Von der Uni ins Kloster

Jeden Tag das Gleiche anziehen, fünfmal am Tag beten und kein Geld verdienen – das ist das Leben als Nonne, oder? Regina Greefrath ist nach ihrem Studium ins Kloster eingetreten. Mit 25 Jahren entschied sie sich für ein Leben mit Gott und damit gegen ihr bisheriges Studentendasein. Denise Friemann hat sie einen Tag lang in ihrem Alltag begleitet.

Mit einem großen Schlüssel schließt Regina Greefrath die Tür der Kirche auf. Sie schwingt mit einem lauten Knarzen zur Seite und Regina betritt den Raum. Kurz bleibt sie stehen, dann sinkt sie in einen tiefen Knicks, den Blick Richtung Boden gerichtet. „Das machen wir einfach so, um Respekt zu erweisen“, erklärt sie. Regina ist eine Nonne. Mit 25 Jahren entschied sie sich für ein Leben im Kloster und ein Leben mit Gott und damit gegen ihr bisheriges typisches Studentendasein.

Es ist Sonntag, zwanzig nach sieben und Schwester Regina ruft die anderen Schwestern zum Laudes, dem morgendliche Chorgebet der Nonnen. „Normalerweise stehen wir immer schon um fünf Uhr auf, das hier ist also quasi schon ausschlafen für uns“, lacht sie, während sie ununterbrochen an einem Seil zieht und gleichzeitig auf eine Schelle drückt. Das Schallen der Klingel hört man durch das ganze Kloster. Wenige Minuten später sind alle in der Kirche. Es wird gebetet, gesungen, gesprochen. Fünf Mal am Tag. Sieben Tage die Woche. „Natürlich habe ich nicht immer Lust auf die Gebete, auch wenn sie nur 20 Minuten dauern. Gerne würde ich dann noch eine Klausur zu Ende korrigieren oder eine Seite zu Ende lesen. Aber die Gebete geben meinem Alltag Struktur und ich habe so auch immer Zeit, zu mir zu finden.“

Welche Aufgaben Regina alle hat, könnt ihr hier unten in der Bildergalerie sehen.

Regina hat sich mittlerweile schon an den Tagesablauf gewöhnt. „Es wäre auch gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich bei jedem Gebet voll da bin. Die kann man auch ganz gut als Pause zwischendurch nutzen“, lacht sie.

Armut, Gehorsam und Jungfräulichkeit

Auch wenn Regina eigentlich als Spanisch- und Religionslehrerin arbeitet, verdient sie kein Geld, denn Regina hat kein eigenes Konto mehr. Alles was sie besitzt – bis auf ein paar wenige private Sachen – gehört der Gemeinschaft. Das ist einer der drei Grundsätze des Klosterlebens: die Armut. „Das heißt jetzt aber nicht, dass wir hier hungern müssten oder so. Alles, was wir zum Leben brauchen, haben wir, aber mehr eben auch nicht.“ Dazu kommen dann noch der Grundsatz der Gehorsam und der der Jungfräulichkeit. „Das ist jetzt aber auch nicht wörtlich zu verstehen. Ich hatte vor meiner Zeit im Kloster zum Beispiel auch einen Freund. Jungfräulichkeit meint eigentlich nur, dass man als Nonne keinen Sex mehr haben darf.“
Der Orden hat sich außerdem der Bildung verschrieben. Deshalb kommt sie bei den Augustiner Chorfrauen noch als vierter Aspekt hinzu. Es dürfen auch nur Frauen in den Orden eintreten, die dazu etwas beitragen können, also zum Beispiel als Kindergärtnerin oder Lehrerin arbeiten. Ob man schon gearbeitet hat oder, so wie Regina, gerade erst mit der Ausbildung oder dem Studium fertig ist, ist dabei aber egal.

Die Ehe mit Gott

Bevor sie ins Kloster eingetreten ist, hat Regina Spanisch und Theologie auf Lehramt studiert. „Wie du siehst, war Nonne zu werden nicht immer mein Plan. Eigentlich wollte ich sogar drei Kinder“, erzählt Schwester Regina. Sie lächelt: „Und einen Hund, das war mir ganz wichtig. Aber jetzt habe ich mich für Gott als meinen Lebenspartner entschieden.“ Kurz blickt Regina zur Tür, über der ein Kreuz hängt. „Es ist vielleicht ein hinkender Vergleich, aber man kann das Ganze schon als Ehe mit Gott vergleichen. Die ewige Profess ist quasi wie das Eheversprechen, es gibt sogar eine Art Hochzeitsfest, wenn man so will.“ Mittlerweile ist es schon zehn Jahre her, dass Regina ihre Hochzeit gefeiert hat. „Es gibt dann eine Messe und danach eine kleine Feier. Ich habe damals auch viele Geschenke bekommen. Eigentlich hätte ich die ja nach unseren Grundsätzen der Allgemeinheit zu Verfügung stellen müssen, aber die Oberin hat entschieden, dass ich sie behalten darf, weil es ja meine Professgeschenke waren“, erzählt Regina.

Durchs Studium zum Kloster

Das Klosterleben lernte sie zum ersten Mal richtig während des Studiums kennen. „Ich kam oft hierher, um zu lernen oder Hausarbeiten zu schreiben. Es war hier immer so ruhig“, sagt sie. Kein WLAN, keine eigenen Fernseher oder Telefone. Nur im Gemeinschaftsraum steht ein Beamer zum Filme gucken. Regina konnte sich so voll und ganz auf ihre Klausuren oder Hausarbeiten konzentrieren. Nichts lenkte sie ab. Die Gebetszeiten empfand sie als wohltuende Pause. „Obwohl ich hier oft gelernt habe, fühlte ich mich nach den Wochen, in denen ich hier war, oft sehr erholt. Dann habe ich darüber nachgedacht, ob das nicht vielleicht auch etwas Längerfristiges sein könnte.“ Für diese Entscheidung ließ sie sich viel Zeit: „Ich wollte das alles nicht aus Euphorie heraus entscheiden. Deshalb bin ich erstmal ins Ausland gegangen nach Madrid, um Abstand zu gewinnen. Danach bin ich noch den Jakobsweg gelaufen. Das war irgendwie der einschneidende Moment. Ich habe gemerkt, dass Gott mich auf diesen Weg lenkt und mir gedacht: Probier‘ es wenigstens aus.“ Im Mai 2009 machte sie ihr Examen, drei Monate später trat sie ins Kloster ein.

Bis man wirklich Nonne wird, ist es aber ein weiter Weg, denn die ewige Profess kann man frühestens nach fünf Jahren ablegen. Durch dieses Versprechen bindet man sich für immer an das Kloster und damit an Gott. Davor macht man quasi eine Ausbildung. „Um das Klosterleben erstmal kennenzulernen, kann man davor auch eine Zeit lang in Zivil im Kloster leben. Man trägt dann noch kein Ordenskleid und kann weiter studieren oder arbeiten“, erklärt Schwester Regina. Danach, und wenn das Kloster einen für tauglich hält, beginnt das Noviziatsjahr. In dieser Zeit darf man nicht mehr arbeiten und lebt vollständig im Kloster. „Man sollte den Kontakt zu den Freunden und der Familie auch reduzieren“, sagt Regina. Das alles passiert aber auf freiwilliger Basis: „Es zwingt dich ja niemand, hier zu bleiben. Das Noviziatsjahr ist ja dazu da, damit du herausfinden kannst, ob ein Leben im Kloster zu dir passt und ob du es überhaupt aushalten würdest.“ Wenn dieses Jahr vorbei ist, legt man für drei Jahre die zeitliche Profess ab, danach dann die ewige Profess. „Da gibt es dann kein Zurück mehr. Man entscheidet sich dafür, den Rest seines Lebens mit Gott zu verbringen. Wenn man austreten möchte, müsste man einen Antrag stellen, der bis nach Rom durch geht. Das ist keine leichte Entscheidung.“ Ist man sich nicht sicher, kann man die zeitliche Profess bis zu neun Jahren verlängern.

Freunde, Bier und Burgerläden

Regina ging aber den schnellsten Weg. Nach fünf Jahren legte sie die zeitliche Profess ab. „Meine Eltern waren zunächst gar nicht begeistert. Ich bin ein Einzelkind, deshalb werden sie nie Enkelkinder haben. Mein Vater hat eine Zeit lang sogar gar nicht mit mir gesprochen.“ Mittlerweile hat sich die Lage zwischen Schwester Regina und ihren Eltern aber wieder entspannt. Sie besucht sie regelmäßig und geht auch sonst gerne nach draußen. „Viele denken, wir wären hier eingesperrt oder so“, lacht Regina und schüttelt dabei heftig den Kopf. „Das stimmt absolut nicht. Ich treffe mich gerne mit Freundinnen. Um die Ecke ist ein super Burgerladen, da gehen wir oft hin und da trinke ich dann auch mal ein Bier oder so.“ Trotzdem, ihr Ordenskleid behält Regina immer an. Und damit fällt sie auf. „Pinguin höre ich tatsächlich oft hinter meinem Rücken. Aber das ist ja nicht wirklich böse und an die Blicke gewöhnt man sich auch. Das einzige, was ich nicht mag, ist, wenn Leute heimlich Fotos von mir machen. Meistens starre ich sie dann an, da bekommen sie Angst.“, lacht Regina.

Zweifel sind normal

„Trotzdem ist das Leben im Kloster nicht immer leicht“, erzählt Regina, während sie in der Sakristei alles für die Messe vorbereitet. „Man muss auf jeden Fall Einsamkeit aushalten können.“ Nachdenklich streicht sie über die lilanen Ärmel des Talars, das Priestergewand, den sie für den Pfarrer bereitlegt. Zweifel gehören ihrer Meinung nach dazu: „Also ein Mensch oder eine Nonne, die noch nie an ihrem Glauben gezweifelt hat, das wäre schon sehr komisch. Das denken ja auch viele, dass wir quasi mit einem Heiligenschein durchs Leben gehen, aber das ist doch Quatsch.“ Ihr Blick wandert zur Decke und durch den kleinen Nebenraum der Kirche. Auch sie habe manchmal Zweifel, gibt sie zu. „Aber das ist eben wie in einer Beziehung, da gibt man ja auch nicht direkt auf.“ Bereut habe sie ihre Entscheidung nie, erzählt sie. „Eine Sache vermisse ich aber schon“, sagt sie und lächelt, „Bei uns Zuhause haben wir samstags immer ausgeschlafen. Danach saßen alle noch bis 13 Uhr im Schlafanzug am Frühstückstisch. Das fehlt mir schon ein bisschen.“

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