Kommentar: Die Bundeswehr wirbt die Falschen

"Warum ist die Bundeswehr in Mali?"

Die Bundeswehr sprengt mit ihrer Werbung Grenzen: Sie will Gamer motivieren, ihre Spiele in der Realität zu spielen. Inzwischen wurde die letzte Folge der Serie „Die Bundeswehr in Mali“ ausgestrahlt, es soll ein Nachfolge-Projekt geben – das muss aber anders aussehen, meint unser Autor.

Das Bild flackert, die Kamera schwenkt aus der Luft über eine trockene Wüstenstadt. In der Mitte macht ein Fadenkreuz über einzelnen Gebäuden halt. Aus den Laptopboxen dröhnt der Bass.

Die Szene entstammt nicht etwa dem neuesten Ego-Shooter á la „Call of Duty“ oder „Battlefield“, sie stammt aus einem Video, mit dem die Bundeswehr neue Rekruten wirbt. Es soll junge Menschen von der deutschen Armee überzeugen. Doch wen will die Bundeswehr mit solchen Videos für sich gewinnen?

Das Video trägt den Titel „Warum ist die Bundeswehr in Mali?“ und gehört zu einer Youtube-Serie, die sich mit dem Auslandseinsatz der deutschen Armee beschäftigt.  Es verspricht Hintergrundinformationen, gibt diese aber kaum. Stattdessen folgt das Video dem Schwarz-weiß-Schema, das die potenziellen Rekruten aus Ego-Shootern kennen.

Alles, was die Gegner der Bundeswehr tun, präsentiert diese ihren potenziellen Rekruten als Kriminalität. Auf der einen Seite sind die „Bösen“, auf der anderen die „Guten“ – das sind die Bundeswehr und ihre Verbündeten. Diesen Eindruck bestärken malische Kinder, die die Bundeswehr lachend und jubelnd begrüßen.

Die Bundeswehr präsentiert auch rund eine Minute lang ihre Kriegsmaschinerie: zum Beispiel die Heron, eine Drohne. Das oben erwähnte Fadenkreuz ist ein Teil des Bildes, das der Heron-Schütze am Boden sieht.

Der Krieg in Mali ist kein Ego-Shooter mit „Gut und Böse“

Dabei gibt es zu den Hintergründen des Krieges in Mali doch einiges zu sagen, die Zeit des Videos ließe sich auch mit mehr Inhalt füllen. Wie in den meisten von Bürgerkrieg zerrütteten Staaten lassen sich die Gründe für den Krieg in Mali auch nicht in ein Schwarz-weiß-Schema unterteilen.

Der Krieg dort ist kein Ego-Shooter im Live-Modus. Recherchen des Deutschlandfunks ergeben ein deutlich differenzierteres Bild: Einige Milizen arbeiten mit dem malischen Militär zusammen, dann wieder nicht mehr. Andere Milizen werden vom malischen Militär bekämpft.

Was die Bundeswehr wirklich hätte erwähnen können: Die Bundeswehrsoldaten sind Verbündete des malischen Militärs und des malischen Staates. Ein ehemaliger Diplomat sagte dem Deutschlandfunk, dass der malische Staat „korrupt sei bis hinauf in den Präsidenten-Palast“.

Die Bundeswehr setzt auf eine ganz bestimmte Zielgruppe: Mit Parolen wie „Einfach kann jeder“, großen, starken Maschinen und Teamzusammenhalt wirbt sie junge Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Macht.

Die Aussage, die bei den potenziellen Rekruten ankommt: Komm mit nach Mali, steig in den Panzer – und schon bist du was! Die Bundeswehr hat auch schon mit dem Slogan „Ab November wird draußen gespielt“ auf Plakaten geworben. Auf dem Plakat war ein Gamer-PC zu sehen, daneben eine Camouflage-Fläche.

Die Werbung richtete sich offensichtlich an Gamer, die Ego-Shooter“ mal in der Realität erleben wollen. Wohl auch deshalb hat die deutsche Armee schon seit Jahren einen Stand auf der Computerspielemesse „Gamescom“. Nun sind die meisten dieser Plakate abgehängt, sie waren Teil einer Werbekampagne im vergangenen Jahr.

Die Bundeswehr gibt sich in ihren 2016 in einem Weißbuch festgeschriebenen Zielen passiver als auf den Plakaten oder in den Youtube-Videos: Sie wolle unter anderem sicherheitspolitische Bedrohungen abwehren, Versorgungswege sichern, Zusammenarbeit und Stabilität fördern, humanitär helfen. Das passt nicht zur Ego-Shooter-Mentalität. Und das ist vor allem kein Ego-Shooter in der Realität, wie die Bundeswehr es auf ihrem Plakat präsentiert hat.

Die Bundeswehr wirbt erfolgreich – aber falsch

Die neuen Werbekampagnen der Bundeswehr sind sehr erfolgreich: Während die Vorgänger-Serie der Mali-Edition, „Die Rekruten“, ausgestrahlt wurde, gingen bei der Bundeswehr laut eigenen Angaben 21 Prozent mehr Bewerbungen ein.

Das klingt erstmal gut. Deutschland braucht die Bundeswehr. Und die Bundeswehr braucht neue Rekruten, da seit rund sechs Jahren die Wehrpflicht abgeschafft ist. Mali wiederum braucht Unterstützung, die malische Bevölkerung militärische und zivile Hilfe.

Aber da, wo zu Zeiten des Wehrdienstes noch ganz normale Schulabgänger waren, sind bald junge Menschen, die ihre Waffe mit Stolz und vielleicht viel zu viel Tatendrang halten. Die Bundeswehr braucht keine Rekruten, die ihren Ego-Shooter endlich mal live spielen wollen und denken, dass sie in den Dörfern lachende Kinder begrüßen.

Die Bundeswehr brüstet sich mit „zielgruppengerechter“ Werbung. Die Zielgruppe, die solche Videos anspricht, ist weit von den offiziellen Zielen der Bundeswehr entfernt. Verantwortungsvoll, passiv und konstruktiv – so sind die Ziele der Bundeswehr formuliert und so muss auch die Zielgruppe sein, die die Bundeswehr wirbt.

Wer mit dieser Youtube-Kampagne geworben wurde, ist nicht geeignet, Deutschland und die Bundeswehr im Ausland zu vertreten.

Kurt hat auch untersucht, ob die Wehrpflicht zurück kommen soll.

Beitrags- und Teaserbild: Screenshot aus dem Video „Warum ist die Bundeswehr in Mali“ des Youtube Kanals „Bundeswehr Exclusive“

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