Zwischen Glühwein und Betonsperren

Der Weg zur Glühweinbude ist in diesem Jahr nicht nur von Tannen und Lichterketten umsäumt. Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben die meisten Städte ihr Sicherheitskonzept überarbeitet. Betonsperren, Wassertanks und Fahrzeuge sollen ab jetzt verhindern, dass sich ein Vorfall wie im Dezember 2016 wiederholt.

„Ein Patentrezept für die Sicherheit auf Großveranstaltungen gibt es nicht“, sagt Iris Wüster, Pressesprecherin des Innenministeriums NRW. Stattdessen müsse von Stadt zu Stadt und von Veranstaltung zu Veranstaltung geschaut werden. „Es ist jedes Mal die gleiche Frage: Reicht das oder muss mehr getan werden?“, sagt Wüster. Viele Städte im Ruhrgebiet sind zu dem Entschluss gekommen, dass dieses Jahr mehr für die Sicherheit getan werden muss – und haben dementsprechend reagiert.

Wache direkt auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt

„Unbeschwert und sicher“ – so solle sich der Besuch auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt anfühlen, sagt Christian Gerling vom Veranstalter Bochum Marketing. Um zu verhindern, dass Autos oder Lkw auf den Weihnachtsmarkt fahren, wird der Boulevard (Massenberg- und Bongardstraße) für den öffentlichen Nahverkehr gesperrt. Sämtliche Busse werden daher über den Südring umgeleitet.

Die Polizei ist mit einer mobilen Wache direkt vor Ort. „Auch die Feuerwehr hat bereits seit einigen Jahren einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt Gerling. Im Ernstfall könnten die freiwilligen Feuerwehrleute sofort handeln und erste Hilfsmaßnahmen leisten.

Dortmund arbeitet noch am Sicherheitskonzept

In Dortmund wird dagegen noch daran gearbeitet, wie der Weihnachtsmarkt gesichert werden kann. „Stadt, Polizei und Schausteller sind in intensiven Gesprächen“, sagt Michael Meinders, Pressesprecher der Stadt Dortmund. Erst, wenn alle Details geklärt sind, soll das Konzept vorgestellt werden. Klar ist aber, dass auch der Dortmunder Markt dieses Jahr gut geschützt werden soll. „Eine 100-prozentige Sicherheitsgarantie wird aber keine Kommune geben können“, weiß Meinders.

Duisburg will Innenstadt langfristig sicherer machen 

In Duisburg wird in diesem Jahr noch improvisiert – trotzdem weiß sich die Stadt zu helfen. „Fahrzeuge der Stadt werden die Zufahrten zum Markt versperren“, sagt Pressesprecherin Susanne Stölting. Große Müllwagen sollen zum Beispiel so positioniert werden, dass kein Lkw durchfahren kann. Schon jetzt hat die Stadt in der gesamten Innenstadt große Wassertanks aufgestellt, die zusätzlich mit Metall ummantelt sind.

In Zukunft soll Duisburg das ganze Jahr über sicherer werden. „In der gesamten Innenstadt sind Poller geplant, die teilweise fest verankert werden“, sagt Stölting. Diese werden dann voraussichtlich ab Sommer die mobilen Sperren ersetzen.

Essen setzt auf mobile Sperren

Betonklötze, Container und Schikanen werden auch in Essen aufgestellt. „Wir haben eine Innenstadt mit vielen Zufahrten“, sagt Amelie Hoff vom Veranstalter Essen Marketing. Dementsprechend müssen viele Sperren her. „Gleichzeitig müssen aber auch die Geschäfte weiterhin beliefert werden“, weiß Hoff. Daher setzt die Stadt auf die mobilen Sperren, die per Hydraulik von Fachpersonal angehoben und verschoben werden können.

Betonsperren sind umstritten
Mobile Betonsperren sollen in vielen Städten verhindern, dass Lkw auf Märkte oder Plätze fahren und so die Menschen auf Großveranstaltungen verletzen können. Ein Test von der Prüfungsgesellschaft Dekra im Auftrag des MDR-Magazins „Umschau“ ergab allerdings, dass die Sperren beim Fahren durchbrochen werden können. Geprüft wurde das mit einem Fahrzeugtyp, der auch beim Anschlag in Nizza verwendet wurde. Laut MDR war das Fahrzeug, das im Dezember auf den Weihnachtsmarkt in Berlin fuhr, sogar größer. Effektiver sind laut einem zweiten Test der Dekra Rampen mit verankerten Metallpollern  oder ineinander verzahnte Betonblöcke.

Trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ist der Besuch des Weihnachtsmarktes auch in diesem Jahr für viele Pflicht. In einer Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben fast drei Viertel der 1016 befragten Erwachsenen an, dass sie mindestens einen Weihnachtsmarkt besuchen wollen.

Im Ruhrgebiet und der Umgebung werden in der Adventszeit auch einige besondere Weihnachtsmärkte öffnen. Auf der interaktiven Karte stellen wir eine Auswahl an Märkten vor – vom Märchenwald bis zur pinken Glitzer-Meile.

 

Beitrags- & Teaserbild: flickr.com/riessdo lizenziert durch CC BY 2.0

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