Nobelpreis 2021: Was die Preisträger*innen verändert haben

Traditionell findet die Verleihung der Nobelpreise immer am Todestag von Gründer Alfred Nobel, dem 10. Dezember, statt. Nachdem die Preisträger*innen bereits im Oktober bekannt gegeben werden, ist die eigentliche Übergabe immer an diesem Tag. Fast immer.

Dieses Jahr gibt es statt einem Verleihungstag direkt eine Verleihungswoche. Grund hierfür: Corona. Vom 06. bis zum 12.12. werden die Preisträger*innen nun ausgezeichnet. Doch wofür eigentlich?

Chemienobelpreis: Vom Unterschied von Zitronen und Orangen

Benjamin List mit Nobelpreis-Medaille Foto: Bernhard Ludewig / © Nobel Prize Outreach

Zitronen und Orangen – oder auch: ein Beispiel für asymmetrische Organokatalyse. Das ist der Forschungsbereich von den Nobelpreisträgern Benjamin List (53) vom Max-Plank-Institut für Kohlenforschung in Mülheim und David MacMillan (53), Professor der Princeton University. Sie sind Entdecker von bestimmten asymmetrischen Organokatalysatoren. Was das mit Zitrusfrüchten zu tun hat? Wenn man sich die Duftmoleküle der beiden Früchte anschaut sind diese genau gleich – bis auf die Tatsache, dass sie ein Spiegelbild voneinander sind. Man merkt, dass das einen großen Unterschied macht, wenn man genüsslich in eine Zitrone beißt und dann doch das Gesicht verzieht, weil diese so sauer ist – anders als bei der Orange.

Dass es zu einem Molekül ein Spiegelbildmolekül gibt, ist sogar häufig, auch in der Industrie. Bei den meisten Herstellungsprozessen lässt sich nicht vermeiden, dass beide Moleküle entstehen. Was bei Zitrusfrüchten nur den Geschmack verändert, kann aber bei Medikamenten dafür verantwortlich sein, ob ein Wirkstoff heilt oder schadet.

List und MacMillan haben nun zwei organische Katalysatoren entdeckt, die je nur eine von beiden Molekül-Optionen herstellen. Ihre Forschung trägt dazu bei, gezielt nützliche Stoffe herzustellen und chemische Umweltabfälle zu vermeiden.

Friedensnobelpreis: Weil Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist

Die Philippinerin Maria Ressa, Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler, und Dmitri A. Muratow aus Russland, Chefredakteur der kremelkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, haben den Friedensnobelpreis in Oslo für ihren Einsatz für die Wahrung der Meinungsfreiheit erhalten. Die dänische Tageszeitung „Politiken“ wies auf den Wert der freien Presse hin, für den sich die beiden einsetzen:

„Maria Ressa und Dmitri Muratow sind die wahren Helden des Journalismus, der Demokratie und der Aufklärung. Sie bestehen darauf, dass der Kampf für die Freiheit und Wahrheit stärker ist als die Furcht, mit der sie jeden Tag zur Arbeit gehen müssen.“

Obwohl es mit der 58-jährigen Maria Ressa eine weibliche Nobelpreisträgerin gibt, sind Frauen bei der Verleihung dennoch weiterhin unterrepräsentiert. Frauen und Männer stehen hier gerade einmal in einem Verhältnis von 1:15.

Physiknobelpreis: Sie halfen das Klima zu verstehen

Giorgio Parisi mit Nobelpreis-Diplom Foto: Laura Sbarbori / © Nobel Prize Outreach

Klima ist nicht gleich Wetter. Das, und dass sich das Klima zuverlässig modellieren lässt, zeigten die Klimaforscher Syukuro Manabe (90) und Klaus Hasselmann (90). Die beiden gelten als erste Wegbereiter der Klimaforschung. Beispielsweise gelang es Hasselmann bereits in den 90er Jahren zu beweisen, dass die Erderwärmung auf den CO2-Anstieg zurückzuführen ist. Eine Forschung, für die er jedoch erst jetzt geehrt wurde.

Wissenschaft ist kein Einzelkampf, daher wurde der Preis zweigeteilt. Die andere Hälfte erhielt Giorgio Parasi (73), Professor an der La Sapienza in Italien. Parasi forscht an ungeordneten komplexen Systemen. Durch seine Forschung trägt er dazu bei, scheinbar zufällige Materialien und Zerfallsprozesse besser zu verstehen.

Medizinnobelpreis: Kleine Schote, große Wirkung

Ardem Patapoutian mit Nobelpreis-Medaille Foto: Paul Kennedy / © Nobel Prize Outreach

Capsaicin, den Wirkstoff der Pflanze Chili, machte sich David Julius (66) in seiner Forschung zunutze. Er entdeckte den Mechanismus der Schmerzübertragung, der durch den Biss in eine Chilischote ausgelöst wird.

Der Professor an der University of California teilt sich den Preis mit Molekularbiologe und Neurowissenschaftler Ardem Patapoutian (54). Die beiden haben unabhängig voneinander das Druck- und Temperaturempfinden des Menschen erforscht.

Dass wir Temperatur empfinden können und auch Berührung wahrnehmen, ist jedem klar. Nicht so klar war bisher, wie das eigentlich im Körper funktioniert. Julius und Patapoutian fanden heraus, dass Ionenkanäle, kleine Tunnel durch die Zellwand, für diese beiden Empfindungen verantwortlich sind. Dieser speziellen Ionenkanäle waren vorher noch nicht bekannt.

Eine große Neuerung, denn das neue Verständnis von Temperatur, Druck und vor allem Schmerz, eröffnet nun neue Forschungsmöglichkeiten in der Schmerzmedizin.

Literaturnobelpreis: Abdulrazak Gurnah – Der Mann der hinsieht

„Für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten.“

So drückte es Mats Malm, Staatssekretär von der schwedischen Akademie, die die Nobelpreise vergibt, bei der Bekanntgabe aus. Der Preisträger und tansanische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah (72) hat sein Statement am Dienstag mit „Writing has always been a pleasure“ begonnen. Nach seiner Auswanderung nach England, begann er sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die er in seinen Werken aufarbeitet. Erst hier entdeckte er eine neue Art von Schreiben und fand für sich, was er mitteilen musste, so Gurnah.

 

Wirtschaftsnobelpreis: Von wegen Mindestlohn kürzt Arbeitsplätze

Der Wirtschaftsnobelpreis nimmt traditionell einen Sonderstatus unter den Nobelpreisen ein, da ihn nicht Alfred Nobel ins Leben rief. Verliehen wurde der Wirtschaftsnobelpreis 1969 zum ersten Mal und wird im Gegensatz zu den anderen Preisen von der Schwedischen Nationalbank gestiftet.

Die Ökonomen David Card (65), Joshua Angrist (61) und Gido W. Imbens (58) erhalten dieses Jahr die Auszeichnung für ihren Forschung zum besseren Verständnis des Arbeitsmarktes und dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Konkret hat Card beispielsweise nachgewiesen, dass ein höherer Mindestlohn nicht zu weniger Beschäftigungen führt.

Beitragsbild: Clément Morin / © Nobel Prize Outreach

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