“Kaufe nichts und spare 100 Prozent” – Black Friday mal anders

 

“Geiz ist geil”: Nach dem Motto kaufen viele Menschen weltweit am Black Friday Dinge, die sie nicht brauchen. Jedoch findet auch die Gegenbewegung der “Kauf-nix-Tag” immer mehr Anklang. Wie Minimalist*innen und Aktivist*innen dadurch Konsumkritik üben.

Black Friday, der Konsumtag des Jahres: Millionen Menschen sind in diesen Stunden auf Schnäppchensuche. Mittlerweile hat sich jedoch eine Opposition gebildet, der “Kauf-nix-Tag”. Er soll Konsument*innen dazu ermutigen, ihr Kaufverhalten und ihren Lebensstil zu überdenken. Am Samstag nach dem Black Friday wird überhaupt nichts gekauft.

Woher kommt der Black Friday?
Seinen Ursprung hat der Black Friday in den USA. Er liegt traditionell auf dem Freitag nach dem Thanksgiving-Fest, welches immer am vierten Donnerstag im November stattfindet. Der Shopping-Feiertag entwickelte sich dadurch, dass sich viele Arbeitnehmer*innen in den USA freinahmen, um am verlängerten Wochenende die ersten Weihnachtseinkäufe zu machen. 

“Kaufen, kaufen, kaufen – neu, neu, neu – mehr, mehr, mehr”

Wenn man sich den Black Friday in Amerika bildlich vorstellt, denkt man an wilde Menschenmassen, die sich für Zwei-Euro-T-Shirts durch die Targetgänge schubsen. Bei Michael Klumb ist das nicht so. Sein Ansatz lautet: “Kaufe nichts und spare 100 Prozent”. Auf seinem Blog minimalismus-leben.de wirbt er für seinen Lifestyle. Schon vor neun Jahren hat er sich von den meisten materiellen Dingen gelöst. Eines Tages stand er in seiner Wohnung und fühlte sich nicht mehr wohl: “Zu unruhige volle Regale, zu viel Kram, alles Dinge um die ich mich kümmern musste. Die Spirale hat sich immer weiter gedreht. Dann habe ich anfangen, mich von Dingen zu trennen und die positiven Ereignisse nahmen ihren Lauf.”

Der Konsumprotest-Kauf-nix-Tag wurde vom Künstler Ted Dave 1992 eingeführt. Werbeagenturen und die Grüne Partei in den USA nutzten den Tag anschließend, um ihn parallel zum Black Friday laufen zu lassen. In konsumkritischen und umweltbewussten Kreisen hat er sich schon einen Namen gemacht.

“Menschen wollen sich am Black Friday inkludiert fühlen”, sagt Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hartmut Holzmüller von der TU Dortmund. Werbung von Unternehmen vermittele bereits Wochen vor dem Tag, dass man etwas verpasse, wenn man am Black Friday nichts kauft. Die leuchtenden 20, 30, 50 Prozentzahlen würden die Kauflaune stimulieren. Schnell würden Dinge gekauft, die nicht benötigt werden. Holzmüller erklärt, dass es ein menschliches Grundbedürfnis sei, Freude an neuen materiellen Dingen zu empfinden. Der Konsumtag unterstreiche das Kredo “kaufen, kaufen, kaufen – neu, neu, neu – mehr, mehr, mehr” in den Köpfen der Menschen.

Und die Umwelt?

Viele streben nach der kurzfristigen Befriedigung beim Kaufrausch. Die Glückshormone ließen einen ganz schnell die Folgen für unsere Umwelt vergessen, erzählt Nele Ochmann von “Campus for Future” (CFF) in Dortmund. Sie berichtet, dass die “Fashion Industrie zum Beispiel jährlich etwa 43 Millionen Tonnen Chemikalien verbraucht, von denen Teile in Flüsse und Grundwasser gelangen. Ein weiteres Problem sind die Plastikverpackungen, zum Beispiel im Bereich des Onlinehandels.”

Außerdem würden viele Produkte hergestellt, die kürzer halten. “Reparieren und länger nutzen ist besser als wegwerfen und neu kaufen”, teilt das Umweltministerium mit. Mit einem Statement ruft es in sozialen Netzwerken dazu auf, nicht nur das Kaufverhalten am Black Friday zu überdenken.

Recyclen, nicht wegwerfen

Oft ist die Reperatur eines Gerätes zum Beispiel in der Elektronikbranche teurer als die Anschaffung eines neuen. Nele von CFF erzählt, dass “nach einer kurzen Lebenszeit viel Elektroschrott in anderen Ländern landet, wo Menschen dann versuchen, die wertvollen Teile aus den kaputten Geräten zu holen. Dabei werden diverse giftige Stoffe freigesetzt, die eine Gefahr für Mensch und Natur bedeuten.”

Doch: “Es ist keine Notwendigkeit, dass zum Beispiel alle Produkte einen linearen Weg gehen und am Ende der Lebensdauer entsorgt werden. So kann der Lebensweg von Produkten durch hochwertige Qualität verlängert werden, so dass es gerade nicht beim nächsten Black Friday ausgetauscht werden muss”, sagt Professor Rüdiger Hahn, der “Substainability Management” an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf lehrt. Man könne viele Produkte auch so designen, dass sie leichter wieder repariert werden können. Auch eine bessere Recyclingfähigkeit ist denkbar. Umweltschutz und eine Bekämpfung des Klimawandels müssten ernster genommen und damit auch der Black Friday kritisch hinterfragt werden.

Kritik am Kapitalismus – nicht an Personen

Es ist also sinnvoll, Produkte zu hinterfragen und zu überlegen, ob man sie wirklich braucht. Es muss nicht immer der Verzicht sein, aber man sollte ein Bewusstsein für seine Käufe entwickeln. Minimalist Michael macht es zum Beispiel so: “Ich kaufe höchstens ein paar Dinge für Weihnachten, die sowieso auf meinem Zettel standen, und freue mich dann über gesparte 10 bis 20 Euro. Aber nur zu kaufen, um ein Schnäppchen zu machen, oder weil etwas billig ist, ist der falsche Ansatz. Ich halte es in dem Fall so, dass ich mir Gedanken mache, was ich gerne hätte, dann kommt es für zwei Wochen auf eine Liste und dann hinterfrage ich den Wunsch erneut.” Dieser Gedankenprozess schützt nicht nur den Geldbeutel, sondern vor allem die Umwelt.

Wenn ihr wissen wollt, ob sich der “Black Friday” wirklich lohnt, schaut mal in diesem Artikel vorbei. 

Teaser- und Beitragsbild: unsplach.com/LumenSoft Technologies

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