Pollenallergie: Warum die Pollenbelastung dieses Jahr besonders hoch ist

Viele Menschen leiden unter Blütenstauballergien, wie beispielsweise Heuschnupfen. Die Zahl der Betroffenen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. In diesem Jahr leiden selbst Nichtallergiker*innen unter Beschwerden. Ein Lungenfacharzt erklärt, woran das liegt. 

Frühlingszeit ist Pollenzeit. Bei vielen Menschen lösen Pollen gesundheitliche Probleme wie Heuschnupfen aus, aber auch Asthma kann eine Folgeerscheinung sein. Während sich wohl die meisten Menschen über die ersten warmen Sonnenstrahlen im Jahr freuen, müssen sich Allergiker*innen auf verstärkten Pollenflug einstellen. Aber warum erscheint der diesjährige Pollenflug den meisten besonders quälend?

Der Klimawandel ist ein allgemein bekanntes Problem – auch wenn es derzeit keinen endgültigen Beweis gibt- scheint er in Zusammenhang mit dem europäischen Pollenflug eine entscheidende Rolle zuspielen. Höhere Frühlingstemperaturen, ein früherer Herbstanfang, sowie wesentlich wärmere und kürzere Winter haben in den letzten Jahrzehnten zu einem früheren Beginn der Pollenzeit beigetragen. Abgesehen davon, dass die Bäume nicht in jedem Jahr gleich viele Pollen produzieren, hat eine Auswertung der Jahresberichte des Europäischen Pollenflug-Netzwerks (EPI) zum Pollenflug verschiedener Pflanzen ergeben, dass die Pollensaison vieler Pflanzen mittlerweile früher beginnt, länger dauert und sich die Pollenlast vergrößert hat. Insgesamt hängt der Pollenflug jedoch von vielen Faktoren ab- zu der allgemein höheren Pollendichte kommen nicht nur Aspekte, wie die Temperatur hinzu, auch die Sonneneinstrahlung und die große Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands sind maßgeblich, da sich die Luft dementsprechend seltener reinigt.

„Es gibt einen deutlichen Zuwachs, die ganze Allergie-Geschichte geht durch die Decke, weil immer mehr Jugendliche und Kinder Allergiker werden. Hinzu kommen immer mehr schwere Verläufe, weil es mehr Pollen in Spitzenzeiten gibt.“
– Dr. med. Ronald Doepner, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde

Zuwachs an Allergiker*innen

Die Zahl der von Pollenallergien Betroffenen hat laut des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, insbesondere auf Birken- und Gräserpollen. Wichtig für Allergiker*innen ist es, sich über die Pollenflugbelastung zu informieren. Die Vorhersage der Belastung durch Pollen beinhaltet die allergologisch wichtigsten Blütenpollen. Wie eine Grafik von Wetter.com zeigt, haben viele Pflanzen bereits Saison. Den Anfang machen prinzipiell jedes Jahr die Erle und Hasel, die bereits im Februar und März in voller Blüte stehen. Vorhersagen von Wetter.com lassen sich entnehmen, dass auch andere Baumarten nicht lange auf sich warten lassen und für Schnupfen, rote Augen und Atembeschwerden sorgen. Um Allergiker*innen über den aktuellen Pollenflug zu informieren, erstellt der Deutsche Wetterdienst in Kooperation mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst Vorhersagen für die in Deutschland wichtigsten Blütenpollen.

Deutschlands wichtigste Blütenpollen

  • Hasel
  • Erle
  • Esche
  • Birke
  • Gräser
  • Roggen
  • Beifuß
  • Ambrosia

Was können Allergiker*innen tun?

Natürlich können Nasenspray, Augentropfen oder Anti-Allergie-Tabletten helfen – auch Antihistamintabletten können Beschwerden entgegenwirken. Jedoch hat jedes Arzneimittel meistens auch eine lange Liste von Nebenwirkungen und bringt der Lunge keine Besserung. Lungenfacharzt Ronald Doepner empfiehlt während der Allergiezeit zweimal am Tag Schwarzkümmel-Kapseln zu nehmen, welche die Schleimhäute stabilisieren. Die rein pflanzlichen Kapseln haben keine Nebenwirkungen, daher sei nur darauf zu achten, dass Kapseln mit einer vernünftigen Qualität ausgewählt werden.

Vielversprechend ist laut Doepner darüber hinaus die Hypersensibilisierung. Diese Behandlung wird über drei Jahre in Form einer Tablette- oder Spritzentherapie durchgeführt und verspricht eine 60- bis 70-prozentige Besserung. Das Asthma, welches viele Betroffene über die Allergie entwickeln kann durch die Hypersensibilisierung sogar gänzlich verschwinden. Jedoch lässt sich dieses Therapieverfahren nur anwenden, wenn bekannt ist, um welche Allergie es sich handelt:

„Das Hauptproblem ist, dass die Hausärzt*innen die Allergietests nicht mehr bezahlt bekommen, da die Krankenkassen keine Allergiemedikamente mehr bezahlen. Deshalb geht die Pollenallergie bei vielen Allergiker*innen auf die Lunge und deshalb entwickeln viele Patienten Asthma. Das verschlimmert die Lage.“

Zunehmend Nichtallergiker*innen betroffen

Die Nase filtert Allergien und Pollen. Wenn die Nase jedoch zu ist, atmen wir durch den Mund und die Pollen gelangen in die Bronchien. Die Allergie löst letztendlich eine Entzündung auf den Schleimhäuten aus. Solch eine chronische Entzündung macht Allergiker*innen allgemein wesentlich anfälliger für Infekte. Daher ist eine frühzeitige Therapie wichtig. Die Spitzenbelastungen durch die Pollen bereiten aber auch Nichtallergiker*innen Probleme. Dort lösen die Pollen eine Schleimhautallergie auf Nasen- und Bronchialschleimhaut aus – hier wird von einer lokalen Überempfindlichkeit auf Pollen gesprochen. 

Tipps im Kampf gegen die Pollen

  • Richtig lüften
  • Pollenschutzgitter anbringen
  • zusätzlicher Wasserfilter am Staubsauger
  • Kleidung drinnen trocknen
  • keine Kleidung im Schlafzimmer
  • Achtung beim Essen: Honig oder einheimische Teesorten können Pollenreste enthalten

Die Pollen kommen nun Mal mit dem Frühling, vermieden können wir sie also dementsprechend nicht. Es ist definitiv ein Problem, dass Krankenkassen trotz der Spitzenbelastung durch Pollen die Kosten für Allergiemedikamente nicht übernimmt. Trotzdessen ist eine frühzeitige Therapie wichtig, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Beitragsbild: unsplash.com

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