Warum sich Türken und Kurden in Syrien bekämpfen

Seit Mittwoch kämpft das türkische Militär in Nordsyrien gegen die kurdische YPG. Mindestens 52 Zivilisten sind bereits bei der Militäroffensive getötet worden. Der Konflikt hat auch Folgen für Deutschland.

Was ist los in Nordsyrien?

Am Mittwoch hat die Türkei mit einer Militäroffensive in Nordsyrien begonnen. Ziel sei es, eine Sicherheitszone zu errichten, so die türkische Regierung. Das Gebiet in Nordsyrien an der türkischen Grenze wird derzeit von der kurdischen Organisation YPG beansprucht. Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Diese gilt in der EU als Terrororganisation. Man wolle keinen „Terrorstaat“ an der türkischen Grenze, verkündete die Türkei. Möglich wurde der Angriff der Türkei erst, nachdem die USA angekündigt hatten, ihre Truppen aus der Region zurückzuziehen. Die USA waren bisher der wichtigste Bündnispartner der YPG. Nach Zählungen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sind seit Beginn der Offensive mindestens 52 Zivilisten getötet worden.

Wer sind die wichtigsten Akteure in dem Konflikt?

YPG: Die kurdische Volksschutzeinheit YPG beansprucht seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien Gebiete im Norden des Landes an der Grenze zur Türkei. Die Kurden haben dort eine Selbstverwaltung mit Kantonen errichtet.

Türkei: Die türkische Regierung möchte die YPG bekämpfen um in Nordsyrien eine sogenannte „Sicherheitszone“ zu errichten. Dort sollen dann Flüchtlinge untergebracht werden, die derzeit in der Türkei leben. Die Türkei ist außerdem ein Mitglied der Nato.

Syrische Rebellen: Die syrischen Rebellen haben während des achtjährigen Bürgerkriegs mittlerweile die Kontrolle über viele Gebiete des Landes wieder verloren. Ihr wichtigster Bündnispartner ist die Türkei.

Syrische Regierung: Die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad hat derweil angekündigt, die Kurden im Kampf gegen die Türkei zu unterstützen. Dazu sollen Assads Truppen Zugang zu dem Gebiet der Kurden erhalten, wie der libanesische TV-Sender AI-Mayadeen berichtete. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien beherrscht die syrische Armee große Teile im Zentrum Syriens, sowie Gebiete im Westen und Süden des Landes. Im von den Kurden beanspruchten Nordsyrien hatten Assads Truppen vielerorts die Kontrolle verloren. Zu Syriens Verbündeten zählen Russland und der Iran. Ziel der syrischen Regierung ist es, ganz Syrien zurückzuerobern.

Russland: Russland unterstützt die syrische Regierung im Krieg. Gleichzeitig verhandelt das Land jedoch auch mit den Kurden, der Türkei und dem Iran. Für die Kurden spielt Russland daher eine wichtige Rolle als Vermittler.

USA: Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan hat Donald Trump angekündigt, die US-Truppen aus der Region abzuziehen. Damit hat er bereits begonnen.

Welche Auswirkungen hat der Konflikt auf Deutschland?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den türkischen Präsidenten Erdoğan in einem Telefongespräch dazu aufgefordert, die Militäroffensive sofort zu beenden. Merkel warnte davor, dass die Angriffe der Türkei zu einem erneuten Erstarken der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) führen könnten. Am Sonntag war bekannt geworden, dass 780 Angehörige von IS-Extremisten aus einem kurdischen Gefängnis geflohen sind. Deutschland hat teilweise keine Waffen mehr in die Türkei verkauft. Die EU teilte bereits in der vergangenen Woche mit, dass man das militärische Vorgehen verurteile. Auf ein gemeinsames Verbot von Waffenlieferungen haben sie die Mitgliedstaaten jedoch nicht geeinigt.

Der Nordsyrienkonflikt ist auch Thema vieler türkischstämmiger Menschen in Deutschland. Am Wochenende gingen in mehreren deutschen Städten Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Militäroffensive der Türkei zu demonstrieren. Der Politikwissenschaftler und Türkei-Experte Burak Çopur warnte davor, dass die Situation in Nordsyrien auch zu verstärkten Konflikten zwischen Türken und Kurden in Deutschland führen könne. „Die Stimmung hierzulande kann man nicht isoliert von der politischen Entwicklung in der Türkei betrachten, die sich eins zu eins in Deutschland widerspiegelt“, sagte Çopur der Deutschen Presseagentur.

Was bedeutet der Konflikt für Dortmund?

Musa Ataman: „nicht provozieren lassen“

Auch in Dortmund gab es immer wieder Demonstrationen gegen die türkische Regierung, nachdem diese die Militäroffensive angekündigt hat. Daran beteiligten sich pro Demonstration zwischen 100 und 1800 Menschen, darunter viele Kurden. Schon im Vorfeld habe man sich in Dortmund auf die Versammlungen eingestellt, da die politischen Lager sehr angespannt seien, teilte die Dortmunder Polizei mit. „Es gab hier und da mal Versuche, von außen zu provozieren, oft von türkischen Mitbürgern. aber nirgendwo ist es eskaliert“ erklärte eine Polizeisprecherin.

Für Musa Ataman ist die Sache klar: „Wir Kurden in Deutschland müssen uns nicht provozieren lassen“. Ataman ist Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Rhein-Sieg/Bonn. Viele Mitglieder des Vereins haben selbst Familienangehörige in Nordsyrien und sind dadurch von dem Konflikt betroffen. „Die Menschen dort sind sehr traurig und hoffen, dass die westlichen Länder in Europa noch irgendwas tun können“ erklärt Ataman. Die Forderung von Merkel, die Militäroffensive in der Türkei zu stoppen, findet Atamar zwar gut, „aber wir brauchen nocht klarere und härtere Maßnahmen gegen die Türkei“. Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) teilte KURT mit, dass man sich derzeit noch nicht zum Konflikt in Nordsyrien äußern wolle.

Beitragsbild: Pixabay/Alexas_Fotos

Mehr von Sascha Erdelhoff

Attentäter von Halle gesteht Tat

Der Attentäter von Halle hat am Donnerstagabend seine Tat gestanden. In dem...
Mehr...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.