Campusturnier: Ein Überraschungsteam trumpft auf

Endlich wieder Campusliga – nach über einem Jahr Pause rollt der Ball wieder in der Fußballliga der TU Dortmund. Im Turniermodus traten am Nikolaustag 16 Teams auf dem Kunstrasen gegeneinander an. Ein KURT-Team hat die Mannschaft Big Time Sus bei ihrem Debüt begleitet.

Die Hereingabe kommt von der rechten Seite auf den kurzen Pfosten. Torwart Anton Veit geht hin, bekommt den Ball aber nicht zu fassen. Der Stürmer kann unbedrängt den Führungstreffer erzielen. Es ist der Beginn eines denkwürdigen Finalspiels, bei dem es nach Abpfiff zwar einen klaren Sieger, jedoch glückliche Gesichter auf beiden Seiten gibt.

Die Dortmunder Campusliga kehrt nach der langen Corona-Zwangspause zurück. Statt regelmäßiger Spiele allerdings erst einmal mit einem Tagesturnier. Die Laufbahn rund um den Platz ist gefroren. Es ist glatt. Eiskristalle funkeln im Kunstrasen. Aber trotzdem sind die 16 Studierenden-Teams hoch motiviert. Darunter die Neulinge Big Time Sus. Wie weit die Turnierdebütanten es tatsächlich schaffen würden, sollte alle überraschen.

Auf die spontane Turnieranmeldung folgt ein Rückschlag

Dabei kommt die Turnieranmeldung ganz spontan. „Wir haben das beim Hochschulsport zufällig gesehen und kurzfristig ein Team zusammengestellt“, erklärt Kapitän Alexander Lupatsiy. Alexander und seine Teamkollegen kennen sich von der Uni. Einige von ihnen spielen selbst im Verein, andere haben die Fußballschuhe eigentlich schon wieder an den Nagel gehängt. Obwohl sie bereits im dritten Semester sind, können sie wegen des Corona-Ausbruchs erst jetzt an der Campusliga teilnehmen. Große Erwartungen haben sie nicht: „Wie unsere Chancen stehen, wissen wir nicht. Wir wollen eigentlich nur ein bisschen Fußball spielen und Spaß haben.“

Kurz vor Turnierbeginn dann der erste Rückschlag: Zwei Spieler sagen ab. Jetzt ist klar: Alle übrigen sieben müssen an ihre Grenze gehen. Wechsel sind ausgeschlossen. Die Formation steht damit früh: Anton Veit hütet das Tor; Alexander Lupatsiy und Karl Schürmann bilden die Abwehrkette; Finn Serocka, Joshua Boeck und Paul König ziehen im Mittelfeld die Fäden und Lucas Esther soll im Sturm die Chancen verwerten. Dass das nicht die ideale Aufteilung ist, zeigt sich bereits im ersten Spiel.

Hintere Reihe von links nach rechts: Joshua Boeck, Karl Schürmann, Finn Serocka, Anton Veit; vorne von l. n. r.: Alexander Lupatsiy, Luca Esther und Paul König

Im Duell mit den Beinis TU Go offenbaren sich spielerische Defizite. Ballverluste, ungenaues Passspiel und Abstimmungsschwierigkeiten. Verteidigen ist angesagt. Selbst Stürmer Lucas muss überwiegend mit nach hinten arbeiten. Immerhin bringen die Turnierneulinge das 0:0 über die Zeit. Wie, das wussten sie selber nicht so genau: „Das war schon ein glückliches Unentschieden. Wir haben nur verteidigt und einen Schuss nach dem anderen aufs Tor bekommen.“ Eins ist nach dem ernüchternden Auftritt für Big Time Sus aber klar: Es müssen taktische Kniffe vorgenommen werden. Die Lösung für das zweite Spiel: Kapitän Alexander rückt ins Mittelfeld, Finn dafür in die Abwehrkette.

Eine Umstellung, die fruchtet

Die Umstellung macht sich schnell bemerkbar. Im Spiel gegen den FC Knieschoner 04 landen die sieben Studenten gleich einen deutlichen 3:0-Erfolg. So geht es ins entscheidende dritte Gruppenspiel. Kapitän Alexander stimmt sein Team auf die Begegnung ein: „Jungs, ein 0:0 reicht. Wenn wir ein 0:1 verlieren, sind wir raus.“ Nervosität ist auf dem ganzen Feld spürbar. Fehlpässe häufen sich. Der Ton auf dem Spielfeld wird rauer. Doch dann: Eine wunderschöne Kombination über die rechte Seite. Paul leitet per Hacke weiter auf Luca, der ohne Mühe im Stile eines Vollblut-Stürmers zum 1:0 vollendet. Nach Abpfiff reißen die Kicker jubelnd die Arme nach oben, Viertelfinale!

Der Gegner dort heißt Scorpio FC. Mittelfeldspieler Paul kommt auf der rechten Seite an den Ball. Er zieht in die Mitte, lässt seine Gegenspieler aussteigen und erzielt mit einem beherzten Schuss ins rechte untere Eck den 1:0-Siegtreffer. Abwehrchef Alexander ist zufrieden: „Wir haben keinen Schuss zugelassen, deshalb war der Sieg nie gefährdet.“

Packendes Halbfinale gegen Steaua Sambucarest

Es folgt das Halbfinalspiel gegen Steaua Sambucarest, die bis dato alle Spiele gewonnen und, genauso wie Big Time Sus, noch ohne Gegentor geblieben sind. Dies sollte sich allerdings ändern. Auch wenn die Kräfteverhältnisse klar aufseiten von Sambucarest liegen, bringt ein einziger gut gespielter Konter über die rechte Seite die Führung. Paul verwandelt abermals eiskalt. Tja, wer halt vorne keine Tore schießt, kriegt irgendwann hinten einen rein, oder wie war das?

Danach ist Zittern angesagt. Nicht nur für die Fans, die bei drei Grad das Spiel von außen verfolgen, sondern auch für die strauchelnden Spieler des Big Time Sus. Steaua erhöht den Druck weiter. In der letzten Spielminute ergibt sich die Chance zum Ausgleich. Die Sus-Abwehr klärt den Ball unsauber. Ein paar Meter hinter der Strafraumgrenze kommt Steaua zum Schuss. Per Volley fliegt der Ball durch die Menge der im Strafraum stehenden Spieler auf das Tor. Torwart Anton schafft es im letzten Moment, den Ball an den Pfosten zu lenken. Es ist der Höhepunkt einer ohnehin überragenden Torhüterleistung.

Ein paar Augenblicke später pfeift der Schiedsrichter ab. Der Jubel nach dem glücklich gewonnenen Halbfinalspiel ist grenzenlos. Finale ohne einen einzigen Gegentreffer zu kassieren und das beim Turnierdebüt – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Besonders Torwart Anton wird von seinen Mitspielern für seine Leistung geherzt. Torschütze Paul ist sich sicher: „Wenn wir die Jungs geschlagen haben, können wir auch das Finale gewinnen.“

Finale verloren und trotzdem mit einem Lächeln vom Platz

Dann ist es so weit. Finale: das Treffen auf alte Bekannte, die Beinis TU Go. Bereits das Eröffnungsspiel der Gruppe A hatte man ja gegen diese Mannschaft bestritten. Die Beinis TU Go, bereits zum dritten Mal beim Turnier dabei, scheiterten in den Vorjahren. Umso motivierter gingen sie in diesem Spiel zu Werke. Der zu Beginn angesprochene Fehler ist ein früher Tiefpunkt im Spiel der Big Time Sus. Paul versucht seine Mitspieler direkt zu motivieren: „Wir haben genug Zeit. Es ist alles drin.“

Doch das erste Tor ist bloß der Auftakt eines Offensiv-Spektakels des erfahrenen und favorisierten Teams. Die Tore zum 2:0 und 3:0 folgen Schlag auf Schlag. Der Big Time Sus kann dem übermächtig erscheinenden Gegner in diesem Finale nur wenig entgegenbringen. Die Frische ist weg und die Müdigkeit in den Knochen der Spieler nach dem aufreibenden Weg ins Finale sichtbar. „So zwei bis drei Auswechselspieler hätten schon geschmeckt“, meinte Alexander mit einem verschmitzten Lächeln kurz nach Abpfiff.

„Natürlich ist es bitter, im Finale zu verlieren, wenn man so weit gekommen ist, aber das geht am Ende schon in Ordnung“, gibt sich Goalgetter Paul zufrieden. So überwiegt trotz der 0:3-Pleite die Freude über das unerwartet gute Abschneiden im Turnier. Einzig und allein die Größe der Schokonikoläuse wird bei der Siegerehrung heiß diskutiert. Die „Trophäen“ für die Zweit- und Drittplatzierten sind gleich groß, während der Gewinner neben dem Henkelpott noch XL-Schoko Nikoläuse ausgehändigt bekommt. „Wer will meinen haben“, scherzt einer der Spieler und guckt etwas neidisch auf die Gewinner.

Angesichts der aber weiterhin eisigen Temperaturen um den Gefrierpunkt bevorzugen die Spieler eine warme Dusche dem weiteren Austausch über die Schokolade. So verlassen die sieben Freunde mit einem Lächeln die Sportanlage der TU Richtung Duschen. Auf dem Weg in die Kabinen sind sich alle sieben Spieler bei einer Sache einig: Im nächsten Semester greifen sie wieder an. An der Stelle greift das alte Sportlersprichwort: Auf die bittersten Niederlagen folgen die schönsten Triumphe.

Beitragsbilder und Fotogalerie: Till Schacht/KURT

 

 

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