Kommentar: Warum der Singles Day trotz Rabatten reinste Geldverschwendung ist

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Der Singles Day stammt ursprünglich aus China und wurde in Shanghai City am 11. November 2019 mit einer großen Show eröffnet. Foto: Hyunwon Jang/unsplash.com

Gestern war Singles Day – Chinas Antwort auf den Cyber Monday, Black Friday oder Amazon Prime Day aus dem Westen. Der Tag knackte erneut alle Rekorde. Vor allem der chinesische Online-Konzern Alibaba setzt auf den Rabatt-Tag. 2018 setzte er am Singles Day 30 Milliarden Dollar um, dieses Jahr wurde der Rekord schon gegen 11.30 Uhr geknackt. 

Schon wieder ein weiterer Rabatt-Tag und schon wieder haben die Umsatzzahlen einen neuen Rekord erreicht. Innerhalb der ersten 68 Sekunden setzte der Online-Konzern Alibaba, Erfinder des Singles Day, eine Milliarde Dollar um. Im Vergleich: Der Cyber Monday hat 2018 gerade mal 7,9 Milliarden Dollar umgesetzt.

Alibaba vertreibt seine Produkte via Livestream vor dem PC. Ähnlich wie unser Teleshopping. Bei uns in Deutschland gibt es das Shopping per Livestream nicht, trotzdem werden solche Tage immer mehr gehypt. Auch am Singles Day haben  viele deutsche Marken und Online-Shops mitgemacht.

Und was habt ihr euch gekauft? Ich bin leer ausgegangen – aber mit Absicht. Auch der Black Friday oder der Cyber Monday bleiben für mich unberührt. Ich muss zugeben, beim Amazon Prime Day habe ich dann doch schon einmal zugeschlagen. Was blieb, war eine unnötige Musikbox, die mittlerweile nur noch sinnlos rumsteht, und mein schlechtes Gewissen.

Deutschland – die Konsumgesellschaft

Wir leben in einer extremen Konsumgesellschaft. Alles was wir wollen, bekommen wir im Überfluss. Die Angebote scheinen unendlich und obendrein gibt es zahlreiche Online-Händler. Shirts aus Bangladesch, Handys aus China – kein Problem, bestell es einfach online. Und weil wir es uns leisten können, wird uns das Paket bis vor die Haustür geliefert. Am besten direkt am selben Tag. Geringster Aufwand also.

Und was bleibt über? Unmengen an Müll und ein Produkt, das wohlmöglich sowieso nicht lange im Gebrauch sein wird. Denn wie so oft verleiten uns Online-Shops dazu, gerade das zu kaufen, was man gar nicht braucht. Das zehnte Notizbuch, weil das Cover so schön ist oder „Oh, magnetische Einlegesohlen mit Massageeffekt“ – so praktisch, das brauche ich. Wirklich?

Plastiktüten von großen Weltkonzernen. Foto: Lance Grandahl/Unsplash

Sobald das unglaublich wichtige Produkt gekauft ist, kommt es – mit Sicherheit am nächsten Tag – bei einem zu Hause an. Einfacher geht es kaum. Beim Auspacken türmen sich die ersten Berge Müll an. Wir trennen ihn natürlich, deswegen ist das kein Problem – meint man. Leider sieht die Realität anders aus. 11,3 Millionen Tonnen Müll exportierten wir Deutschen im vergangenen Jahr an Entwicklungsländer. Ein Rekord-Export für uns Deutsche. Und was passiert dann in diesen Ländern? Muss uns nicht interessieren. Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Müll über Müll

Wow, da ist es endlich. Das super wichtige Produkt, dass man schon immer gebraucht und erst gestern zum Schnäppchenpreis bekommen hat. Aber so wirklich erfüllt es einen dann doch nicht. Ist aber nicht schlimm, dank kostenlosem Rückversand. Beim Händler angekommen, entscheiden sie sich das Produkt zu schrotten, anstatt es aufzubereiten und weiter zu verkaufen. Der Grund: viel zu teuer. Wieder Müll, der in Entwicklungsländern landet. Dahin, wo das Produkt auch produziert wurde.

In solchen Entwicklungsländern sind die Arbeitsbedingungen nicht die besten – nichts Neues, das wissen wir alle. Miese Bezahlung, unmenschliche Produktionsbedingungen und schlechte Luft. Wenn wir Produkte aus diesen Ländern bestellen, unterstützen wir das. Viel mehr sogar noch an solchen Rabatt-Tagen wie dem Singles Day. Dadurch müssen Arbeitskräfte noch günstiger werden und die Bedingungen noch schlechter.

Die Umwelt ist dabei egal

Umweltschutz ist gerade DAS Thema, doch sobald Rabatt-Tage ins Spiel kommen scheint die Moral vergessen. Gerade in Deutschland wollen viele mehr Umweltschutz. Erst letztens beschwerten sich vor allem Jugendliche über das unzureichende Klimapaket der Bundesregierung. Tausende gehen jeden Freitag auf die Straße und demonstrieren. Fordern weniger Fleisch, aus besserer Tierhaltung oder gar ein Flugverbot. Co2 soll überall eingespart werden. Doch wenn es ums eigene Wohl geht, vergisst man schnell seinen eigentlichen Standpunkt.

Ich bin offensichtlich kein Fan von solchen Shopping-Tagen, an denen mit heftigen Rabatten geworben wird. Sie machen die Käufer blind vor Gier, sind dazu auch noch schlecht für die Umwelt und motivieren Großunternehmen zu schlechten Arbeitsbedingungen. Deswegen kauft, wenn ihr wirklich was braucht, nicht wenn es am günstigsten ist.

 

Beitragsbild: Hyunwon Jang/unsplash.com

Artikelbild: Lance Grandahl / unsplash.com
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