Kalte Nächte: Der „Wärmebus“ fährt seinen ersten Einsatz für Obdachlose

Kein warmes Kaminfeuer und selbstgemachtes Essen in der Weihnachtszeit. Kein eigenes Bett. Keine Unterkunft. Für einige Dortmunder ist dies der Alltag. Obdachlosigkeit ist kein Tabuthema mehr. Jetzt soll der „Wärmebus“ dank ehrenamtlicher Organisation in kalten Winternächten Wärme spenden.

Der Wind pfeift und der kalte Regen lässt den Tag noch trüber wirken. Zwei weiße Zelte und ein Bus stehen oberhalb der Katharinentreppe am Hauptbahnhof, freiwillige Helfer der Malteser stehen davor in einer Gruppe und reden und lachen zusammen. Die Leute laufen vorbei, gucken interessiert, aber bleiben nicht stehen. Das Ganze sieht aus wie ein Sanitätslager auf einem Festival. Doch der Grund für diesen Aufbau passt zum kühlen Wetter. Der „Wärmebus“ ist ein ehrenamtliches Projekt, um Obdachlosen in Dortmund in den kältesten Monaten das Nötigste zu ermöglichen.

„Es geht eigentlich mehr um Aufmerksamkeit und Zuwendung. Wir fahren hin, quatschen mit ihnen, trinken eine Tasse Kaffee, gucken ob sie für die Nacht soweit sicher sind. Wenn einer mit einem klatschnassen Schlafsack bei minus zehn Grad kommt, kriegt der einen neuen Schlafsack.“, erklärt Holger Kurek. Er ist Leiter der Einsatzplanung bei dem Malteser Hilfsdienst Dortmund. Dieser hat mit der St.-Johannes-Gesellschaft und der Katholischen Stadtkirche Dortmund in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Obdachlosenorganisationen den „Wärmebus“ ins Leben gerufen.

Das Angebot

Der Bus ist ein ehrenamtliches Projekt. Dreimal in der Woche fahren Freiwillige zu den Stationen Katharinentreppe, Nordmarkt und Stadtgarten. Jeweils für eine Stunde sollen Obdachlose die Möglichkeit haben sich aufzuwärmen. Eine Möglichkeit sich unterzustellen, ein Heizstrahler, Decken, neue Schlafsäcke, heißes Wasser, Kaffee und Tee sind in der ersten Saison, bis zum 31. März, im Angebot. Um auch den Hygienevorschriften zu entsprechen, gibt es nur abgepackte Lebensmittel wie 5 Minuten-Terrinen und Schokolade.

Am Samstag wurde der Bus der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bürger hatten die Möglichkeit, sich vor Ort über das Projekt zu informieren. Die erste Tour fährt der Bus am Montagabend, dem 10. Dezember. Dann jede Woche Montag, Mittwoch und Freitag – auch die Feiertage bleiben im Dienstplan nicht aus. Sowohl Heiligabend als auch am zweiten Weihnachtsfeiertag ist der Bus unterwegs. Die Silvesternacht wurde ausgeschlossen, vor allem zur Sicherheit der Helfer. Sollte es besonders kalt werden an einem Tag, der nicht im Dienstplan steht, schließt Holger Kurek aber auch nicht aus, dass es Sonderfahrten gibt: „Da sind wir komplett flexibel“.

Ein langer Weg bis zum Start

Seit drei Jahren arbeitet das Ehepaar Mona und Holger Kurek für den Wärmebus. Alles wird durch Spenden finanziert und bis der Bus gekauft werden konnte hat es lange gedauert. Zuvor gab es keinen freiwilligen Initiator. Laut der Stadt Dortmund gibt es ausreichend Unterkünfte für die Zahl der Obdachlosen. Die Stadt Dortmund selbst bietet kein Wärmebuskonzept an. „Sie bewegen sich keinen Millimeter mehr“, sagt Holger Kurek. Angebote sind Unterkünfte wie die Männerübernachtungsstelle (MÜS) mit 70 Plätzen und die Frauenübernachtungsstelle (FÜS) mit 50 Plätzen. Das Sleep-In Stellwerk dient bereits seit dem Jahr 2000 als Übernachtungsstelle für Mädchen und Jungen. Die Stadt Dortmund hat eine „Unterbringungspflicht“ gegenüber den Menschen in Dortmund, keiner darf abgelehnt werden. Holger Kurek sieht das Problem bei der großen Dunkelziffer von Obdachlosen, dafür würden die Schlafplätze nicht ausreichen.

Der Ursprung des Problems der Obdachlosigkeit

Mona Kurek ist Stadtjugendreferentin für die Malteser. „Die Ursachen der Obdachlosigkeit sind vielfältig, viele sind durchs Netz gefallen. Wenn man sich mit den Leuten unterhält, hört man die unterschiedlichsten Lebensgeschichten, warum sie auf der Straße gelandet sind.“ Alle Helfer haben eine medizinische Schulung und kommen zum Beispiel von den Maltesern, der Johanniter-Unfallhilfe und dem Deutschen Roten Kreuz. Sie können Verbände wechseln, Blutzucker messen und Unterkühlungen behandeln. Der Hautpgedanke sei aber die Kommunikation, sagt Mona Kurek. Es gehe um ein offenes Ohr und zu gucken, ob soweit alles in Ordnung ist.

Es ist erst der Anfang

In den Sommermonaten wird das Team aus Werbetour gehen. Ein Benefiz-Konzert, Präsenz auf dem Dortmunder Blaulicht-Tag und immer wieder das Projekt zeigen. Das ist der Plan. Es müssen Spenden gesammelt werden, um eine Entwicklung voranzutreiben und das Projekt am Leben zu halten. „Wir fangen erst an. Es ist ein Lernprozess. Ich bin mir sicher, das wir in fünf Jahren noch fahren werden. Aber ob wir noch mit heißem Wasser und Terrinen rumfahren weiß ich nicht. Wir passen uns an.“

Neben Spendengeldern werden auch Hygieneartikel, Schlafsäcke, Decken, Schokolade und Terrinen benötigt. Interessierte können sich freiwillig für einen der Dienste melden unter der Telefonnummer 0157/51194668. Eine Vorausbildung ist hierfür nicht notwendig.

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