Warum Corona die Schwarzarbeit antreibt

Einen Abend Baby sitten und das Geld direkt auf die Hand – keine Steuern, keine Sozialabgaben. Klingt harmlos, ist aber verboten. Eigentlich war die Schwarzarbeit in Deutschland auf dem Rückzug. Doch die Corona-Krise treibt die Zahlen wieder in die Höhe. Wir erklären, warum das so ist und wie es in Dortmund aussieht.

Corona bringt unsere Wirtschaft in vielen Bereichen voran, etwa bei der Digitalisierung. Doch bei der Schwarzarbeit wirft sie uns zurück. Seit Jahren geht der Anteil der sogenannten Schattenwirtschaft zurück, den letzten kleinen Anstieg gab es in der Weltwirtschaftskrise 2009. Vor der Pandemie gingen Fachleute davon aus, dass die Schwarzarbeit auch 2020 sinken würde: auf 9,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), sprich rund 320 Milliarden Euro der Wirtschaftleistung. Einer von ihnen, Friedrich Schneider, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Linz, rechnet jetzt mit knapp 10,5 Prozent – der Corona-Effekt ist also deutlich.

2020 hat Corona die Schwarzarbeit angetrieben. Quelle: Berechnungen der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider und Bernhard Boockmann
2020 hat Corona die Schwarzarbeit deutlich gesteigert. Quelle: Berechnungen der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider und Bernhard Boockmann

Schwarzarbeit ist ein Krisenpuffer

Wegen Corona steckt Deutschland in einer schweren Wirtschaftskrise. Viele Menschen haben ihren Job verloren und arbeiten deshalb schwarz. Es gibt also auch einen positiven Effekt. “Die Schattenwirschaft dient durchaus als Puffer für sonst noch wesentlich höhere zu erwartende Einkommensverluste”, sagt Schneider.

Der große Verlierer der Schattenwirtschaft ist der Staat. Denn dadurch fehlen Sozialversicherungsbeiträge und Einkommenssteuern. Gegen Schwarzarbeit gibt es in Deutschland sogar ein eigenes Gesetz. Das ist in vielen anderen Ländern nicht so, dort wird von Steuerbetrug gesprochen. Laut dem Bundesfinanzministerium umfasst Schwarzarbeit vor allem Betrug bei Mindestlohn und Sozialabgaben sowie illegale Ausländerbeschäftigung. Strafabar machen sich nicht nur die Schwarzarbeiter*innen selbst, sondern auf die Auftraggeber*innen. Es drohen Geld- und sogar Freiheitsstrafen.

Weniger Verfahren in Dortmund

Da Schattenwirtschaft im Verborgenen stattfindet, kann das tatsächliche Ausmaß nur geschätzt werden. Die Forscher*innen der Uni Linz führen dafür Umfragen durch, die direkt und indirekt auf Schwarzarbeit hinweisen, und werten Daten verschiedener Behörden aus.

Nur ein Teil der Fälle wird vom zuständigen Zoll aufgedeckt. Im Hauptzollamt Dortmund spürt man den Corona-Effekt, den die Fachleuten vermuten, nicht. Eher im Gegenteil. “In vielen Bereichen ist die Anzahl der eingeleiteten Verfahren rückläufig, da durch die Pandemie viele Betriebe schlicht geschlossen haben”, sagt eine Pressesprecherin. Das betrifft viele Branchen, in denen Schwarzarbeit häufig vorkommt, wie Gastronomie oder Schaugewerbe.

Seit einigen Jahren hat sich der Zoll auf die organisierte Schwarzarbeit spezialisiert und führt Schwerpunktkontrollen durch, etwa in der Fleischindustrie. 2019 leitete das Hauptzollamt Dortmund mehr als 4.600 Verfahren wegen entsprechender Straftaten ein.

Zweiter Lockdown könnte Trend verstärken

Die Erfahrungen zeigen, dass während Wirtschaftskrisen die Schwarzarbeit zunimmt. Danach normalisiert sie sich in der Regel wieder. Wann aber der Corona-Effekt verpufft, ist unklar. Die Impfstoffe gegen Covid-19 stimmen zuversichtlich, doch bis zur wirtschaftlichen Normalität dauert es noch. Fachleute schätzen daher, dass der zweite Lockdown die Schwarzarbeit erstmal weiter befeuert.

Teaser- und Beitragsbild: pixabay.com/Joko_Narimo, lizenziert nach CC.

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