Europatag – auch für Studierende ist die EU noch wichtig

Am 9. Mai wird der Europatag gefeiert – zurückgehend auf die Schumann-Erklärung, die am 9. Mai 1950 vorgestellt wurde. 70 Jahre später spielt die Europäische Union immer noch eine große Rolle – auch für die junge Generation. Was bedeutet die EU für die Dortmunder Studierenden?

Die Europäische Union. Das ist für viele so eine abstrakte Idee, die unnahbar scheint. Kein Wunder, gibt es doch unübersichtlich viele Institutionen innerhalb der EU und sind die Gesetzgebungsprozesse dort teils hochkompliziert. Aber manchmal ist die EU doch ganz nah – auch hier in Dortmund.

Da braucht man am Abend dieses 9. Mai nur einmal aus dem Fenster gucken, wenn man in der Nähe des Dortmunder Us wohnt. Das wird an diesem Abend nämlich mit der EU-Flagge und einer Regenbogenfahne angestrahlt. Als Zeichen für Frieden, Gleichstellung und Zusammenhalt in Europa. Damit ist Dortmund eine von mehr als 50 Städten, in denen am 9. Mai eine solche Aktion geplant ist.

Der Anlass dafür: Am 9. Mai 1950 stellte der damalige französische Außenminister Robert Schuman eine revolutionäre Idee vor: Er wollte die Staaten Europas durch wirtschaftliche Kooperation zusammenführen. Zwei Jahre nach der Vorstellung des Schuman-Plans wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gegründet – der Vorgänger der EU.

 

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Seit 1985 wird der 9. Mai deswegen als Europatag gefeiert. Hierzu finden neben symbolischen Aktionen wie dem Beleuchten von Gebäuden auch Feste statt – in der deutsch-polnischen Grenzstadt Guben etwa feiern etwa 15.000 Menschen das Jubiläum des Schumann-Plans. In Dortmund wird der Europatag zwar nicht so groß gefeiert, aber hier erkennt man die Vorteile der EU ebenfalls an – gerade in der jungen Generation. Denn auch für die Studierenden der TU Dortmund spielt die Europäische Union eine große Rolle.

„Ich reise viel und da profitiere ich natürlich sehr von den offenen Grenzen“, sagt Michelle, die an der TU Reha-Pädagogik studiert. Die 31-Jährige überlege auch, ein Erasmus-Semester zu machen. „Und da ist es auch schon echt cool, wie vergleichsweise einfach so etwas geht“, meint die TU-Studentin.

Erasmus macht Auslandsaufenthalte leicht

Das Erasmus-Programm ist eine echte Erfolgsgeschichte der EU. Erasmus vereinfacht es für Studierende, ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren, zum Beispiel, indem sie die Studiengebühren im Ausland nicht zahlen müssen. Die Anzahl der Erasmus-Studierenden ist in den Jahren vor Corona stark angestiegen. 2018 nahmen allein in Deutschland über 33.000 Studierende an dem Austauschprogramm teil – so viele wie noch nie zuvor. An der TU werden seit über 35 Jahren Auslandsaufenthalte über Erasmus angeboten

Lehramtsstudentin Kyara nimmt durch die EU vor allem Erleichterungen beim Online-Shopping wahr. „Ich kann mir aus vielen verschiedenen Ländern Sachen bestellen, ohne das Geld umrechnen lassen zu müssen. Und die Lieferungen kommen innerhalb der EU natürlich auch schneller an“, sagt sie. Dass in fast allen EU-Staaten mit dem Euro bezahlt wird, ist auch für die Lehramtsstudentin Leonie der große Vorteil der EU.

Ein Gefühl der Verbundenheit

Was die meisten Studierenden zu verbinden scheint: Sie bekommen durch die EU augenscheinlich ein Gefühl der Gemeinschaft vermittelt. Kyara lobt etwa die „Verbundenheit zwischen den einzelnen Ländern“ und Michelle hat das Gefühl, „dass Europa gerade in der aktuellen Zeit gemeinschaftlich zusammensteht“. Psychologie-Student Felix formuliert es so: „Man ist Teil einer großen Vereinigung, die zusammen für Sicherheit und Freiheit eintritt. Und zwar Freiheit, sowohl was das Reisen angeht, als auch was Werte und Normen betrifft.“

Für Europäische Werte und Normen gibt es mittlerweile sogar Studiengänge. Das Studienfach „European Studies“ wird mittlerweile an mehr als 20 deutschen Universitäten im Bachelor oder Master angeboten. In Dortmund kann man das Fach allerdings noch nicht studieren. Dennoch merkt man die Präsenz der EU bei der TU auf verschiedenen Ebenen. Denn manche Studiengänge wären ohne die EU wohl nicht möglich: So wird der Masterstudiengang „Advanced Methods in Particle Physics“ in Kooperation mit Universitäten in Frankreich und Italien angeboten. „Wenn es die EU nicht gäbe, hätte es das wahrscheinlich nie geben können, weil die Prozesse dann viel zu kompliziert abgelaufen wären“, sagt Eva Prost von der Pressestelle der TU.

Große Mengen an Forschungsgeldern

Außerdem profitiert die TU von den Forschungsgeldern der EU. Die Europäische Union schüttet im Rahmen des Forschungsprogramms „Horizon Europe“ nämlich jedes Jahr Gelder an Universitäten in der EU aus. Diese werden auch von der TU Dortmund bezogen: Unter anderem unterstützte die EU 2020 das Projekt „Easy Reading“ mit 2 Millionen Euro. Bei dem Forschungsprojekt sollten kognitiv eingeschränkte Nutzer*innen Internetseiten ihren Bedürfnissen entsprechend individuell vereinfachen. „Die Präsenz der EU merken wir darüber hinaus, wenn wir Studierende aus anderen EU-Staaten bei uns haben. Die studieren dann unter genau denselben Bedingungen wie die deutschen Studierenden“, sagt Eva Prost.

Einige Studierende an der TU werden sogar richtig enthusiastisch, wenn man sie zur EU befragt. „Generell finde ich, dass die EU eine echt geile Idee ist. Viele meiner Freunde waren schon mit Erasmus im Ausland, das ist natürlich auch super“ sagt Leo, der an der TU Maschinenbau studiert. Der 25-Jährige hält sich aber auch mit Kritik an dem Staatenbund nicht zurück: „Es läuft in den verschiedenen Staaten halt doch irgendwie alles anders. Wenn alles ein bisschen konformer wäre, dann wäre das für die ärmeren Staaten auch nochmal besser“, findet er.

Beitragsbild: Ralphs_Fotos/pixabay

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