Luftverpestung fordert sieben Millionen Tote pro Jahr – Das könnt ihr dagegen machen

Luftverschmutzung sorgt laut einem UN-Experten für sieben Millionen Todesfälle pro Jahr. Foto: Petter Rudwall / Unsplash

Sieben Millionen Tote pro Jahr durch dreckige Luft, 600.000 davon Kinder – UN-Experte David Boyle wendet sich mit drastischen Zahlen an die Regierungen der Welt.  Ein Aachener Professor für Umweltmedizin äußert aber auch Kritik an der UN-Mitteilung.

Laut der vereinten Nationen (UN) stirbt alle fünf Sekunden ein Mensch an den Folgen der Luftverschmutzung. Damit ist verpestete Luft für sieben von circa 60 Millionen Todesfällen pro Jahr verantwortlich. 90 Prozent der Weltbevölkerung atmet diese schmutzige Luft ein. “Dennoch bekommt diese Pandemie nicht genug Aufmerksamkeit”, beklagt der UN-Experte. Das Versagen im Umweltschutz, vor allem bezüglich der Luftverschmutzung, sei eine Verletzung des fundamentalen Rechts auf eine gesunde Umwelt. “Zur Feier des Weltumwelttages fordere ich die Staaten dazu auf, zu agieren und die Luftverschmutzung zu stoppen”, sagte Boyd in einem Statement der UN.

UN-Generalsekretär: “Besteuert die Verschmutzung, nicht die Menschen”

Auch UN-Generalsekretär António Guterres meldet sich in einem Video-Statement zu Wort: Luftverschmutzung und der Klimawandel seien “der Kampf unseres Lebens. Wir müssen gewinnen und wir werden gewinnen.” Er fordert, fossile Energien härter zu subventionieren und keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen. “Besteuert die Verschmutzung, nicht die Menschen.” Am Weltumwelttag müsse man die Stimme aller Menschen hören, die wollen, dass die Welt in Sachen Umweltschutz handelt.

Professor Wolfgang Dott, Direktor des Insituts für Hygiene und Umweltmedizin der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) a.d., sieht die Mitteilung der Vereinten Nationen aber auch kritisch. “Das ist Stimmungsmache und damit unseriös”, sagt Dott. Sicher sei es richtig, dass Luftverschmutzung die Lebenszeit verkürze – um wie viel, sei in dieser Mitteilung aber nicht erwähnt worden. Für Studien wie diese, erklärt Dott, untersuchen Wissenschaftler die Anzahl an Herz-Kreislauf und Lungenerkrankungen an einem sehr belasteten Ort wie Peking. Dann vergleichen sie diesen mit einem Ort mit eher sauberer Luft, zum Beispiel einem Dorf der Mongolei. “Ich will das nicht verharmlosen. Aber man muss das im Gesamtkontext sehen.” Um durch Luftverpestung ausgelöste Todesfälle komplett zu vermeiden, müsse man zurück zu den Menschen als Jäger und Sammler gehen – uns selbst dann, so Dott, würde der Rauch der Feuerstellen den Menschen schaden.

Von der Straße zurück auf die Schienen

Aber auch Dott fordert Handlungen in Sachen Luftverschmutzung. Wenn er für Deutschland Empfehlungen abgeben sollte, so der Umweltmediziner, wäre eine der ersten die Einschränkung des individuellen Autoverkehrs. “Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen massiv ausgebaut werden”, fordert Dott. Außerdem empfiehlt er die weitgehende Reduzierung des gesamten LKW-Verkehrs. Stattdessen müsse man den Lastenverkehr zurück auf die Schienen bringen. Von der Straße auf die Schiene – “Das sind die großen Räder, an denen man drehen kann.” Alternative Energien müssen laut Dott verstärkt werden, auf tierische Produkte so gut wie möglich verzichtet werden. Auch der Flugverkehr verpestet die Luft seiner Meinung nach momentan viel zu stark. “Das sind Sachen, da will keiner ran”, findet Wolfgang Dott. Bei Fahrverboten bezweifelt er allerdings, wie wirkungsvoll die sind. Für ihn sind dies nur, die ganz kleinen Schrauben, an denen gedreht wird.

7 Tipps zum Klimaschutz für Studierende

Nicht nur die großen Räder gegen Luftverschmutzung müssen gedreht werden. So kann jeder Einzelne zum Umweltschutz beitragen:

  • Nutzt euer Semesterticket! Vermeidet unnötige Autofahrten, geht öfter zu Fuß, nehmt das Fahrrad oder Bus und Bahn – das ist auch viel billiger
  • Plant Urlaube in der Nähe, anstatt sie mit Flügen zu verbinden. Die Nordsee ist zwar keine Karibik, aber auch ganz schön
  • Falls ihr doch das Auto nehmt: Drosselt das Tempo und stellt im Stand den Motor aus
  • Benutzt euren eigenen, wiederverwendbaren Kaffeebecher, wenn ihr zwischen den Vorlesungen etwas Koffein braucht. Bei der Food Fakultät bekommt ihr dafür sogar Rabat
  • Achtet beim Einkaufen darauf, dass ihr regionale Produkte ohne langen Transportweg kauft
  • heizt im Winter euere Wohnung nicht so stark, sondern zieht euch einen dickeren Pulli an. Lüftet kurz und kräftig, so drei bis fünf Minuten mit Durchzug
  • Trennt euren Müll vernünftig, nur so kann Recycling funktionieren

Schadstoffe in der Luft gefährden vor allem alte Leute und kleine Kinder

Stickstoffdioxide, die viel durch den Straßenverkehr ausgelöst werden, sind vor allem für Asthmatiker ein Problem. Sie führen zu Atemwegserkrankungen und können Allergien verstärken. Menschen aus der Stadt entwickeln zum Beispiel schneller eine Pollenallergie. Schadstoffe in der Luft können außerdem eine Bronchitis auslösen, im schlimmsten Fall sogar Lungenkrebs. Der Feinstaub kann zudem zu Schleimhautreizungen, lokalen Entzündungen in der Luftröhre und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck bis hin zu Herzinfarkte führen. Am gefährlichsten ist schmutzige Luft für Kleinkinder, alte und schwächere Menschen. Auch für Kranke und Leute mit Voerkrankungen, zum Beispiel Asthma oder Allergien, sind die Schadstoffe in der Luft gefährlich.  Jungen, fitten Menschen macht die hohe Belastung in der Luft noch am wenigsten aus.

 

Beitragsbild: Petter Rudwall / Unsplash

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