Erderwärmung: Wird Dortmund das neue Bordeaux?

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Im wärmsten Monat des Jahres im Schnitt 26 Grad in Dortmund. Das hört sich zunächst gut an, passt aber eigentlich nicht in unser Klima. Genau so könnte es laut des Weltklimarats IPPC im Jahr 2080 in Dortmund aber aussehen – wenn die Erderwärmung in Folge des Klimawandels auf 4,2 Grad steigt. Dagegen sollen nun Beschlüsse beim Klimagipfel im polnischen Kattowitz diskutiert und später weltweit umgesetzt werden. 

Dieser Sommer sollte wohl Beweis genug für den Klimawandel sein – anhaltende Temperaturen um 30 Grad sind für Deutschland kaum normal. Auch die Überflutungen in Indien oder die extremen Waldbrände in Kalifornien sind nicht gewöhnlich. Und es könnte noch extremer werden. Sollte sich laut Weltklimarat IPCC die Erde um 4,2 Grad erwärmen, wird es etwa in Hamburg im Jahr 2080 so warm werden wie im wärmsten Monat des Jahres in Johannesburg in Südafrika. In Dortmund wird von den Experten eine ähnliche Entwicklung vorausgesagt, es soll im wärmsten Monat des Jahres eines Durchschnitts-Temperatur von 26 Grad geben – wie aktuell in Bordeaux in Frankreich. Das zeigt das interaktive Grafik-Tool der Tagesschau auf Datengrundlage des IPCC.

Um dem entgegenzuwirken, treffen sich Vertreter von 200 Ländern seit diesem Wochenende im polnischen Kattowitz zum 24. UN-Klimagipfel. Dort wird zum einen verglichen, wie sehr die Länder sich schon bemüht haben, die Ziele des Pariser Klima-Abkommens aus dem Jahr 2015 umzusetzen. Eines der Ziele war die Senkung der Treibhausgase. Deutschland zum Beispiel wollte bis zum Jahr 2020 40 Prozent seiner Emissionen senken. Außerdem soll in Kattowitz eine Art „Gebrauchsanweisung“ zum schon beschlossenen Klimavertrag von Paris ausdiskutiert werden. In zwei Jahren müssen auch neue Ziele zur Minderung der Abgaswerte beschlossen werden.

Die Erde wird immer wärmer

Aktuell wird sich die Welt laut des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) um mindestens drei bis vier Grad erwärmen. Das eigentliche Ziel des Pariser Klima-Abkommens war die globale Erderwärmung auf zwei Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Professor Dietwald Gruehn hält das Ziel von maximal zwei Grad Erderwärmung für unwahrscheinlich. Er ist verantwortlich für den Lehrstuhl Landschaftsökologie und Landschaftsplanung an der TU Dortmund. „Wenn große, globale Akteure wie die USA sich nicht ändern wollen und andere wie Deutschland und China viel ändern, wird es ein sehr unrealistisches Ziel“, so Gruehn.

Ausstoß an Treibhausgasen ist 2017 wieder angestiegen

Eine eindringliche Warnung kam vor dem UN-Klimagipfel von dem Weltklimarat IPCC, der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP). Die Organisationen mahnen, dass 2017 der Ausstoß von Treibhausgasen nach drei Jahren Stabilität wieder angestiegen ist. Die Menschheit müsse jetzt schnell umsteuern, heißt es.

Ein Problem sei laut Michal Kurtyka, polnischer Vize-Umweltminister und Präsident der Klimakonferenz, dass die Welt von Kohle, Öl und Gas abhängig ist. Polen zum Beispiel ziehe aus der Kohle 78 Prozent der Stromerzeugung. Dabei wird die Förderung dieses Rohstoffs immer teurer. Dadurch steigen die Strompreise sowohl für die Industrie als auch für die Haushalte. Allerdings haben durch die Kohlewirtschaft 82.000 Polen eine Arbeit, so Kurtyka vor dem Klimagipfel.

Deutschland mit Schwierigkeiten beim Kohleaustritt

Da Deutschland aus der Atomenergie austreten möchte, wird mehr auf Kohle und erneuerbare Energien gesetzt. Besonders abhängig vom Kohlebau sind die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Insgesamt hängen hierzulande noch 20.000 Jobs an der Braunkohle. „Deutschland ist so ehrlich, verzichtet auf die Atomkraft und nutzt deswegen mehr Braunkohle. Aufgrund dessen steigen nun mal auch die Emissionswerte“, sagt Dietwald Gruehn. Dennoch erzeugt Deutschland schon über 30 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien. England und Frankreich nutzen zum Beispiel mehr Atomkraft und hätten deswegen nicht solch hohe Werte. Dadurch wird die CO2-Bilanz kurzfristig positiv, so Gruehn.

Einige Länder haben zwar gute Emissionswerte, aber sie nutzen dafür Atomenergie. Bildquelle: unsplash,de

Das nationale Klimaziel bis 2020 hat Deutschland allerdings bereits verpasst: Eigentlich sollten die Emissionen bis dahin um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 gesenkt werden. Laut eines Berichts des „Spiegel“ aber wird Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt wohl nur 32 Prozent seiner Ausstöße eingespart haben. Deswegen hat die Bundesregierung Anfang des Jahres eine sogenannte Kohlekommission gegründet. Die „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“-Kommission sollte eigentlich bis zum Klimagipfel einen Plan für den Kohleausstieg erarbeiten. Jedoch braucht sie laut eigenen Angaben noch bis Anfang Februar.

Bis 2050 will die EU klimaneutral werden

Auch die EU hat sich ein eifriges Ziel gesetzt: Bis 2050 soll die EU eine Wirtschaft ohne Treibhausgase haben. „Heute schlagen wir eine Strategie vor, damit Europa als erste Volkswirtschaft der Welt bis 2050 klimaneutral wird“, sagte der EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañerte vor dem Gipfel gegenüber dem „Spiegel“. Tatsächlich konnte Europa den Kohlendioxidausstoß bereits schon deutlich senken. Laut einem Bericht der Kohlekommission könnte der Wert 2030 schon 45 Prozent unter dem des Jahres 1990 liegen. Im weltweiten Vergleich ist das aber nur ein kleiner Anteil. Die EU produziert schließlich nur zehn Prozent der weltweiten Treibhausgase.

Die zweithöchsten Treibhausgaswerte produzieren die USA. „Sie haben mehr als 300 Millionen Einwohner und verbrauchen pro Kopf doppelt so viele Ressourcen und Energie wie Deutschland. Dabei ist der Lebensstandard dort nicht besser“, so Dietwald Gruehn von der TU Dortmund. Statt an einer Verbesserung zu arbeiten, hat US-Präsident Donald Trump das Pariser Abkommen im vergangenen Jahr gekündigt. Sollten sich die USA nicht mehr an das Klimaschutzabkommen halten, könnte es dadurch laut „Spiegel“ zu einem Temperaturanstieg von 0,3 Grad kommen. Außerdem haben die USA ein finanzielles Loch in den UN-Geldbeutel gerissen, es fehlen durch den Austritt wichtige Gelder zur Finanzierung von Klimaschutz-Projekten.

Finanzierung des Klimaschutz

Obwohl die USA ausgetreten sind, verhandeln sie dennoch auf dem Klimagipfel in Kattowitz mit. Denn es soll über strenge Regeln für die Berichtspflichten über die Emissionen aller Staaten diskutiert werden. Laut dem Umweltbundesamt hat allein Deutschland im vergangenen Jahr 904,7 Tonnen Treibhausgase freigesetzt. Die Bundesregierung hat nun angekündigt, 1,5 Milliarden Euro für den weltweiten Klimaschutz bereitzustellen. Die Weltbank hat zudem 200 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Klimawandels zugesichert. Die Gelder sollen ab 2021 bis 2025 fließen. Im Vergleich zur aktuellen Finanzierungslaufzeit hat sich die Summe damit verdoppelt.

Die Mittel sollen vor allem Entwicklungsländern beim Klimaschutz unterstützen. Denn sie sind von den Folgen des Klimawandels oft schwerer betroffen, obwohl sie im Vergleich wenig zum Klimawandel beitragen.

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