frühen 2000ern erreicht. Trotzdem ist es, als müssen jetzt, wo Hochsommer ist, jetzt wo die Sonne so scheint, jetzt wo es 30 Grad sind, alle noch einmal ausgegraben werden. Dann heißt es „Vayamos Companeros“ und auch Enrique Iglesias bestellt musikalische Grüße. Es ist quasi Tradition.

Zugegeben, das Grundkonzept des Sommers ist ziemlich cool: Es spricht nichts dagegen an einem warmen Sommerabend mit Freunden im Park ein Bier zu trinken. Aber irgendwie ist es befremdlich, dass auf einmal eine Horde aus Schülern, Familien und Yoga-Tänzern aus ihren Höhlen kriechen und in den Stadtpark ziehen. Die Picknickdecken liegen so nah beieinander, dass ich die intimen Gespräche der Männergruppe nebenan höre, die in Tanktops und knappen Höschen Shisha rauchen. Und da sitzt man nun, es riecht nach verbrannter Wurst und der Fuß meiner Kommilitonin neben mir schwillt auf die Größe eines Baumstamms an – eine allergische Reaktion auf die Mücken, die sich auch auf meinen verbrannten Schultern niederlassen.

Ich sage nicht, dass der Sommer von Grund auf böse ist. Er ist aber auch nicht so mega geil, wie alle sagen. Deshalb ein Appell an alle Strandsaison-Liebhaber und Befürworter der Sommerutopie – kühlt doch mal ein bisschen ab.

 

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