Kommentar zur StuPa-Wahl: Entscheidet mit, was an der Uni passiert!

Als im vergangenen Jahr das Studierendenparlament (StuPa) der TU Dortmund gewählt wurde, machten sich gerade einmal 7,9 Prozent der Studierenden auf dem Weg zur Wahlurne. In den Jahren davor sogar noch weniger. Hochschulpolitik interessiert nicht? Sollte es aber!

Mit ihrer StuPa-Wahl im Jahr 1966 ist die Uni Köln in die Geschichte eingegangen. Ganze 62 Prozent der Studierenden gaben in diesem Jahr ihre Stimme ab – so viele wie nie wieder in Köln oder an einer der anderen Universitäten in NRW. Der Grund war banal: Ein neuer VW-Käfer wurde unter allen Wählern verlost. Heute, über 50 Jahre später, scheinen viele Studenten vergessen zu haben, dass sie immer noch jedes Jahr profitieren, wenn sie an der StuPa-Wahl teilnehmen. Auch wenn es kein Auto zu gewinnen gibt.

Nur 7,9 Prozent der Studierenden wählten im vergangenen Jahr an der TU Dortmund. Und das, obwohl das Studierendenparlament die Semesterbeiträge von allen Studierenden verwaltet für das kommende Semester 299,22 Euro pro Person, davon sind 216,22 Euro der Studierendenschaftsbeitrag. Rechnet man die Beiträge der rund 35 000 Studierenden zusammen, sind das insgesamt rund 7,5 Millionen Euro. Das ist fast so hoch wie die Wirtschaftsleistung von Gelsenkirchen im Jahr 2016. Der größte Teil geht an das Semesterticket und ist damit unantastbar. Dazu zahlt jeder Student pro Semester kleinere Beträge zum Beispiel an die Fachschaften, für die Theater-Flat oder den Hochschulsport.

Der Rest aber geht an die Studierendenschaft selbst – und zwar an das StuPa. Das kann darüber frei verfügen. Und zwar unabhängig davon, ob die Studierenden mit der Arbeit der Vertreter einverstanden sind oder nicht. Besseres WLAN auf dem Campus, mehr Sitz- und Lernmöglichkeiten im Grünen oder ein neuer AStA-Shop mit Bio-Lebensmitteln? Wer mitentscheiden will, was mit dem Geld passiert, muss seine Stimme abgeben.

Das StuPa ist unser erster Absprechpartner

Und die Mitglieder verwalten nicht nur ein großes Budget und damit den Haushalt von AStA, AGs und Referaten, sie tragen auch sonst eine große Verantwortung: Sie bilden das höchste Gremium der Studierendenschaft und wählen und kontrollieren den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Dieser vertritt die Studierenden nach innen und außen und führt die Beschlüsse des StuPa aus. Nur wissen viele gar nicht, was im Studierendenparlament entschieden wird. Denn wenn ich mich mal wieder über die lange Schlange am Wasserspender ärgere, denke ich eben nicht direkt an das StuPa. Dabei sollte es als Vertreter der Studierendenschaft eigentlich mein erster Ansprechpartner sein.

Es geht also ganz schön viel Geld und Verantwortung an das StuPa – aber es gibt nur ein kleiner Teil an Studierenden, der sich dafür interessiert. Wie kann das sein? Ja, Dortmund ist eine Pendleruni. Viele Studierende sind nur selten auf dem Campus und wenn, dann nur um schnell ein Seminar zu besuchen oder eine Klausur zu schreiben. Und ja, es ist Klausurphase und kurz vor der vorlesungsfreien Zeit gibt es immer viel zu tun. Aber es dauert nicht lange, ein Kreuzchen zu setzen. Faulheit kann kein Grund sein, nicht zur Wahl zu gehen.

Das größere Problem: Viele wollen gar nicht an der Hochschulpolitik teilhaben. Das Studium wird als Fortsetzung von der Schule verstanden. Sechs Semester für den Bachelor, vier Semester für den Master, dann schnell in den ersten Job. Probleme oder Missstände werden leichter akzeptiert, wenn das Ende der Studienzeit eh abzusehen ist. Mitbestimmen? Wozu. Dabei ist die Teilnahme an der Wahl die einfachste Möglichkeit, die Uni nach den eigenen Vorstellungen mitzugestalten. Und das sollten wir ausnutzen. Denn wer sich nicht an der Uni-Demokratie beteiligt, ruht sich darauf aus, dass es andere schon für einen regeln – und das geht im späteren Leben ja auch nicht.

Schlecht informiert

Aber auch das StuPa trägt eine Mitschuld an der niedrigen Wahlbeteiligung. Denn dass so wenige Studierende über die Aufgaben und die Arbeit des StuPa Bescheid wissen, ist auch das Ergebnis mangelnder Transparenz. Es reicht nicht, nur in der Woche vor der Wahl ein paar Plakate aufzuhängen oder Flyer auszulegen. Wer das Studiwiki des AStA aufrufen möchte, eigentlich eine Webseite mit Informationen rund um die Hochschulpolitik, erhält nur eine Fehlermeldung: „Das Studi-Wiki ist leider geschlossen. Grund dafür sind einerseits technische Maßnahmen aber leider auch fehlendes Interesse und mangelnde Mithilfe der Community bei der Aktualisierung der Seiteninhalte.“

Eine Wahlzeitung gibt es zwar, die liegt aber nur im Büro des AStA aus. Viele wissen deswegen nicht mal, dass die Wahl überhaupt stattfindet – oder wo überhaupt das Büro des AStA ist. Was in den einzelnen Sitzungen des StuPa passiert, kann man auf der Internetseite zwar in Internetprotokollen abrufen, die sind aber nicht sehr leserfreundlich gestaltet. Das StuPa sollte das gesamte Jahr über präsenter sein und seine Politik transparenter machen. Zum Beispiel mit einem Mail-Newsletter mit den aktuellen Themen oder einer monatlichen Frage-Stunde. Denn dann fangen auch mehr Studierende an, sich nicht nur zu beschweren, sondern selbst aktiv zu werden – zum Beispiel bei der StuPa-Wahl.

Beitragsbild: Jürgen Huhn/TU  Dortmund

Mehr von Lena Feuser

„Anti-Abschiebe-Industrie“ wird Unwort des Jahres 2018

Aus mehr als 500 Vorschlägen hat eine Jury das "Unwort des Jahres...
Mehr...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.