Lieber Domina als Immobilienmaklerin

Sie schlägt mit Rohrstöcken und verlegt Katheter: Evelyn Schwarz betreibt ihr eigenes Bordell in Dortmund und ist selbst als Domina aktiv – und lebt damit ihren Traum.

Eine Stunde mit Cleopatra 2.0 kostet 150 Euro. Cleopatra 2.0 ist eigentlich Evelyn Schwarz und Evelyn Schwarz ist eigentlich auch wer anders – aber wer genau, das sagt sie nicht. Denn sie ist Domina, mit ihrem eigenen Bordell in Dortmund. 2014 hat sie das eröffnet. Fünf Frauen arbeiten hier für sie, freiberuflich.

Genauso ging es als 24-Jährige auch für Evelyn los, freiberufliche Prostituierte. Der Grund: „eine gescheiterte Ehe und eine leere Wohnung, die ich schnellstmöglich schick einrichten wollte.“ Ein paar Jahre später wurden dann Fotos von Evelyn in Overknee-Stiefeln veröffentlicht. „Die Leute haben wie bekloppt angerufen: Hey, wir wollen die Evelyn als Domina.“ Sexy, arrogant und fordernd – so beschreibt sich Evelyn Schwarz als Domina auf ihrer Homepage.

Als Cleopatra 2.0 oder Evelyn Schwarz wird sie zur Majestät, der die Kunden gehorchen müssen.

Arbeitsplatz: Klassen- oder Arztzimmer

Als solche befriedigt Evelyn die unterschiedlichsten Wünsche.  Manche Kunden werden in ihrem Klassenzimmer mit dem Rohrstock geschlagen, wenn sie die Französisch-Vokabeln nicht wissen. Andere bekommen im Arztzimmer Katheter verlegt oder mit einer Kochsalzlösung die Hoden aufgebläht. Was Evelyn zuletzt gemacht hat? „Eine KV-Sitzung.“ KV ist kurz für Kaviar, eine Beschönigung für Kot. Evelyn hat ihren Kunden gezwungen, Kot zu essen. Das sei aber eher die Ausnahme. Zum Sex komme es in ihren Sitzungen selten. Vielmehr gehe es darum, Macht auszuüben.

Die Kunden können sich aussuchen, in welchem Raum ihre Session stattfindet. Ganz wichtig dabei: die Hygiene. Regelmäßig werden die Räume gesäubert.

Nebenbei hat Evelyn eine Ausbildung als Immobilienmaklerin gemacht – sich dann aber letzendlich trotzdem für den Berufsweg als Domina entschieden.

Das ist einfach dieses selbstbestimmte Arbeiten. Das ist angebetet werden von den Männern. Als Herrin oder Göttin betitelt zu werden. Ich glaube, das fänd jeder toll.

Außerdem komme das Geld so einfach schneller rein. Für ihre Familie und Freunde sei diese Berufsentscheidung am Anfang sehr ungewohnt gewesen. „Sie haben versucht, mich davon zu überzeugen, doch nochmal eine Ausbildung zu machen“, erinnert sich Evelyn. Seit sie ihr eigenes Bordell hat und damit zur Geschäftsfrau geworden ist, sehe ihre Familie das aber entspannter. Schwierig war Evelyns Job auch für ihren Freund, mit dem sie mittlerweile fast vier Jahre zusammen ist. „Er war sich nicht sicher, ob ich ihn mit der Tätigkeit betrüge oder eventuell jemand Besseren finden könnte.“ Evelyn versuche aber, alle Fragen so gut und gewissenhaft wie möglich zu beantworten. Und letztendlich sei die Domina ja auch nur eine Rolle, die sie im Alltag versuche abzulegen.

Gepflegte Kunden mit Partnerin zuhause

Auf der Arbeit spielt sie diese Rolle aber gerne. Denn die Männer, die ins Bordell kommen, seien sehr höflich und vor allem gepflegt. Wahrscheinlich wegen der hohen Preise, denkt Eveyln. Da ist der 18-Jährige, der den Besuch zur Volljährigkeit bekommen hat und der Rentner, der so gerade eben noch die Treppen hochkommt. Viele von Evelyns Kunden haben eine Freundin oder eine Ehefrau Zuhause. Für die Domina ist das aber kein Problem: „Bevor sie ihre Partnerin mit solchen Wünschen belästigen, können die lieber zu uns kommen“, sagt Evelyn. Sie glaubt, dass durch ihre Arbeit viele Beziehungen länger halten.

Viele Frauen haben ja schon Probleme damit, sich Strümpfe anzuziehen.

Das findet die Domina aber vollkommen in Ordnung. Allerdings wünscht sie sich mehr Verständnis für ihren Job. „Das ist das älteste Gewerbe der Welt. Die Gesellschaft könnte damit definitiv normaler umgehen.“

Evelyn Schwarz grenzt sich aber ganz klar von den Frauen ab, die für viel weniger Geld am Strich stehen. „Die erinnern mich an Fleisch in der Vitrine beim Metzger. Und wie viele Leute laufen da nur lang und glotzen dich an, ohne was bezahlt zu haben?“

Evelyn lebt stattdessen den Traum einer jeden Prostituierten, wie sie sagt: Sie hat ihr eigenes Bordell und das soll noch lange so weitergehen. „Den Beruf einer Domina kann man bis ins hohe Alter machen. Man muss ja nicht unbedingt Sex haben.“

Beitrags- und Teaserfotos: Sex Sessions

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