Psychische Erkrankungen im Profifußball: Noch immer ein Tabu?

Resümee

Weiter, immer weiter 

Klärt über psychische Erkrankungen auf: Ex-Fußballprofi Martin Amedick.

 

Der Fortschritt ist eine Schnecke.“ Valentin Markser hat diesen, von Schriftsteller Günter Grass erdachten Satz vor rund zwei Jahren zitiert. Enkes ehemaliger Psychiater nahm damit Bezug auf die Entwicklungen im Profifußball. Was nach dem Tod des ehemaligen Nationaltorhüters, seinem Klienten, passiert sei? Manches, aber nicht genug. Es geht nur sehr schleppend voran. So die (dechiffrierte) Antwort des Fachmannes.

Dass es auch im Sport psychische Erkrankungen gibt, dass Sportler mit einer solchen Erkrankung gleichfalls Höchstleistungen vollbringen können und dass der Sport mit all seinen Stressfaktoren nicht gesundheitsbeeinträchtigend sein muss, es aber durchaus sein kann – all das ist inzwischen vielen bewusst. Und trotzdem hapert es immer noch an einigen Stellen in dieser doch sehr speziellen Branche. 

Viel Aufklärungsarbeit nötig

Ein Fußballer lebt in einer unnormalen, absurden Welt. Kaum vorstellbar hohe Geldsummen kreisen dort umher, viele vermeintliche Experten tummeln sich rund um den Platz. Sie ziehen und zerren an den Spielern, auf deren Schultern die unterschiedlichsten Erwartungen lasten. 

Zweifelsfrei gut und eine gehörige Verbesserung ist da das Netzwerk von Sportpsychiatern, an das sich Fußballer wenden können – und das auch dank der Robert-Enke-Stiftung existiert. Warum allerdings nicht allen Spitzensportlern die Option eröffnet wird, vor Ort im Verein zumindest einen professionellen Ansprechpartner zu haben, bleibt eine große, offene Frage.

Weiterhin, das scheint bitter nötig, bedarf es viel Aufklärungsarbeit. Martin Amedick, der Ex-Profi, bringt sich auch in diesem Feld ein. Gemeinsam mit Ronald Reng, seinerseits Autor und ein guter Freund des verstorbenen Robert Enke, reist er seit zwei Jahren in regelmäßigen Abständen durchs Land und hält Vorträge in den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs.

Entwicklung in kleinen Schritten

„Wir schildern, wie Robert in Momenten der Krankheit nicht einmal mehr in der Lage war, einen Telefonanruf entgegenzunehmen, und wir zeigen, dass Martin Amedick heute wieder gesund, voller Lebenskraft vor ihnen steht“, schrieb Reng vor kurzem darüber. „Manchmal kommt ein Zuhörer danach zu mir und ich ahne aufgrund seiner Worte: Der hat gar nichts kapiert. Oft aber entstehen nach unserem Vortrag erfüllende Diskussionen.“

Diese letzten Sätze von Reng umschreiben die Entwicklung im Profifußball wohl ganz gut. Seit dem Tod von Enke hat sich etwas bewegt im Umgang mit psychischen Erkrankungen, wenngleich mancherorts in eher mäßigem Tempo. Im Profisport ist es wohl so wie in der restlichen Welt: Große Veränderungen brauchen oftmals ihre Zeit.

Solltest Du selbst psychisch erkrankt sein und Hilfe benötigen, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhältst Du unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Ein Beitrag von
Mehr von Leon Elspaß
Niedriger Wasserstand im Rhein lässt Tankstellen leerlaufen
Mehrere Tankstellen in NRW fehlte zeitweise der Sprit. Grund ist der niedrige...
Mehr
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.