Zeitarbeit für Studierende: Arbeit versprochen, Ärger bekommen

Zenjob vermittelt über eine App studentische Aushilfskräfte an Unternehmen mit akutem Personalmangel. Studierende können so spontan Minijobs annehmen, Unternehmen gelangen kurzfristig an Aushilfen. Doch das Prinzip der Zeitarbeit ist wesentlich komplizierter. Bei Zenjob klappt es nicht immer so wie gedacht.

„Das größte Problem war eigentlich, dass wir mit Zenjob nicht das bekommen haben, was uns versprochen wurde“, sagt Kristina Räder. Sie arbeitet in einem Unternehmen für Textilprodukte in der Nähe von Köln. Anfang des Jahres registriert sie sich bei Zenjob. „Wir haben festgestellt, dass wir saisonal bedingt unterschiedlich viel Personal brauchen, zum Beispiel an Karneval. Deswegen ist es für uns aber auch schwieriger, viele langfristige Arbeitsverhältnisse einzugehen.“ Zenjob scheint daher zunächst eine gute Lösung zu sein, um spontan an zusätzliche Arbeitskräfte zu kommen – ohne viel Aufwand und Kosten, so Kristina.

Aus unternehmerischer Sicht nicht zu empfehlen. Mangelnde Kommunikationsfähigkeiten des Vertriebs im Konfliktfall….

Gepostet von Kristina Räder am Freitag, 29. Mai 2020

Die Probleme ergeben sich erst nach und nach: Jobangebote können nicht – wie erwartet – über die App eingestellt werden. Ansprechpartner*innen bei Zenjob sind nicht mehr erreichbar. Hinzu kommen Probleme mit dem Zahlungsplan für Personalkosten. „Wir haben telefonisch alles abgesprochen, aber bis wir das Ganze unterschreiben konnten, sind drei Wochen vergangen“, erzählt Kristina.

Zenjobs Konzept geht nicht auf

„Studentisches Personal auf Stundenbasis online buchen: zeitsparend, unkompliziert & flexibel.“ Mit diesem Spruch wirbt Zenjob auf seiner Website für Unternehmen. Firmen können kurzfristige Jobangebote bei Zenjob einstellen. Studierende können dann schauen, welche Jobs zu ihnen passen. Was interessiert mich? Welche Anforderungen werden gestellt? Wann und wo findet der Job statt? In der Realität klappt das aber nicht ganz so reibungslos.

Zenjob fungiert als Arbeitgeber registrierter Studierender und verkauft deren Arbeit an Unternehmen. Die Kund*innen bezahlen dann einen bestimmten Betrag für jede geleistete Arbeitsstunde an Zenjob. Das Unternehmen setzt so voll und ganz auf Zeitarbeit.

Dabei hat das Prinzip der Zeitarbeit schon seit langem mit einem schlechten Image zu kämpfen und wird auch heute noch eher skeptisch betrachtet. Dies belegt ein Bericht der Bundesagentur für Arbeit aus Januar 2020. Er beschäftigt sich mit den Entwicklungen der Zeitarbeit in Deutschland. Viele Zeitarbeitende bekommen demnach weniger Lohn als ihre festangestellten Kolleg*innen.

Equal Pay – Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Zeitarbeit ist im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt. Das gibt es seit 1982, es wurde aber seitdem stetig erweitert. Eine der wichtigsten Reformen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung war die Einführung einer Lohnuntergrenze für Zeitarbeitende im Jahr 2012. Ähnlich wie beispielsweise im Mindestlohngesetz gibt es zwar auch dabei gewisse Vorschriften, allerdings sind diese nur sehr schwammig formuliert. Demnach können Arbeitgeber und Gewerkschaften dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam Vorschläge für eine solche Lohnuntergrenze machen.

Faktisch liegt diese Lohnuntergrenze aktuell zwischen 9,66 Euro und 9,96 Euro pro Stunde. Das geht aus dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz hervor (Stand: Dezember 2019). Die Bezahlung ist damit selbst im schlechtesten Fall immer noch höher als der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro. Im Vergleich zu festangestellten Kolleg*innen verdienen Zeitarbeitende jedoch oft weniger, obwohl sie dieselben Tätigkeiten ausführen. Seit 2017 gibt es deshalb den sogenannten Equal-Pay-Grundsatz. Dieser soll dafür sorgen, dass Zeitarbeitende finanziell genauso behandelt werden, wie ihre dauerhaft angestellten Kolleg*innen. 

Doch wie ist das bei Zenjob? Gewährleistet das Unternehmen, dass Studierende dort genauso viel verdienen, wie wenn sie denselben Job direkt vom Unternehmen bekämen? Laut Zenjob gibt es bei ihnen keine Probleme mit zu geringer oder ungleicher Bezahlung. „Wir zahlen grundsätzlich allen Studierenden – egal welche Jobtätigkeit sie ausüben – einen Stundenlohn von mindestens 11 Euro“, so das Unternehmen gegenüber KURT.

Zeitsparend, unkompliziert und flexibel?

Das Finanzielle scheint nicht das Hauptproblem zu sein, meint auch Kristina. Vielmehr sei es der Umgang Zenjobs mit den Kund*innen. Im Zuge der Corona-Krise hat ihr Unternehmen die Produktion auf Masken umgestellt. „Dafür brauchten wir natürlich super schnell sehr viele Leute und deswegen haben wir wieder auf Zenjob zurückgegriffen“, erzählt Kristina. Das Problem: Ihr Ansprechpartner bei Zenjob wechselt kurz vorher und die Vertrieblerin, die ihr das Konzept von Zenjob im Januar verkauft, ist ebenfalls nicht mehr zu erreichen. „Zu der neuen Ansprechpartnerin hatte ich gar keinen Bezug mehr, zudem bekam ich keine Antworten mehr auf meine E-Mails“, schildert sie. 

Als dann auch noch ohne Ankündigung oder Begründung ihr Konto bei Zenjob gesperrt wird, hat Kristina genug: „Zenjob hat ein Team aus sehr jungen Leuten, die teilweise nicht das nötige Verhandlungsgeschick besitzen, um sich mit einer sachlichen Diskussion auseinander zu setzen. Aber wir lassen auch nicht alles mit uns machen und das haben die dann auch schnell gemerkt.“ Die Folge: Niemand will mehr mit ihr telefonieren, so Kristina.

Auf Nachfrage von KURT will Zenjob kein konkretes Statement zum Fall abgeben. Aus Datenschutzgründen könne keine Auskunft über personenbezogene Fälle gegeben werden, so das Unternehmen. „Sollte sich die Situation so (oder so ähnlich) zugetragen haben, verstehen wir den Unmut […] und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“, heißt es lediglich. Für die Sperrung eines Benutzerkontos gäbe es zudem verschiedene Gründe: „Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen ,Sperrung’, ,temporäre Deaktivierung’ und ,Löschung’ eines Profils“, heißt es vom Unternehmen weiter.

Es hapert bei der Kommunikation

Studentin Konstanze kennt die Probleme mit Zenjob. Ende 2018 kündigt sie ihre bisherige Stelle, weil ihr ein Vertrag von Zenjob vorgelegt wird. „Im Bewerbungsgespräch erzählte ich einer Mitarbeiterin über meine Erfahrungen und meine Uni-Laufbahn. Sie war interessiert und freundlich, notierte sich alles und gab mir am Ende einen fertigen Vertrag inklusive Broschüren und Co. mit“, sagt die ehemalige Studentin. Alles läuft gut. 

Doch: Mehrere Wochen später erfährt sie, dass ihre Uni angeblich gar nicht mit Zenjob zusammenarbeitet. „Ich erklärte dann, dass ich extra im Gespräch bereits auf die Sache mit der Uni aufmerksam gemacht hatte, aus Angst, es würde nicht gehen, da meine Uni im Ausland ist“, erzählt Konstanze. Zenjob entschuldigt sich daraufhin zwar bei ihr, das Bewerbungsverfahren muss sie allerdings noch einmal durchlaufen. „Ich habe erneut die Einführung durchgemacht, erneut im Gespräch gesessen.“

Wieder gibt es Probleme: Beim Versuch, über die App einen Job zu finden, bricht das System wieder ab. Es stellt sich heraus, dass sich Zenjob erneut nicht um das Problem gekümmert hat. „Zu diesem Zeitpunkt war ich dann bereits über 1,5 Monate dauerhaft erfolglos mit Zenjob in Kontakt.“, so Konstanze. „Am Ende wurde ich sogar von der Mitarbeiterin am Telefon beleidigt, ob ich denn „wirklich so arm sei“ oder einfach nur „zu doof einen anderen Job zu finden.“ 

Auch zu Konstanzes Fall will sich Zenjob gegenüber KURT nicht konkret äußern. Allerdings sei man darauf bedacht, die Kommunikation mit Studierenden stets freundlich, hilfreich und transparent zu gestalten. „Die beschriebenen Fälle entsprechen nicht diesen Anforderungen und werden intern von uns untersucht und ausgewertet“, so Zenjob. Allgemein könne es zu Problemen bei der Registrierung kommen, falls die Studierenden nicht an staatlich anerkannten Hochschulen oder zum Beispiel an einer Fernuniversität studieren, heißt es weiter.

Schlechte Erfahrungen verbinden

Konstanze sucht sich danach einen anderen Job. Und auch Kristina schaut sich anderweitig nach Aushilfskräften um. Sie landet letztendlich bei einer anderen Zeitarbeitsfirma. „Lustigerweise habe ich dort auch Studierende wieder getroffen, die vorher bei Zenjob waren. Hier können die Studierenden aber zum Beispiel ihren Stundenlohn vorgeben“, erzählt sie. Bei Zenjob sei das anders. Dort habe sie einen fixen Betrag bezahlt und das Unternehmen konnte selbst entscheiden, wie viel davon an die Studierenden geht. Das hänge unter anderem damit zusammen, wie kurzfristig ein Jobangebot sei, erklärt Kristina. 

Unabhängig davon hat sie aber auch noch Kontakt zu Studierenden, die sie über Zenjob kennengelernt hat. „Nachdem einige Studierende bei uns waren und auch gut gearbeitet haben, habe ich zuerst immer bei denen angefragt, ob jemand Zeit hat, zum Aushelfen. Wir haben sozusagen unsere eigene kleine Community“. 

Beitragsbild: John Schnobrich/Unsplash

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