Du bist, was du tanzt? – Persönlichkeiten hinter Tanzarten

Poledance

Name: Vivien Feld

Alter: 37 Jahre

Inhaberin von vier VI-Dance Studios (Dortmund, Essen, Münster und Hamm),  staatlich geprüfte Gymnastiklehrerin, Poledancetrainerin und Ausbilderin

Was ist Poledance?
Poledance  wurde laut der Organisation des deutschen Pole Sports e.V. im Jahr 2010 eine „beliebte Fitnessform“.  Laut Zeit.de ist Poledance „Hochleistungsakrobatik an der Stange“. Ziel sei es, „sich durch eigene Körperkraft an der Stange zu halten und nicht auf den Boden zu kommen“. Poledance lässt sich in viele verschiedene Unterarten einteilen.

Wie lange tanzt du schon?

Ich habe mit 5 Jahren angefangen zu tanzen. Erst im Karnevalsverein, dann Rock’n’Roll-Turniere und später Poledance. Mit ca. 20 Jahren habe ich angefangen, Gogo zu tanzen und hatte in dieser Zeit das erste Mal eine Stange in der Hand. 2009 habe ich das erste VI-Dance Studio gegründet.

Wie unterscheiden sich Gogo und Poledance?

Poledance wird hauptsächlich als Sport angesehen. Dabei kann man auftreten, muss es aber nicht. Der Hauptunterschied ist, dass Poledance Acrobatic an der Stange ist und Gogo ohne Stange getanzt wird.

Wie würdest du die Tanzrichtung beschreiben?

Beim Poledance vermischt man Eleganz mit Sportlichkeit und Akrobatik. Diese wird dann mit einer Choreografie an der Stange verbunden. Außerdem sehe ich diese Tanzrichtung auch als etwas Emotionales an.

Gab es ein Schlüsselereignis,das dich dazu bewegt hat, mit Poledance anzufangen oder das sogar weiterzuführen?

Ich bin staatlich geprüfte Gymnastiklehrerin und habe nach einem Poledanceworkshop meine erste Zusatzausbildung zur Poledancetrainerin gemacht. Davor hatte ich acht Jahre Rock’n’Roll-Turniere getanzt. Da nach einiger Zeit mein Tanzpartner wegfiel, suchte ich mir eine andere Sportart, welche Akrobatik und Tanz verbindet. Diese Eigenschaft habe ich dann beim Poledance gefunden.

Wann bist du von Gogo zu Poledance übergegangen?

Das war ein schleichender Übergang. 2009 habe ich wie gesagt das erste Studio gegründet. Habe da jedoch parallel ab und zu noch Gogo getanzt. Die Nachtarbeit ist jedoch sehr anstrengend und irgendwann hatte ich dazu keine Lust mehr.

Was fasziniert dich am Poledance?

Ich finde es gut, dass wirklich jeder gut aufgenommen wird. Die meisten Frauen, welche zu uns kommen, haben zu Anfang Angst davor, kurze Hosen zu tragen und sind oftmals mit einigen ihrer Körperstellen unzufrieden. Beim Poledance achten die Frauen nicht darauf, sondern freuen sich eher füreinander, wenn eine andere Frau einen Trick schafft. Beim Poledance gibt es Frauen, die einander den Rücken stärken, statt sich gegeneinander aufzulehnen. Man kann auch Poledance tanzen, wenn man nicht die Maße 90-60-90 hat und das finde ich total schön. Ich habe gemerkt, dass das Selbstwertgefühl bei den Mitgliedern gestärkt wird, weil sie durch Poledance und die recht schnellen Erfolgserlebnisse lernen, ihren Körper zu akzeptieren.

Siehst du Tanzen als einen Teil deiner Persönlichkeit an?

Ja, definitiv! Ich habe schon immer in meinem Leben getanzt. Das ist für mich eine Art von Ausdruck. Durch Tanz kann man seine Emotionen ausdrücken, sich befreien, Dinge verarbeiten und einfach frei sein.

Kann man sich Poledance eher als etwas Erotisches vorstellen oder eher als Sport?

Es gibt beides. Genau genommen kann man zwischen drei Kategorien unterscheiden. Zum einen gibt es den Poledance als reinen Sport, zum anderen gibt es Tabledance als reinen erotischen Zweig zum Geld verdienen. Dann gibt es jedoch auch noch Exotic Pole, ein zwar erotischer Poledance, der jedoch als Sport betrieben wird. Denn auch der erotische Poledance ist 100% Körperbeherrschung und sehr anstrengend und wird von Frauen genutzt, um sich sportlich zu betätigen und ihren Körper besser beherrschen zu können und sich selbst einfach sexier zu fühlen.

Was haben deine Freunde oder Bekannte dazu gesagt, dass du Poledance tanzt?

Die meisten haben da eigentlich recht gut reagiert. Mein Vater war am Anfang ein wenig zurückhaltender und hatte die Sorge, dass das in die falsche Richtung geht. Mittlerweile ist das aber kein Problem mehr für ihn. Stattdessen ist es stolz darauf, was ich bis jetzt alles geschafft habe.

Gab es eine Zeit, in der du dich dafür geschämt hast?

Nein, geschämt habe ich mich dafür nie. Das ist nicht meine Art. Wenn ich etwas gerne mache, dann mache ich das. Wer damit ein Problem hat, hat Pech gehabt. Auch wenn das mein Vater ist. Es ist mein Leben.

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1 Comment

  1. says: Tanzamateur

    Ein wirlich tolles Interview.

    „Entweder man hat eine Faszination zum Tanzen oder nicht.“ Genau das ist der Kern und das sollten sich manche Nörgler mal auf die Fahne schreiben.

    Beste Grüße

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