Nach erstem Fall in Deutschland: Was genau sind Affenpocken?

Nachdem in den vergangenen Tagen die ersten Fälle von Affenpocken in verschiedenen Teilen der Welt bekannt wurden – darunter etwa Großbritannien, Spanien oder die USA – gibt es nun in München den ersten deutschen Fall. Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Affenpocken“? Wir haben die wichtigsten Informationen für euch zusammengefasst.

Das Virus Affenpocken oder auch monkey pox virus – was zunächst nach einem Fall für den Tiermediziner klingt, kann auch uns Menschen betreffen. Denn: Bei Affenpocken handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Infektionskrankheit, die von Tier auf Mensch und von Mensch auf Tier übertragen werden kann. Das zeigen Fälle in jüngster Vergangenheit.

Die Übertragung könne auf verschiedenen Wegen geschehen, beschreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Dazu gehöre etwa der Kontakt mit bestimmten Veränderungen der Haut von infizierten Tieren, den sogenannten Hauteffloreszenzen, sowie ihrem Blut, Gewebe oder ihren Ausscheidungen. Betroffen sind insbesondere verschiedene Nagetiere. Auch der Kontakt oder Verzehr des Fleisches erkrankter Tiere könne demnach zu einer Infizierung führen. Außerdem kann sich das Virus von Mensch zu Mensch übertragen – das passiert laut RKI aber seltener und vor allem nur bei engem Kontakt, etwa durch Körperflüssigkeiten oder bei sexuellen Handlungen.

Daher kommt der Name Affenpocken
Das Virus trägt den Namen „Affenpocken“, da Symptome der Krankheit 1958 erstmalig bei Affen entdeckt wurden. So erklärt es die US-amerikanische Gesundheitsbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“. Heute sind aber vor allem Nagetiere die Verbreiter des Virus – bei Affen handelt es sich nämlich um sogenannte „Fehlwirte“, heißt es im Bundesgesundheitsblatt. Das heißt: Befindet sich das Virus in ihrem Körper, kann es sich dort nicht weiterentwickeln.

Erstmalig zu einer Übertragung kam es laut RKI nachweislich bei einem neun Monate alten Kind im Kongo im Jahr 1970. Danach trat das Virus beim Menschen vor allem in weiteren zentral- und westafrikanischen Ländern auf – etwa in Nigeria oder Kamerun. Ab 2003 wurden Affenpocken dann auch außerhalb Afrikas festgestellt. Vor wenigen Wochen wurden Fälle von Affenpocken dann wieder vermehrt in Europa, den USA und vereinzelt auch in Australien bekannt. Am Freitag (20. Mai) kam ein erster deutscher Fall dazu.

Die Nachricht vom ersten deutschen Fall kommt aus München. Wie das Bayrische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege bestätigte, handle es sich bei der infizierten Person um einen 26-jährigen Mann, der aus Portugal über Spanien nach Deutschland einreiste. Nachdem dieser für Affenpocken typische Symptome bei sich feststellte, habe er sich „umgehend selbstständig in medizinische Untersuchung begeben“ heißt es in der Pressemitteilung vom 20. Mai. Aktuell werde er in der Klinik Schwabing in München isoliert von den anderen Patient*innen behandelt. Laut Professor Clemens Wendtner, Chefarzt der Schwabinger Infektologie, geht es ihm gut und er habe nur mit „geringfügigen Symptomen“ zutun – etwa Schluckstörungen, Juckreiz und einer leicht erhöhten Temperatur.

Symptome von Affenpocken
Zu den Symptomen der Affenpocken gehören laut RKI Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber kommen dann noch Hauteffloreszenzen hinzu – also sichtbare Veränderungen der Haut – insbesondere im Gesicht, danach in anderen Regionen des Körpers.

RKI ruft deutsche Ärzt*innen zu Achtsamkeit auf

Nachdem Fälle von Affenpocken in Regionen nahe Deutschland bekannt wurden, richtete sich das RKI bereits an deutsche Ärzt*innen und mahnte sie zur Achtsamkeit. Bereits bei ähnlichen Symptomen solle eine mögliche Erkrankung an Affenpocken in Betracht gezogen werden.

Um zu sehen, ob und inwiefern sich Ärzt*innen hier in NRW bereits auf eine mögliche Ausbreitung von Affenpocken vorbereiten, hat KURT mit vielen verschiedenen Praxen gesprochen – etwa 90 in Dortmund, Bochum, Essen und Umgebung. Dabei hat unsere Redaktion festgestellt, dass das Virus in den meisten Praxen noch nicht zum Thema geworden ist – manche gaben uns die Information, sie hätten zumindest von dem Virus gelesen, andere kannten wiederum den Begriff nicht. Das bestätigt auch eine Sprechstundenhilfe einer Bochumer Hautarztpraxis: Zwar seien die Affenpocken bereits angesprochen worden, auf eine mögliche Ausbreitung habe man sich aber noch nicht vorbereitet.

Ein ähnliches Bild gibt auch das Gesundheitsamt Dortmund wieder: Sämtliche Meldungen und Informationen zum Thema werden „aufmerksam gesichtet“, Sorgen von Bürgerseite oder eine Vorgabe „zur Vorbereitung auf eine Ausbreitung hier in Deutschland“ gebe es aber bislang nicht, berichtet Pressesprecherin Katrin Pinetzki. Ob und inwiefern der nun in Deutschland bekanntgewordene Fall des Virus etwas daran ändern wird, bleibt abzuwarten.

Achtung vor Stigmatisierung

Ein in den Medien häufig vorkommendes Narrativ ist, dass sich Affenpocken besonders zwischen Männern verbreiten, die Sex mit anderen Männern haben. Das führte vor allem in den sozialen Netzwerken bereits zu Kritik.

Auch Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe aus Berlin, empfindet die so entstehende Stigmatisierung als problematisch: „Wir kennen das von HIV. Vordergründig gibt es da ziemlich viele Parallelen: Es ist eine Erkrankung, die aus Afrika kommt, die sich jetzt in der westlichen Welt beziehungsweise auf der nördlichen Halbkugel verbreitet und dort vor allem schwule Männer betrifft – eine ohnehin stigmatisierte Gruppe“, so Wicht. „Unsere Erfahrung ist: Wenn eine Infektionskrankheit auftritt, werden sehr schnell Schuldige und Sündenböcke gesucht und markiert.“ Gerade das könne schnell gefährlich werden – insbesondere dann, wenn Homosexuelle plötzlich angegriffen würden.

„Menschen werden stigmatisiert, statt vernünftig zu schauen, wie man sich eigentlich selbst schützen und das eigene Verhalten anpassen kann. Stattdessen wird eine Barriere zwischen sich und diesen zur Gefahr erklärten Gruppen errichtet. Dann wird es irrational und menschenfeindlich – und das dient alles der Sache nicht.“ Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen Aidshilfe 

Dass Menschen ausgegrenzt und herabwürdigt werden, sei natürlich immer schlimm – es gehe hier aber auch einher mit der Festigung von Klischees, Stereotypen und ablehnenden Haltungen gegenüber beispielsweise schwulen Lebensstilen. So seien Menschen, die das betrifft, nicht die Täter, sondern die Haupt-Leidtragenden. Wichtig sei nun vor allem: „Einen kühlen Kopf bewahren, sich informieren, achtsam sein und sich gegebenenfalls untersuchen lassen – das sind die entscheidenden Botschaften. Und die gelten nicht nur für schwule Männer, sondern für alle“, so Wicht abschließend.

Beitragsbild: luvqs / Pixabay

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