50 Jahre Mondlandung: Damals wie heute ein teures Symbol

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit.“ 50 Jahre ist es her, dass Neil Armstrong, kurz bevor er seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzte, einen der legendärsten Sätze des 20. Jahrhunderts sprach.

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten bemannten Mondlandung rückt der Erdtrabant wieder ins öffentliche Rampenlicht und die Pläne, erneut einen Menschen hinauf und sicher zurück zur Erde zu bringen, sind konkret wie nie zuvor. Aus gesellschaftlicher und auch wissenschaftlicher Perspektive wären die Erkenntnisse wohl eher redundant als aufschlussreich. Eine erneute bemannte Mondlandung ist daher, wie bereits vor 50 Jahren, vor allem eines – ein großes Symbol.

Was dachte sich Buzz Adrin, der bekanntlich zweite Mensch auf dem Mond, nur, als er Anfang 2017 neben Donald Trump und vor den Augen und Ohren der Weltpresse mit anhören musste, wie der neugewählte Präsident ankündigte, erneut einen Menschen auf den Mond zu schicken?

Es zu Ende bringen…

Es ist kein Zufall, dass Adrin auf der Bühne direkt links neben dem Präsidenten steht, es ist ein Zeichen. Trump betont in seiner typischen Manier, dass die USA schon immer eine Nation der Pioniere gewesen sei. Das werde nun auch im Weltraum wieder unter Beweis gestellt. Seine Nation habe mit der ersten Mondlandung vor 50 Jahren etwas angefangen, was er nun persönlich weiterführen und bestenfalls selbst zu Ende bringen will.

In acht Jahren von Traum bis Wirklichkeit

Den Stein ins Rollen gebracht hat vor über 50 Jahren Präsident John F. Kennedy. Er formulierte, 1961 schon vor seiner Wahl das Ziel, erstmals einen Menschen auf den Mond und sicher zurück zur Erde zu bringen. Nur acht Jahre später war dieser Traum plötzlich Realität.

Die erste Mondlandung in Kürze
  • Am 21. Juli 1969 um 3.56 MEZ betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Rahmen des Apollo-11-Programms als erste Menschen den Mond.
  • Die Mission dauerte insgesamt 195 Stunden und 18 Minuten vom Raketenstart im Kennedy Space Center bis zur Wasserlandung auf dem Pazifik. Die Saturn-5-Rakete machte sich bereits am 16. Juli 1969 auf den Weg Richtung Orbit.
  • 76 Stunden, also mehr als drei Tage, brauchten die Astronauten auf ihrem Weg von der Erde zum Mond. Die Strecke betrug etwa 384.000 Kilometer.
  • Die Mondlandung selbst gelang mit den allerletzten Treibstoffreserven.
  • Armstrong und Aldrin verbrachten 2 Stunden und 31 Minuten auf der Oberfläche des Mondes.
  • Mehr als 600 Millionen Menschen verfolgten das Event im Fernsehen. Es war bis dahin das mit Abstand größte TV-Event aller Zeiten.
  • Am 24. Juli 1969, nach acht Tagen im Weltall, schlägt die Kommando-Kapsel mit den Astronauten im Pazifik auf. Die ersten Menschen, die den Mond betreten haben, sind wieder unverletzt auf die Erde zurückgekommen.
  • Insgesamt haben in den Jahren 1969 bis 1972 zwölf Menschen den Mond betreten. Alle waren US-Amerikaner. Verweilten die Astronauten bei der ersten Mondlandung nur 21 Stunden auf der Mondoberfläche, waren es bei der letzten Apollo Mission am 11. Dezember 1972 bereits drei Tage und drei Stunden.  Es war das bis dato letzte Mal, dass ein Menschen einen Fuß auf den Mond setzte.

Planetgeologe Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Ulrich Köhler, Planetengeologe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt kommt ins Schwärmen, wenn er über die damalige Meisterleistung spricht: „Die erste Mondlandung ist bis heute das größte technologische Projekt der Menschheitsgeschichte. Über 400.000 Menschen haben daran mitgearbeitet. Für mich ist das in eine Reihe mit den Pyramiden in Ägypten zu stellen.“

Kennedy hatte gar kein Interesse an der Wissenschaft.

Dieser Vergleich ist durchaus angebracht. Schließlich war es wirklich das aller erste Mal, dass Menschen ihren Heimatplaneten verließen, um auf einem anderen Planten zu landen und anschließend sicher zur Erde zurückzukehren. „Für die Wissenschaft war das ein Segen“, berichtet Köhler. „Aber Kennedy hatte gar kein großes Interesse an der Wissenschaft.“

Der Mond als Spielball im Kalten Krieg

Kennedys Interesse galt etwas anderem. Mitten im Kalten Krieg mit der Sowjetunion sei die Mondlandung so etwas wie der symbolische Wettlauf um die Führung in der Welt, erklärt Prof. Walter Grünzweig, Amerikanist an der Technischen Universität Dortmund. „Die Amerikaner waren unter Druck, waren es doch die Sowjets, die den ersten Mensch ins Weltall beförderten.

Professor Walter Grünzweig ist Amerikanist an der TU Dortmund.

Sie mussten also etwas finden, was das toppt.“ Kaum auszudenken also, wie sehr sich die stolze Nation der Pioniere gedemütigt gefühlt hätte, würde auf dem Mond heute eine sowjetische und keine amerikanische Flagge stehen. Aber so weit kam es bekanntlich nicht.

Der Mond als Selbstverständnis

Professor Grünzweig ordnet die Mondlandung auch in einen etwas anderen Kontext ein. Das Wettrennen mit der Sowjetunion sei natürlich der unmittelbare historische Kontext. „Es gibt aber auch einen inneramerikanischen Grund für die Eroberung des Weltraums,“ erklärt der Amerikanist. Er spricht vom amerikanischen „Frontier“.

Frontier lässt sich in etwa als Grenzgebiet ins Deutsche übersetzen. Dieses Wort steht für etwas in der Ferne, was dennoch gemeistert und erreicht werden kann. Im 19. Jahrhundert wurden die Grenzen des Frontier mit der Erschließung Amerikas immer weiter gen Westen verlegt. Hinzu kamen später Alaska und Hawaii. Als auf der Erde alles erreicht schien, verlagerten sich die Grenzen des Machbaren Richtung Weltraum. „Frontier ist also so etwas wie das amerikanische Selbstverständnis. Es war nur logisch, das Frontier irgendwann auf den Weltraum – eine nach außen offene Grenze – zu verlagern“, so Professor Grünzweig.

Man hat es vollbracht. Jetzt kann man es abhaken.

Anhand dieser Logik wird auch klar, warum die Amerikaner das Apollo-Programm schon im Jahr 1972 wieder einstellten. „Man war halt dort, man hat es geschafft und jetzt kann man das auch abhaken und weitermachen“, erklärt Grünzweig grinsend. Seitdem hat bis heute kein Mensch mehr den Mond betreten.

Raumfahrt bedeutet immer abwägen

Dass nicht ständig Menschen zum Mond hinauf und wieder hinab geschickt werden, hat aber gute Gründe. Der Aufwand, eine bemannte Raumfähre zu konstruieren, ist dramatisch größer als nur einen Roboter ins All zu schicken – allen voran wegen der hohen Sicherheitsauflagen. Denn letztlich ist es schlicht das größte Ziel, dass die Astronauten im menschenfeindlichen Weltall nicht sterben. Genau das sei so kostenintensiv, sagt Ulrich Köhler vom DLR: „Schickt man eine Sonde oder einen Roboter zum Mond, kostet das etwa eine Milliarde US-Dollar. Sollen dort Menschen hinauf, die bestenfalls auch eine kurze Zeit bleiben und anschließend wieder sicher zurück kommen, verzehnfacht sich diese Summe schnell.“

Menschen auf den Mond zurück zu schicken, ergibt sowohl in der jüngsten Vergangenheit als auch in der Zukunft, also allein aus wirtschaftlicher Sicht, nur begrenzt Sinn. Vor allem weil Roboter, Sonden und Satelliten inzwischen einen Großteil der Tätigkeiten der Astronauten übernehmen können.

Zwar betont Köhler auch, dass Menschen den Robotern aktuell vor allem bei Einsätzen auf fremden Planeten klar überlegen seien, allein aufgrund der enormen finanziellen Kosten müsse eine Gesellschaft aber dennoch immer abwägen, so der Planetenforscher.

So viel Geld zu investieren, bedeutet auch immer Geld an einer anderen Stelle nicht zu investieren. Zumal sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die einzelne Menschen in einem begrenzten Zeitraum erforschen könnten, wenig revolutionär.

Der Mond sei in Zukunft eher ein Experimentierfeld auf dem Weg zum Mars. „Für neue Erkenntnisse, wie zum Beispiel Menschen langfrsitig auf einem fremden Himmelskörper überleben, bräuchte es eine Art Mondbasis“, erklärt Köhler. Daran werde zurzeit von Seiten der NASA mit Hochdruck gearbeitet. Ein einzelner Mensch zurück auf dem Mond könne dazu aber keinen essenziellen Beitrag leisten.

Schaut her: Wir haben’s noch drauf

Und trotzdem steht Präsident Trump stolz neben Buzz Aldrin und verkündet seine neusten Pläne zum Mond zurückzukehren. Wie lässt sich das nun also einordnen? Auf der einen Seite haben wir es aktuell auch mit so einer Art inoffiziellem Rennen zum Mond zu tun, erklärt Köhler. „Vor allem die Chinesen haben Unmengen an Ressourcen, viele begeisterte Menschen und zudem nun auch die Technologie.“

Die USA fühlt sich also herausgefordert. Warum aber gerade jetzt? China agiert doch militärisch und vor allem wirtschaftlich schon seit fast einer Dekade längst auf Augenhöhe zu den USA. Ein Grund für Trumps eilige Handlungen dürfte in der Dauer seiner Amtszeit liegen. Da die USA China in diesen Punkten mittelfristig nur wenig entgegensetzen kann, ist also jetzt der Punkt gekommen, an dem Trump mit einer erneuten Mondlandung auch für seinen nächsten Präsidentschaftswahlkampf ein Ausrufezeichen setzen will.

Ein Ausrufezeichen auf der Weltbühne, um vor allem das angekratzte nationales Selbstverständnis der Amerikaner aufzupolieren und der Welt zu zeigen: „Schaut her, wir haben’s noch drauf. Wir sind immer noch die Nummer Eins.“ Die Grenzen des Frontier werden nun auf absehbare Zeit Richtung Mars verschoben. Bis diese Pläne aber konkret werden, rückt erstmal wieder der Mond in den Mittelpunkt.

Wie damals ist eine bemannte Mondmission, zumindest kurzfristig, erneut ein Symbol über die Führung in der Welt, denkt sich vielleicht auch Buzz Aldrin, der vor exakt 50 Jahren als zweiter Mensch den Mond betrat.

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