Corona-Finanzhilfen für Studierende: „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“?

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Seit Mitte Juni können Studierende in finanzieller Notlage bis zu 500 Euro im Monat beantragen. Damit soll Studierenden geholfen werden, die zum Beispiel durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren haben. Aber das Geld sei nicht ausreichend und komme zu spät, kritisieren Studierendenvertretungen und kündigten Demonstrationen an.

Lange haben Studierende auf die Hilfe gewartet. Nun kündigte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek Zuschüsse von bis zu 500 Euro für drei Monate an, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Wer weniger als 500 Euro auf dem Konto hat, kann seit Mitte Juni die Corona-Überbrückungshilfe online beantragen.

Überbrückungshilfen beantragen: So funktioniert’s

Wer kann die Hilfen beantragen?
Alle Studierenden, die an einer Hochschule/Universität in Deutschland im aktuellen Sommersemester 2020/2021 eingeschrieben sind und aktuell weniger als 500 Euro auf dem Konto haben.

Was brauche ich dafür?
Ein gültiges Ausweisdokument, Kontoauszüge seit Februar oder März (je nach letztem Gehalt), Kündigung oder Mitteilung über das Ruhen des Arbeitsverhältnisses (Falls kein Dokument vorliegt, reicht eine Selbsterklärung über fehlendes Einkommen.)

Wie lange läuft das Hilfsprogramm?
Das Soforthilfe-Paket soll von Juni bis Ende August 2020 laufen. Der Antrag muss monatlich neu gestellt werden.

Wie viel Geld kann ich bekommen?
Es werden maximal 500 Euro ausgezahlt. Wer aktuell zwischen 100 und 500 Euro auf dem Konto hat, erhält das Geld gestaffelt (Beispiel: Hat eine Studentin 100 Euro auf dem Konto, dann erhält sie eine Ausgleichszahlung von 400 Euro). Wer aktuell weniger als 100 Euro auf dem Konto nachweist, bekommt die vollen 500 Euro auf einmal.

Der Bedarf ist groß: In einem offenen Brief an Bund und Länder sprachen Studierendenvertretungen aus ganz Deutschland von 750.000 Studierenden, die aufgrund der Corona-Pandemie in eine finanzielle Notlage geraten sind. Eine repräsentative Umfrage des Personaldienstleisters Zenjob ergab, dass 40 Prozent der Studierenden ihren Job verloren hätten.

Studierende warten seit März auf Hilfen

Die sogenannte Überbrückungshilfe komme zu spät, kritisiert der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS). Denn Krise habe schließlich bereits im März begonnen. Bisher mussten Studierende sich mit Krediten begnügen. Diese Lösung lehnen die Studierendenvertretungen ab, da sie lediglich zu einer höheren Verschuldung der Studierenden führen würden. Die lange erwartete Auszahlung von Soforthilfen kommt später als in anderen Bereichen. Unternehmen wurden bereits im März Zuschüsse gewährt.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Hilfe sei  für einen zu kurzen Zeitraum angedacht. Das Geld soll nur in den Monaten Juni, Juli und August ausgezahlt werden. „Die Krise begann früher und wird bis dahin nicht vorbei sein“, so der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften.

KfW-Kredite und BAföG-Regelungen bereits angepasst

100 Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Überbrückungshilfen bereit. Zudem zahlen Studierende seit Mai für den KfW-Studienkredit keine Zinsen mehr. Außerdem wurden die BAföG-Regelungen, so angepasst, dass Studierende keinen Nachteil haben sollen, wenn sie aktuell keine Prüfungen schreiben können und sich ihr Studium deswegen verzögert. Laut Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist dies ein „umfassendes Paket“. „Mir ist bewusst: Viele Studierende haben ihre Jobs verloren, bei vielen ist die Unterstützung durch ihre Familie weggebrochen. Deshalb habe ich von Beginn der Pandemie an umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Härten für Studierende abzufedern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Insgesamt umfasst das Konjunkturpaket der Bundesregierung 130 Milliarden Euro. Studierende kämen dabei zu kurz, findet der FZS und fordert deswegen, den Hilfsfond für Studierende auf eine Milliarde Euro aufzustocken. Denn maximal 500 Euro pro Monat seien nicht genug. „Hilft eine Aufstockung des Kontostandes wirklich, um aufgestaute Mietschulden oder geliehenes Geld von Freunden und Familie zurückzuzahlen? Aus unserer Sicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärt der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Dortmund.

500 Euro: „Das ist für viele allein schon die Miete“

Aber auch für Studierende, bei denen sich durch die Corona-Pandemie keine Schulden angehäuft haben, seien maximal 500 Euro monatlich nicht ausreichend. „Das ist für viele schon allein die Miete“, so der FZS. Allein in Nordrhein-Westfalen unterscheiden sich die Mietpreise je nach Stadt enorm: Laut dem Portal „wg-suche.de“ kostet ein WG-Zimmer in Dortmund im Durchschnitt 298 Euro, in Düsseldorf hingegen sind es schon 442 Euro. In München sind die Mieten noch teurer: Dort zahlen Studierende durchschnittlich 697 Euro.

Lediglich zwölf Prozent der Studierenden beziehen BAföG, viele haben einen Nebenjob, um ihren Lebensunterhalt zu bezahlen. Da durch die Corona-Pandemie viele dieser Jobs wegfallen, beispielsweise in der Gastronomie, fordert der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften neben einer Aufstockung des Fonds, das BAföG-Programm für alle Studierende zu öffnen. Die Beantragung müssen einfacher werden und die in der Krise erhaltenen Beiträge sollen nicht zurückgezahlt werden müssen. Eine weitere Möglichkeit wäre laut FZS das Arbeitslosengeld für Studierende zugänglich zu machen.

Studierende wollen für mehr Geld demonstrieren

Für ihre Forderungen wollen die Studierenden am Samstag (20.06) unter dem Motto „Eine Milliarde für eine Million – Studi-Hilfe jetzt!“ in Berlin demonstrieren. Auch in Dortmund wollen sich Studierende auf eine Kundgebung auf der Katharinenstraße für ihr Anliegen einsetzen.

Beitragsbild:Markus Spiske on Unsplash

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