Die Werbung unter Falscher Flagge

 

Es ist wieder Mitte Juni und das bedeutet, dass überall die Regenbogenflagge grüßt. Der Pride-Month wird mal wieder von fast jedem Konzern genutzt, um möglichst viel Gutwillen zu generieren. Geht es den Konzernen hier darum auf die Probleme der LGBTQ+ Community aufmerksam zu machen, oder wird die Regenbogenflagge rein aus kommerziellen Grund geschwungen? Ein Kommentar.

Der Juni ist seit 1970 der Monat, in dem die LGBTQ+ Community für mehr Anerkennung und Rechte kämpft. Dies geschieht im Andenken an den Stonewall-Aufstand in New York vom 28. Juni 1969: An diesem haben amerikanischen Behörden versucht, die einzige Gay-Bar in New York, das Stonewall Inn, zu schließen. Dieser gilt als der Wendepunkt im Widerstand gegen sexuelle Unterdrückung. Auch der Cristopher-Street-Day ist nach diesem Aufstand benannt, das Stonewall Inn liegt nämlich an der Christopher Street in New York. Weltweit gewinnt der Pride-Month seither von Jahr zu Jahr an Bedeutung.

1999 wurde der Juni in der USA von Präsident Bill Clinton erstmalig offiziell als Pride Month ausgerufen. Auch Barack Obama und Joe Biden haben den Pride-Month ausgerufen.

Solidarität oder schnelles Geld machen?

Umso mehr etwas in das politische Spotlight rückt, desto mehr versuchen Konzerne daraus Gewinn zu schöpfen. Wie auch schon mit dem Umweltschutz zum Beispiel. Seit ein paar Jahren ist Pride immer wieder das Marketingthema Nummer 1 im Juni. Für große Schlagzeilen hat zuerst Burger King in Österreich gesorgt, als sie den „Pride Whopper“ ankündigten, bei dem es zwei gleiche Buns gibt.

Hierbei kam es zu viel Kritik und Häme aus den Sozialen Netzwerken, große Teile davon auch aus der LGBTQ+ Community. Bemängelt wird vor allem, dass das Konzept dieses Burgers nicht mit grundliegenden Ideen von Solidarität, die die LGBTQ+ Community hat, übereinstimmt:

Mittlerweile hat sich sogar die deutsche Marketing-Agentur, die zuständig für diese PR-Kampange war, entschuldigt. Außer der Frage über die Geschmacklosigkeit dieser Kampagne muss man sich aber auch noch fragen, mit welchem Ziel Burger King diese gestartet hat. Geht es rein darum, so viel Profit wie möglich zu gewinnen? Das ist sehr wahrscheinlich, denn kein Cent der Einnahmen wird an einen guten Zweck wie die Unterstützung von LGBTQ+ Stiftungen gespendet. Ist es also nur das Ziel, die LGBTQ+ Gemeinschaft als neue Kunden zu sammeln? Es sieht zumindest so aus.

Deutsche Finanzgroßmächte hängen auch hinterher

Unelegant geht zum Beispiel auch der größte deutsche Konzern, die Volkswagen AG, mit ihrer diesjährigen Marketing-Strategie um. Hier wurden viele Profilbilder in die Regenbogenfarben verändert, allerdings nicht bei den Accounts für den Mittleren Osten. Also genau da, wo die Queer-Community immer noch sehr stark unterdrückt und bedroht ist, also genau die Orte, an denen es mit mehr Aufklärung vielleicht zu Veränderungen führen könnte. Dieses Jahr hat die Volkswagen AG bisher nur einen Social Media Post zum Pride Month veröffentlicht, in dem kurz darauf hingewiesen wird.

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Hier gibt es allerdings ein großes Problem, die Kommentare werden offensichtlich nicht überprüft, denn in denen wimmelt es von Homophobie bis hin zu einem Hakenkreuz aus Lachsmiley-Emojis. Wurde dieser Post also nur schnell abgefeuert und dann vergessen? Die Volkswagen AG scheint diesen Umgang mit der Thematik zumindest zu ignorieren. Zeichen von Hass in einem Post über Akzeptanz stehenzulassen hilft meiner Ansicht nach niemandem.

Auch der Deutsche Fußball Bund und die Deutsche Fußball Nationalmannschaft haben in ihrem Umgang mit dem Pride-Month inkonsequent gezeigt. Während beim Heimspiel in München die Allianz-Arena noch in Regenbogenfarben leuchtete und auf dem Platz der gemeinsame Kniefall mit der englischen Nationalmannschaft gegen Rassismus stattfand, wurde nur vier Tage später beim Auswärtsspiel gegen Ungarn jegliche Geste vermieden. Zu dem Warum wurde sich nicht geäußert, man kann sich allerdings ziemlich sicher sein, dass diese Entscheidung vor allem aus Furcht vor Ausschreitungen mit den ungarischen Fans getroffen wurde. Und all das, nachdem man die UEFA so stark kritisierte, als sie es nicht erlaubte, die Allianz-Arena während der EM 2021 vor dem Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben aufleuchten zu lassen. Wenn nicht mal ein so kleines Zeichen wie die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben getragen wird, wie sollen dann wirklich große und wichtige Gesten bewerkstelligt werden?

Der ein oder andere beweist doch Rückgrat

Es gibt allerdings auch ein par positive Beispiele für die Öffentlichkeitsarbeit von Konzernen während des diesjährigen Pride-Month. So zum Beispiel der Entertainment-Riese Disney. Der neue Film von dem Animationsstudio Pixar, „Lightyear“, wird laut Medienberichten voraussichtlich nicht in dem größten und profitstärksten Filmmarkt der Welt, China, erscheinen. Grund dafür ist eine Kussszene zwischen zwei weiblichen Charakteren. Disney und Pixar verweigern sich, diese aus dem Film zu entfernen. Diese Szene wurde erst kurz vor Produktionsende zurück in den Film eingefügt, da mehrere US-Staaten es Schulen und Kindergärten verbieten wollen, über gleichgeschlechtliche Beziehungen zu lehren. Es ist also auch möglich Profite einzubüßen um eine Nachricht zu senden.

Auch positiv zu sehen ist das Engagement der Dating-App Tinder in Australien, dort wirbt sie bei schwulen Männern für eine Studie über die Blutspende. Denn die ist in Australien für Männer die mit Männern Sex haben noch immer verboten. In Deutschland ist das Verbot übrigens auch erst vor einem knappen halben Jahr gekippt worden, wir sind da also auch nicht die Spitzenreiter der Akzeptanz.

Geht es den Konzernen wirklich um das Wohlergehen von Minderheiten?

Natürlich ist es das Ziel und die Aufgabe jedes Konzerns Gewinn einzufahren. Es zwingt aber niemand Konzerne dazu, mit vermeidlicher Moral, Gewinn einzufahren – wenn man schon (Regenbogen-) Flagge bekennt, dann sollte es aus Überzeugung passieren, und nicht weil es kurzfristig den Profit steigert. Es gibt definitiv Konzerne, die sich für die Gleichberechtigung einsetzten und dafür sogar Kompromisse mit dem Gewinn eingehen. Zu viele andere gehen allerdings vor der Marktmacht intoleranter Regimes in die Knie, oder missbrauchen sozioökonomische Missstände für den eigenen Profit. Es fühlt sich so an als ob bei manch einem Konzern einfach nur die blau-gelbe Ukraineflagge gegen die Regenbogenflagge ausgetauscht wurde, ohne sich der wahren Bedeutung beider Symbole bewusst zu sein.

Bedeutet das, dass das alles nichts bringt und man keine Pride-thematisierten Sachen einkaufen soll? Nein, aber man sollte vor dem Einkauf definitiv darauf achten, was der entsprechende Verkäufer mit dem erworbenen Geld macht.

 

Bildquelle: Venti Views (Unsplash)

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