Die Hintergründe zum Krieg in der Ukraine

Die Lage in der Ost-Ukraine spitzt sich in den letzten Wochen zu. Am heutigen Montag hat sich der UN-Sicherheitsrat getroffen, um über die Situation in der Ukraine zu diskutieren. Die Beziehung der Ukraine zu Russland ist seit Jahren angespannt. Viele Ereignisse aus der Vergangenheit sind verantwortlich für die komplexe Situation.

Seit dem August 1991 ist die Ukraine unabhängig von der damaligen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Einige Ukrainer*innen sind Russland noch heute verbunden. Vor allem im Osten sprechen viele noch Russisch. Auch die lang umstrittene Krim ist bewohnt von Menschen, die Russisch oder Ukrainisch sprechen.

Der Startpunkt für den Krieg lässt sich, trotz bereits lang anhaltender Anspannungen zwischen Russland und Ukraine, im November 2013 finden. Der damalige Präsident Viktor Yanukovych weigerte sich, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben. Das ist der Beginn der „Maidan-Revolution“ in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Es protestieren in den darauffolgenden Monaten circa 800.000 Ukrainer*innen. Die Demonstrationen sind von brutaler Polizeigewalt geprägt. 77 Demonstrant*innen sterben bis zum Februar 2014, als Präsident Yanukovych letztendlich nach Russland flieht.

Im März 2014 beginnen die Proteste von pro-russischen Separatist*innen, die sich nicht der Ukraine zugehörig fühlen. Die Ukraine befindet sich in einem instabilen Zustand, ohne einen Präsidenten. Eine Übersicht zu den darauffolgenden Ereignissen:

Zwischen Kämpfen und Waffenstillstand: Ein Zeitstrahl zum Ukraine-Krieg

März 2014: Putin annektiert Krim
Russlands Präsident Wladimir Putin hält in der umstrittenen Krim ein Referendum, ob die Bewohner*innen lieber der Ukraine oder Russland angehören möchten. Die Mehrheit würde für Russland stimmen. Sowohl die Vereinten Nationen (UN) als auch der G7-Zusammenschluss erklärt die Annektierung als illegal. Es gab Befürchtungen, dass die Wahlen unrechtmäßig waren. Putin erhält mit der Krim Zugang zum Schwarzen Meer, was von hoher militärischer und industriellen Relevanz für ihn ist.
April 2014: Separatist*innen nehmen Teile von Donezk und Luhansk ein
Die Städte Donezk und Luhansk liegen in der östlichen Donbass-Region. Die Ukraine greift militärisch ein und versucht, die Gebiete zurückzuerobern. Am 7. April rufen die pro-russischen Separatist*innen die Volksrepublik Donezk aus, diese wird international nicht anerkannt.
Mai 2014: Bei Protesten in Odessa sterben 42 Menschen
Pro-russische und pro-ukrainische Demonstrant*innen geraten am 2. Mai aneinander. Die Polizei versucht, die beiden Gruppen voneinander zu trennen. Der Großteil der Verstorbenen waren pro-russische Demonstrant*innen
Mai 2014: Monatelanger Kampf um den Flughafen in Donezk hinterlässt ihn zerstört
Pro-russische Separatist*innen kämpfen gegen die Ukraine um den Flughafen in der östlichen Stadt.

Mai 2014: Pro-westlicher Geschäftsmann Petro Poreshenko wird zum Präsidenten gewählt
Präsident Poreshenko regiert die Ukraine von 2014 bis 2019.
Juli 2014: Malaysisches Flugzeug wird abgeschossen und 298 Menschen sterben
Das Flugzeug „Malaysia Airlines Flight 17“ wird am 17. Juli 2014 abgeschossen. 283 Passagier*innen, davon 80 Kinder, und 15 Mitarbeitende, sterben. Das Flugzeug flog über ukrainisches Gebiet. Die abgefeuerte Rakete ist aus russischer Produktion. Es wird vermutet, dass der Angriff von pro-russischen Separatist*innen verübt wurde.
September 2014: Russische Truppen unterstützen die Separatist*innen
Die NATO bestätigt, dass russische Truppen auf ukrainischem Boden sind, um die pro-russischen Separatist*innen militärisch zu unterstützen. Russland bestreitet trotz widersprüchlicher Hinweise alle Anschuldigungen, dass sie die Volksrepublik Donezk militärisch unterstützen.
Februar 2015: Instabiler Waffenstillstand wird ausgehandelt
Bei Gesprächen in Belarus einigen sich die Volksrepublik Donezk und die Ukraine auf einen Waffenstillstand. Deutschland und Frankreich vermitteln zwischen den beiden Parteien. Die Ukraine verkündet seit Wochen den ersten Tag ohne Tote.
September 2015: Beide Seiten ziehen schwere Waffen ab
Der Waffenstillstand bleibt weiterhin instabil. Es kommt weiterhin zu Toten. Laut der UN sind vom Anfang des Krieges bis Ende 2015 über 9000 Menschen getötet worden, darunter waren etwa 2000 Zivilpersonen. Mehr als 2,5 Millionen mussten fliehen, 1,1 Millionen davon ins Ausland.
Januar 2016: Waffenstillstand gebrochen
Nachdem vier ukrainische Soldaten sterben, spannt sich die Lage weiter an.
Juli 2016: Russischer Journalist wird ermordet
Pavel Grigorievich Sheremet war ein russischer Journalist, der sich kritisch über die Regierungen in Belarus, Russland und der Ukraine äußerte. Am 20. Juli 2016 verstarb er durch eine Autobombe. Er war auf seinem Weg zur Arbeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiev. Die Onlinezeitung EUobserver veröffentlichte ein Gespräch, das auf eine Involvierung des belarussischen Geheimdienstes hindeutet.
Januar 2017: Neue Kämpfe in Avdiivka
Die Stadt Avdiivka liegt in der Donbass-Region in unmittelbarer Nähe zu Donezk. Am 28. Januar begannen Kämpfe zwischen der Ukraine und den pro-russischen Separatist*innen. Dies waren seit den Kämpfen in 2014 und 2015 die schlimmsten. Bis zum 4. Februar verlor die Ukraine 14 Soldaten und 66 wurden verwundet. Die Volksrepublik Donezk gab keine Auskunft über Verstorbene.
März 2018: USA liefern Panzerabwehrraketen an die Ukraine
Die Vereinigten Staaten kündigen im März 2018 an, die Ukraine mit Waffen zu beliefern. Es handelt sich um 210 Panzerabwehrraketen und 37 Raketenwerfer. Dies belastet das Verhältnis der Ukraine und Russland weiterhin.
Mai 2018: Putin öffnet die Brücke von der Krim nach Südrussland
Das Eröffnen der Brücke zwischen der umstrittenen Krim und Russland ist für viele Ukrainer*innen ein provozierendes Thema. Die Brücke kostet Russland drei Milliarden Euro.
August 2018: Anführer der Volksrepublik Donezk wird ermordet
Alexander Zakharchenko wird am 31. August 2018 Opfer eines Bombenangriffs. Die ukrainische Regierung streitet Involvierung ab.
Juli 2019: Volodymyr Zelensky wird zum Präsidenten gewählt
Der Schauspieler und Komödiant wird der neue Präsident der Ukraine.
September 2019: US Präsident Trump wird beschuldigt, Zelensky erpresst zu haben
Trump wird beschuldigt, 400 Millionen US-Dollar an Hilfen für die Ukraine ausgesetzt zu haben. Er wolle, dass der ukrainische Präsident Zelensky ihm belastende Informationen über Joe Biden zukommen lässt.

Im Ukraine-Krieg kamen bis 2021 ungefähr 14.000 Menschen ums Leben.

Seit einigen Monaten gibt es wieder neue Entwicklungen. Im November 2021 zeigten Satellitenbildern, dass sich die russische Armee im ukrainischen Grenzgebiet aufhält – bis zu 100.000 russische Soldaten. Ukrainer*innen befürchten eine erneute Invasion und Kämpfe wie 2014. Verschiedene internationale Interessen sind in den Konflikt involviert. KURT hat sich in einem Kommentar der aktuellen Situation in der Ukraine und den internationalen Interessen dabei gewidmet.

Beitragsbild: Ministry of Defense of Ukraine/wikimedia

Quellen: https://www.youtube.com/watch?v=2g77EH_hzS8
https://jamestown.org/program/battle-avdiivka-ukrainian-assessment-context/
https://www.statista.com/chart/16260/key-events-in-ukraines-recent-history/
https://www.ctvnews.ca/world/a-timeline-of-major-events-leading-up-to-the-current-russia-ukraine-crisis-1.5751379

 

 

 

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