Danzigs Bürgermeister nach Messerattacke gestorben

Pawel Adamowicz, Bürgermeister der polnischen Hafenstadt Danzig, ist tot. Der Oppositionspolitiker erlag am Montag nach einer Messerattacke seinen Verletzungen im Krankenhaus. Der Täter soll ein Ex-Häftling sein.

Die Ermordung des Oberbürgermeisters Adamowicz erschüttert momentan ganz Polen – und löst eine Debatte um politische Gewalt aus. Bei einer Benefizveranstaltung am Sonntagabend in Danzig sprang ein 27-jähriger Mann auf die Bühne und stach mit einem Militärmesser mehrmals auf den 53-jährigen Politiker ein. Ärzte des Danziger Universitätskrankenhaus rangen bei einer fünfstündigen Operation um das Leben von Adamowicz, doch die Verletzungen an Herz, Leber, Milz und NIeder waren zu schwerwiegend. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Täter wollte sich an Adamowicz rächen

Der Täter, Stefan W., wurde erst im Dezember aus dem Gefängnis entlassen. Wegen vierfachen Bankraubes saß er eine fünfeinhalbjährige Haftstrafe ab. Nach der Attacke auf Adamowicz bleib er auf der Bühne stehen und rief dem Publikum zu, er habe sich gerächt. „Ich saß unschuldig im Gefängnis“, ruft er auf Videoaufnahmen, die in den polnischen Medien gezeigt wurden. Zugang zu der Bühne hat er sich durch einen Presseausweis besorgt.

Der langjährige Bürgermeister verfolgte eine deutlich andere Politik als die Regierung. Bis 2015 gehörte er der liberalen Bürgerplattform an, die heute Oppositionspartei ist, danach war er parteilos. Er stand unter anderem für Einwanderung, Lesben- und Schwulenrechte und war ein scharfer Kritiker der rechtsgerichteten Regierung Polens.

Politiker aus der ganzen Welt zeigten sich bestürzt über die Ermordung von Adamowicz. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki verurteilte den Angriff scharf und sprach der Familie des Verstorbenen sein Beileid aus. Donald Tusk, EU-Ratspräsident und ehemaliger Regierungschef Polens, schrieb auf Twitter: „Pawel Adamowicz, Bürgermeister von Danzig, ein Mann der Solidarität und der Freiheit, ein Europäer, mein guter Freund, wurde ermordet. Möge er in Frieden ruhen.“

Ermordung löste Debatte über Hassrede aus

Außerdem meldete sich der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, zu Wort:

Die Ermordung von Adamowicz löste eine Debatte über politische Hassrede aus. Kritiker meinen, der heftige Streit zwischen Opposition und Regierung habe zu einer Eskalation beigetragen. Erst im Januar stellte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen eine rechtsradikale Gruppierung ein, die Adamowicz und weiteren Bürgermeistern „politische Totenscheine“ ausstellten.

Bereits am Montagabend versammelten sich in Warschau tausende Menschen unter dem Motto „Stopp dem Hass“. Andere gingen aus Solidarität direkt nach der Messerattacke Blutspenden. Zudem zündeten Bürger vor dem Danziger Rathaus Kerzen an.

 

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