Eizellenspende: Deutsches Gesetz ist blind und veraltet

Wenn Paare gegen ihren Willen kinderlos bleiben und in Deutschland alle medizinischen Möglichkeiten ausprobiert haben, gehen viele von ihnen ins Ausland. Dort können sie eine Eizellenspende durchführen lassen. Das sollte auch in Deutschland erlaubt sein. Ein Kommentar.

Es gibt Frauen, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Mit einer Eizellenspende werden einige von ihnen trotzdem schwanger. Dabei setzt ein Arzt der Frau die befruchteten Eizellen einer anderen Frau ein. Die Genetik des Kindes stammt von der Spenderin. Das Kind hat also zwei Mütter. In Deutschland ist das verboten, in anderen Ländern wie Schweden hingegen gängige Praxis.

Die Eizellenspende ist ein medizinischer Eingriff

Eine Eizellenspende bedeutet für die Spenderin ein gesundheitliches Risiko. Sie soll zum Beispiel statt nur einer Eizelle gleich mehrere Eizellen in einem Zyklus produzieren. Dafür sind viele Hormonspritzen am Tag nötig. Dadurch kann es zu Nebenwirkungen wie Kreislaufprobleme, Übelkeit und Verstimmung kommen.

Das ist aber nicht die einzige Beeinflussung des Hormonhaushalts: Auch die Eisprünge der Spenderinnen werden künstlich herbeigeführt. Ärzte entnehmen dann in einer kleinen Operation die Eizellen und befruchten sie mit Spermien unter einem Mikroskop mit der Pipette.

Wer ist in Deutschland rechtlich die Mutter bei einer Eizellenspende?
In Deutschland ist rechtlich gesehen eine Frau die Mutter, die ein Kind austrägt und zur Welt bringt. Die genetische Abstammung ist dabei irrelevant. Somit gilt die Eizellenspenderin in Deutschland nicht als Mutter, sondern die Empfängerin.

Die gesundheitlichen Gefahren für mögliche Spenderinnen schätzt die deutsche Bundesregierung dabei als zu hoch ein. Das hat sie vor einem Jahr in einer Stellungnahme betont. Diese Risiken werden aber nicht kleiner, indem sie in anderen Ländern stattfinden.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Eizellenspende minimiert die Gefahren. Das kann die deutsche Regierung allerdings nur mit einer Legalisierung kontrollieren. Mit dem gesundheitlichen Wohl der Spenderinnen zu argumentieren und gleichzeitig passiv zu bleiben, ist in diesem Zusammenhang scheinheilig.

Legalisierung beugt Fortpflanzungstourismus vor

Außerdem warnen Mitglieder des Deutschen Ethikrates vor einer möglichen Ausbeutung der Spenderinnen im Ausland. Oft herrsche ein Einkommensgefälle zwischen Empfängerin und Spenderin. Dadurch kann eine Hierarchie zwischen den Bestellern und Bezahlern aus dem Ausland und den Zulieferern im Inland entstehen. Laut des Ethikrates spenden die Frauen im Ausland eher aus finanziellen Gründen und nicht aus altruistischen.

Somit sei eine Spende kommerzialisiert – gerade beim sogenannten Schwangerschaftstourismus in Osteuropa. Um dem entgegenzusetzen kann auch eine Legalisierung der Eizellenspende hier in Deutschland hilfreich sein. Denn die künstliche Befruchtung mittels der Eizellenspende wird längst von deutschen Paaren in Anspruch genommen – trotz des Verbots hierzulande.

Wir sind Teil des Problems

Deutschland ist so lange ein Teil eines Systems, das Spenderinnen ausbeutet, wie die Eizellenspende verboten ist. Zwar wird die künstliche Befruchtung mittels Eizellenspende nicht in Deutschland praktiziert, es passiert aber trotzdem – nur im Ausland.  Das Erlauben der Eizellenspende würde einen gesetzlichen Rahmen schaffen, der Spenderinnen auch schützen kann.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten bei einer Eizellspende?
Obwohl Kinderwunschkliniken im Ausland Schwangerschaften durch eine Eizellenspende versprechen, ist eine hundertprozentige Erfolgschance nicht gegeben. Schließlich sind noch andere Faktoren für eine Schwangerschaft wichtig. So ist die Schleimhaut in der Gebärmutter einer Empfängerin auch mitentscheidend. Diese kann nur zu bestimmten Zeitpunkten überhaupt befruchtete Eizellen aufnehmen. Die Schwangerschaftsrate liegt deswegen bei einer Eizellenspende zwischen 40 und 60 Prozent.
Mehr zum Thema: Zwei Mütter und „Dony“: Wenn eine Eizellenspende zum Kind verhilft

Doch nicht nur die Spenderin sollte unterstützt werden. Auch ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch braucht Hilfe – gerade hinsichtlich der Information. Das aktuelle Verbot der Eizellenspende in Deutschland verhindert genau das. Paare mit einem Kinderwunsch müssen sich in Internetforen oder auf ausländischen Portalen informieren. Neutral ist das natürlich nicht: Extrem hohe Erfolgschancen und das Versprechen einer Schwangerschaft sind auf den Internetseiten von ausländischen Kinderzentren Standard.

Objektive Information muss sichergestellt werden

Offiziell dürfen Frauenärzte ihre Patientinnen in Deutschland zur Eizellenspende nicht beraten. Denn schon die Beihilfe dazu kann strafbar sein. Auch hier schützt das Verbot nicht, sondern behindert. Aufklärung über reelle Chancenaussichten der künstlichen Befruchtung kann so nicht geleistet werden. Ein kinderloses Paar wird in einer Krise alleine gelassen, ohne objektiven Beistand. Dabei gilt ungewollte Kinderlosigkeit in Deutschland als Krankheit.

Wie ist die Eizellenspende in der EU geregelt?
In den meisten Ländern der EU ist die Eizellenspende erlaubt oder zumindest geduldet. Allerdings ist die Anonymität der Spenderinnen unterschiedlich geschützt. In Frankreich und Spanien haben die Kinder kein Recht, die Daten ihrer genetischen Mütter einzufordern. In Österreich ist das hingegen möglich.

Allerdings haben nicht nur Paare mit einem Kinderwunsch das Recht auf Information. Noch schwerer wiegt das Recht – gerade in Deutschland – des Kindes auf Informationen über die genetische Herkunft. Seit 2007 werden Samenspender hierzulande zum Beispiel darüber aufgeklärt, dass ihre leiblichen Kinder Kontakt zu ihnen aufnehmen könnten. 110 Jahre müssen die Daten über die genetische Herkunft in den Praxen sogar gespeichert werden.

Kind, Spenderin und Empfängerin brauchen klare Richtlinien

Wer Kindern von Samenspendern dieses Recht zuspricht, sollte das auch Kindern von Eizellenspenderinnen ermöglichen. Ein klares Gesetz hinsichtlich der Eizellenspende könnte das Recht auf Information für die Kinder verankern.

Klare Richtlinien statt eines blinden Verbotes sind zentral im Umgang mit dem Fortschritt in der Reproduktionsmedizin. Die Eizellenspende als Behandlung war laut aerzteblatt.de für rund 3000 Paare aus Deutschland im vergangenen Jahr Realität. Das Verbot in Deutschland hält ein Paar nicht ab, es lässt sie alleine und zwingt sie dazu, sich auf fragwürdige Bedingungen und Reisekosten einzulassen. Aktuell schützt Deutschland weder Spenderinnen noch Kinder, argumentiert aber damit. Das ist unlogisch und ignoriert die aktuelle Situation.

Die Eizellenspende ist schon längst keine Randerscheinung mehr, sondern Teil unserer Realität. Ein Schutz von Mutter, Spenderin und Kind geht nur mit einer Liberalisierung und einem klaren Gesetz.

Beitragsbild: Pixabay/Daniel Reche

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