Landarztquote: Wer sich nicht dran hält, muss zahlen

Ohne Einser-Abitur hatte man bisher eigentlich keine Chance, Medizin zu studieren. Wenn man es trotzdem versucht hat, musste man im Schnitt 15 Wartesemester absitzen. Ab dem Wintersemester 2019/2020 gibt es jetzt eine weitere Möglichkeit, seinen Traum vom Medizinstudium zu erfüllen: die Landarztquote. Doch bringt sie wirklich etwas?

Seit dem 31. März kann man sich für einen von 145 Studienplätzen in NRW bewerben, die im Rahmen der sogenannten Landarztquote vergeben werden. Dabei gelten andere Vergabekriterien als bei der herkömmlichen Bewerbung und der Abidurchschnitt spielt dabei nur noch eine kleine Rolle. Allerdings verpflichtet man sich im Anschluss des Studiums für mindestens zehn Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in einer unterversorgten Region in NRW zu arbeiten. Das Bewerbungsverfahren läuft in insgesamt zwei Phasen ab. In der ersten Phase wird ein Ranking erstellt, das zu 30 Prozent aus der Abiturnote besteht, zu 30 Prozent aus dem Ergebnis des Medizinertests und zu 40 Prozent aus praktischer Vorerfahrung im medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Bereich.

Die Besten werden dann zur zweiten Runde eingeladen und müssen noch ein Auswahlgespräch überstehen. Hierbei steht ausdrücklich nicht das Fachwissen im Vordergrund, sondern es geht vor allem um die sozialen Kompetenzen der Bewerber. Das neue Verfahren wird von der Fachschaft Medizin der Ruhr-Universität Bochum begrüßt. „Es ist toll, dass mit der Landarztquote, auch die eine Chance bekommen, die kein sehr gutes Abitur gemacht haben″, meint Jasmin Schulz von der Fachschaft und Medizinstudentin im vierten Semester. Man dürfe aber nicht außer Acht lassen, dass die Verpflichtung für insgesamt zehn Jahre nicht gerade kurz ist.

Landarztquote nur ein Mosaikstein

Mit Hilfe der Landarztquote erhofft sich das Land NRW die hausärztliche Versorgung, gerade im ländlichen Raum, langfristig zu sichern. Über die Hälfte der derzeit 11.000 Hausärztinnen und Hausärzte sind mittlerweile über 59 Jahre alt und kommen damit so langsam ins Rentenalter. Viele von ihnen finden aber keine Nachfolger. Um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken gibt es nun die Landarztquote. „Das ist aber nur ein Mosaikstein, um die drohenden Lücken zu füllen, es darf aber nicht die einzige Maßnahme bleiben″, sagt Volker Heiliger, Pressesprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe. So müsse man dringend auch die Zahl der Medizinstudienplätze erhöhen.

Verantwortlich für die Einführung der Quote ist NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Dafür gab es noch einen weiteren Grund: Bisher entscheiden sich jährlich nur circa 200 Medizinstudenten in NRW, den Weg als Allgemeinmediziner zu gehen. Allerdings gehen jährlich rund 400 Hausärzte in den Ruhestand. Durch die Verpflichtung der Ärzte mindestens zehn Jahre nach ihrem Studium auf dem Land zu arbeiten, soll diesem Problem entgegengewirkt werden. „Denn klar ist: Hausärzte sind die Basis und das Herz jeder medizinischen Versorgung und das muss auch in Zukunft so sein″, sagte Laumann in einer Pressemitteilung von Anfang April.

250.000 Euro Strafe

Wer also Lust hat später auf dem Land zu wohnen und schon immer als Landärztin oder Landarzt arbeiten wollte, hat noch bis zum 30. April Zeit, sich für einen der Plätze zu bewerben. Wer dann einen Platz bekommt, hat die Chance an einer von acht Unis in NRW zu studieren. An welcher Uni man am Ende landet, also ob in Aachen, Köln, Münster, Bonn, Siegen, Düsseldorf, Köln oder Bochum, kann man am Ende nicht selbst entscheiden. Man darf zwar bei der Bewerbung Wunschorte angeben, aber das wird nicht immer umsetzbar sein.

Flexibilität ist also ein wichtiger Aspekt bei der Bewerbung über die Landarztquote, auch weil man seinen Arbeitsplatz später nicht selbst aussuchen darf. Wer sich am Ende des Studiums dafür entscheidet, doch nicht als Landarzt arbeiten zu wollen, muss 250.000 Euro Strafe zahlen. Man sollte sich also vor der Bewerbung im Klaren darüber sein, wie die Zukunft aussehen soll. Wer das Studium nicht schafft oder abbricht, muss die Strafe übrigens nicht zahlen.

Bild: Unsplash / Marcelo Leal

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