UN-Studie warnt: Überarbeitet? Das ist lebensgefährlich

Im Home Office sind die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fließend. Das kann nicht nur nervenraubend sein, sondern sogar lebensgefährlich. Eine neue Studie der Vereinten Nationen (UN) zeigt, dass weltweit fast 750.000 Menschen innerhalb eines Jahres an „Überarbeitung“ gestorben sind.

Normalerweise verbinden wir Herzinfarkt und Schlaganfall eher mit ungesundem Essen oder Rauchen. Eine neue Studie der UN, die sich mit den Zahlen aus 2016 beschäftigt, zeigt aber: Wer 55 Wochenstunden oder mehr arbeitet, hat ein deutlich höheres Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Erkrankung steigt auf knapp 30 Prozent an.

Der Trend wird durch die Pandemie bestärkt

Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) ist das Gefährdungspotenzial bei zu vielen Wochenstunden für die umgangssprachliche „Überarbeitung“ höher. Die wöchentlich erlaubte Anzahl an Arbeitsstunden ist nicht nur im Arbeitszeitgesetz, sondern zusätzlich in einer EU-Richtlinie festgehalten.

„Die Menschen denken, sie müssten bis 21 Uhr am Schreibtisch sitzen, weil sie mittags für ihr Kind Essen gekocht haben.“

Danach dürfen acht Stunden am Stück durchschnittlich nicht überschritten werden. Der wichtige Punkt dabei ist: am Stück. Fehlende Ruhezeiten sind laut dem Sprecher der BAUA ein sehr unterschätzter Auslöser für zu viel Stress am Arbeitsplatz: „Die Menschen denken, sie müssten bis 21 Uhr am Schreibtisch sitzen, weil sie mittags für ihr Kind Essen gekocht haben.“

Grafik: Canva

Im Home Office sind die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oft nicht trennscharf. Unabhängig von der momentanen Situation gibt es Berufe, die besonders anfällig sind. In der Schicht- und Nachtarbeit gibt es viel häufiger Folgeschäden als bei Jobs mit den klassischen Büroarbeitszeiten. Deshalb ist die Schichtenverteilung auch separat im Arbeitszeitgesetz festgehalten.

Die Studie der UN hat hauptsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache festgestellt. Abgesehen von diesen Erkrankungen beobachtet die BAUA viele psychisch erkrankte Menschen, die dadurch häufig in Frührente gehen.

Eine neue Erkenntnis ist, dass Stress auch Diabetes auslösen kann. In nahezu jedem Betrieb werden Angebote gemacht, um diese Krankheiten präventiv zu behandeln. Dazu zählen Sportangebote und Ernährungskurse bis zu Beratungsangeboten bei psychischen Problemen.

Herzkrank durch zu viel Stress

Vor allem Herzkrankheiten stehen bei der UN-Studie im Fokus. Der anfänglich harmlos erscheinende Stress bewirkt eine Ausschüttung von Stresshormonen. Die treiben den Blutdruck und den Puls in die Höhe. Wenn die anstehenden Aufgaben erledigt sind, wird normalerweise eine Pause eingelegt.

Dann hat der Körper Zeit, um die Hormone wieder abzubauen. Wenn diese wichtigen Pausen aber fehlen, entsteht Bluthochdruck. Das ist langfristig ein Problem und verursacht viele gefährliche Krankheiten wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Studierende leiden unter Online-Semester

Psychische Belastung durch zu viel Arbeit wird auch bei Studierenden beobachtet. Die Psychologische Beratungsstelle der Ruhruniversität Bochum betreut häufig Studierende, die durch viel Druck im Studium belastet sind. Die Pandemie verstärkt den Trend und es gehen mehr und mehr Anfragen bei der Beratungsstelle ein.

Studierende haben das Gefühl von größerer Arbeitsbelastung und höherem Leistungsdruck. Das Online-Semester lässt viele ihre Tagesstruktur verlieren. Dadurch gibt es keine klare Abgrenzung zur Freizeit und die Belastung steigt noch mehr als üblich. Eine offizielle Diagnose für „Burnout“ gibt es nicht, die Beratung hilft aber meist Studierenden mit genau dieser Symptomatik. Auch körperliche Beschwerden wie Verspannungen sind durch zu viel Anspannung möglich. Und die werden sich durch die Online-Semester wohl kaum verringert haben.

Beitragsbild: Yasmina H via Unsplash 

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