Kommentar: Traut euch, den Mund aufzumachen!

Deutschland – für viele Menschen ist es ein Traum, einmal hier leben zu können. Doch warum eigentlich? Was macht Deutschland aus? Demokratie, staatliche Unterstützung, Wohlstand, Sicherheit und Freiheit?

Natürlich können wir uns glücklich schätzen, all diese Werte hier ausgeprägter als in den meisten anderen Ländern dieser Welt genießen zu können. Doch wir sollten uns – besonders als Studenten – nicht auf ihnen ausruhen, sondern unsere Zukunft aktiv mitgestalten.

Deutschland nur auf Platz 22 des Global Peace Index

Der Global Peace Index, aufgestellt von verschiedensten Friedensexperten und herausgegeben von der Universität Sydney, beschreibt die Friedfertigkeit verschiedener Länder dieser Welt. Beim Ranking werden unter anderem die Anzahl der Beteiligung an Kriegen, die Höhe des Misstrauens der Bürger, die politische Instabilität des Landes, der Grad des Respektes von Menschenrechten und der Handel mit Waffen berücksichtigt. Deutschland liegt in diesem Jahr nur auf Platz 22. Zwar ist Europa immer noch die sicherste Region der Welt und insgesamt werden über 160 Länder in das Ranking miteinbezogen. Trotzdem ist das Ergebnis erschreckend.

Ranking des Global Peace Index

1. Island
2. Neuseeland
3. Portugal
4. Australien
5. Dänemark
6. Kanada
7. Singapur
8. Slowenien
9. Japan
10. Tschechische Republik
11. Schweiz
12. Irland
13. Australien
14. Finnland
15. Bhutan
16. Malaysia
17. Niederlande
18. Belgien & Schweden
20. Norwegen
21. Ungarn
22. Deutschland

Allein von Januar bis Ende September 2019 wurden deutsche Rüstungsexporte im Wert von 6,35 Milliarden Euro genehmigt. Das ist ein Anstieg um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Ergebnis: Deutschland ist eins der reichsten Länder weltweit. Eine interessante Prioritätensetzung, finde ich. „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“, so steht es in Artikel 3 der Menschenrechte. Doch durch die Rüstungsexporte unterstützt Deutschland, dass Kriege geführt und Menschenleben gefährdet werden.

Fremdenfeindlichkeit gefährdet solidarisches Miteinander

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Das war heute vor 71 Jahren. Artikel 1 ist der wahrscheinlich berühmteste: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“

Im Jahr 2018 hat das Bundeskriminalamt 7.701 fremdenfeindliche Straftaten in Deutschland verzeichnet. Das ist ein Anstieg um 19,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dass Artikel 2 der Menschenrechte Diskriminierung verbietet, Artikel 17 das Asylrecht garantiert und außerdem Artikel 29 zur bestmöglichen persönliche Einhaltung der Rechte mahnt, scheint da fast nebensächlich zu werden.

Was können wir Studenten tun?

Im Alltag scheinen diese Probleme oft so weit weg – man hört davon in den Nachrichten, ist kurzzeitig schockiert, macht dann aber oft doch einfach irgendwie weiter wie zuvor. Was haben wir Studenten schon direkt mit Waffenexporten in die Türkei oder nach Südkorea zu tun?

Meiner Meinung nach sind es zuallererst die kleinen Dinge, auf die wir alle mehr achten sollten: Zum Beispiel der eigentlich diskriminierende Kommentar, der so schnell einfach mal unter den Tisch fällt oder bloß als Witz abgetan wird. Wir sollten uns trauen, den Mund aufzumachen und uns für unsere Mitmenschen einzusetzen. Wenn wir etwas kritisch sehen, „einfach“ mal wieder diskutieren. Und das face to face und nicht nur über das Smartphone.

Die Universität bietet uns dazu den notwendigen öffentlichen Raum. Unser Studium soll uns schließlich nicht nur die fachliche Ausbildung, sondern vor allem auch die Konfrontation mit verschiedenen Menschen und Meinungen ermöglichen. Das muss nicht in endlosen Argumentationen ausarten, sondern kann im besten Fall zum gemeinsamen Engagement für eine Sache führen: im Studierendenparlament, der AStA, bei NGOs, in sozialen Einrichtungen. Daran sollten wir uns zwar ganz besonders heute am Tag der Menschenrechte, aber auch im Alltag, immer wieder erinnern.

 

Beitragsbild: Melany Rochester, unsplash.com

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