Lockerungen in NRW: ein bisschen Normalität, aber kein Chaos

Von Laura Böhnert und Rika Kulschweski

„Torben freut sich, dass er wieder trainieren darf. Damit das so bleibt, trainiert Torben mit weniger Leuten im Studio. Und er wartet mit Abstand – sei wie Torben“. Sprüche wie diese hängen auf laminierten Plakaten neben dem Eingang zum Fitnessstudio. Markierungen, die an der Hauswand entlang auf dem Boden kleben, sollen genügend Abstand unter den Wartenden sichern. Die Mitarbeiter*innen haben sich vorbereitet und dafür gesorgt, dass die strengen Vorschriften eingehalten werden können. Doch noch herrscht hier Stille. Vereinzelt marschieren Mitglieder durch die Tür zum FitX in der Dortmunder Nordstadt. Doch anstehen muss hier momentan keiner. Der Ansturm bleibt am Mittag aus.

Seit acht Uhr können die Mitglieder der Fitnessstudios der Kette „FitX“ wieder Gewichte stemmen und Kilometer auf den Laufbändern machen. Dabei müssen sie jedoch auf einiges achten: Die Studiokette hat strenge Regeln aufgestellt, um ein Training mit möglichst geringem Infektionsrisiko gewährleisten zu können. Damit die Mitglieder den vorgeschriebenen Mindestabstand einhalten können, haben Mitarbeiter*innen Flächen und Geräte abgeklebt, sodass nur knapp die Hälfte des Studios genutzt werden kann. Generell gilt: Ein Mitglied pro sieben Quadratmeter Studiofläche darf hinein. Wie viele gleichzeitig trainieren dürfen, variiert also je nach Größe des Studios. Und generell gilt: Es soll nur trainieren, wer sich gesund fühlt.

Beim Einchecken am Eingang müssen die Hände desinfiziert werden – und auch während des Trainings ist Desinfizieren ein Muss: Vor allem die Geräte muss man nach der Benutzung reinigen. Die Getränkebar ist vorerst geschlossen, in den Umkleiden dürfen die Trainierenden lediglich Wertsachen einschließen. Ans Umziehen und Getränke einpacken müssen sie also schon zuhause denken. Das Kursprogramm startet ab Dienstag (12.05.2020). Die Fläche des separaten Kursraumes ist ebenfalls abgeklebt: Etwa 24 Standplätze gibt es hier für die Teilnehmer*innen, auf denen sie sich dann während des Kurses bewegen dürfen. Maskenpflicht besteht keine, lediglich Mitarbeiter am Eingang und hinter der Theke tragen Mundschutz.

Ein bisschen Normalität 

Durch die Lockerungen, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben, kehrt ein bisschen Normalität in den Alltag zurück. Sporteinrichtungen und Gastronomie öffnen wieder; auch Tourismus ist wieder möglich. In Nordrhein-Westfalen wird – verglichen mit den anderen Bundesländern – am meisten gelockert. Jedoch besteht die Angst, dass damit auch die Fallzahlen wieder ansteigen. Infizieren sich 50 Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche in einem Landkreis, müssen die Maßnahmen wieder rückgängig gemacht werden. Das kann vor allem dann schnell passieren, wenn Chaos in den Warteschlangen entsteht und der nötige Abstand nicht eingehalten wird.

NRW- Ministerpräsident Armin Laschet denkt, dass das mit den Öffnungen klappt. Bei der Wiedereröffnung setzt er vor allem auf die Eigenverantwortung der Menschen, wie er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (06.05.2020) sagte. Bisher scheint es zu funktionieren: keine übermäßig langen Schlangen, kein Gedränge, kein Ansturm. Die meisten freuen sich einfach über die Wiedereröffnung. So auch zwei Jungs, die auf dem Weg ins Studio waren: „Ich wollte schon fast hier hinrennen, so sehr hab ich mich gefreut“. Ein weiteres Mädchen erzählt von entspanntem Training, als sie das Studio verlässt: „Ich halte mich an das, was gefordert wird. Außer dass ich mal kurz auf ein Gerät warten musste, lief mein Training ganz normal ab“.

Leere Stühle in der Gastro

Damit das Gesundheitsamt Infektionsketten nachvollziehen kann: Wer zu Extrablatt möchte, muss jetzt Kontaktdaten hinterlassen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Gastronomie. Auch hier öffnen sich die Türen wieder für hungrige Gäste. In den Restaurants ist jedoch vieles ungewohnt, wie zum Beispiel in Dortmund: Nur vereinzelt sitzen Kunden an Tischen. Auf fast jedem Tisch klebt ein Zettel: „Extra frei“ steht darauf. Gäste werden von nun an zu ihren Tischen gebracht, anstatt sich einen Platz auszusuchen. Für Gastronomen gilt: Im Innen- und Außenbereich müssen die Tische mit 1,5 Metern Abstand stehen. Außerdem müssen Wirte ihre Gäste namentlich registrieren, damit das Gesundheitsamt mögliche Infektionsketten nachvollziehen kann.

Am Eingang und an der Theke steht Desinfektionsmittel. Masken müssen getragen werden, sobald Gäste ihren Tisch verlassen – zum Beispiel auf dem Weg zum WC. Angestellte tragen den Mundschutz durchgehend. Auch hinter der Theke ist es ungewohnt leer. Nur eine Thekenkraft und eine Servicekraft laufen durch den Gastraum.

Zouhier (links) und Lars sind froh, dass sie wieder arbeiten dürfen. Auch, wenn wenig los ist im Extrablatt.

„Wir haben einen extremen Verbrauch an Putzlappen. Alle zwei bis vier Stunden muss hier hinter der Theke alles ordentlich geputzt und desinfiziert werden“, sagt Lars. Er ist Barkeeper im Café und normalerweise stressigere Schichten gewohnt. Gäste kommen am ersten Tag jedoch nicht viele. „Die meisten haben bis jetzt positiv reagiert“, erzählt Zouhier, Geschäftsführer der Filiale in der Innenstadt, „es sind viele Vorschriften, da gewöhnt man sich aber dran“.

Endlich wieder mehr Menschen treffen

Mit den Lockerungen werden auch die Kontaktbeschränkungen weniger streng. Angehörige von zwei Haushalten dürfen sich nun wieder treffen und auch ins Restaurant gehen. Das können zum Beispiel zwei einzelne Freunde sein oder auch befreundete Paare oder Familien, wenn diese in nicht mehr als zwei Haushalten leben. Auch die Geschäfte der Einkaufsstraße dürfen ausnahmslos wieder eröffnen. Hier beschränkt sich die Anzahl der Kunden jedoch auf eine Person pro zehn Quadratmeter Ladenfläche. Im Tourismus öffnen Freizeitparks, Fahrrad- und Bootsverleihe. Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen unter Auflagen auch zu touristischen Zwecken wieder genutzt werden. 

Alexander Morel, Pressesprecher von FitX, kann sich vorstellen, dass andere Bundesländer von NRW lernen können: „Dadurch, dass wir in NRW als erstes öffnen, haben wir die Chance, als Vorbild voranzugehen. Dann können vielleicht bald Studios in ganz Deutschland wieder öffnen”. 

Beitragsbild: Laura Böhnert

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