Duell am Donnerstag: Die Frauenquote – sinnvoll oder unnötig?

Frauen sind in der Wirtschaft noch immer unterrepräsentiert. Seit Januar 2016 verpflichtet ein Gesetz börsennotierte Unternehmen deshalb, 30 Prozent der neu zu besetzenden Posten im Aufsichtsrat an Frauen zu vergeben. Weitere 3500 Firmen müssen sich eigene Frauenquoten setzen. Manchen geht das zu weit – und anderen nicht weit genug. Im Duell am Donnerstag diskutieren Leonie Freynhofer und Jana-Sophie Brüntjen. Die Frauenquote: Sinnvoll oder unnötig?

Jede Firma müsste eine Frauenquote haben,
findet Leonie Freynhofer.

Wenn junge Frauen heute sagen, sie brauchen keine Frauenquote und eigentlich auch keine Karriere, dann klingt das ungefähr so, als hätte ein DDR-Bürger gesagt: Was brauche ich eine Reisefreiheit, ich mache ohnehin am liebsten Ferien an der Ostsee.

Die Frauenquote gilt in Deutschland längst nicht für alle Unternehmen. Wir bräuchten sie aber in allen:  Sie würde endlich zu Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen führen, die zurzeit in den Chefetagen nicht zu finden ist. Es stellt sich die ganz simple Frage, warum große Unternehmen sich davor zieren Frauen ganz nach oben auf den Chefsessel zu setzen – in diesem Fall wäre es dann der Chefinnensessel. In fast allen Bereichen im Leben werden Frauen dem Mann gleichgestellt. Warum dann nicht auch in der Arbeitswelt?

Diskriminierung der Frau

Mit einer Quote könnte man diese Diskriminierung aus der Welt schaffen. Viele Frauen wollen vielleicht auch gar nicht in die Chefetage, denn neben dem Beruf ist ihnen noch ein anderer Punkt im Leben wichtig: die Familie und Kinder. Diese beiden Komponenten zu verbinden ist oft schwer. Und genau das ist ebenfalls erniedrigend für Frauen. Das Betriebsklima wird durch mehr Frauen in Führungspositionen verbessert, denn gemischte Teams an der Spitze eines Unternehmens können effizienter und kreativer arbeiten. Zu viel Homogenität ist langweilig und begrenzt den Horizont. Frauen gehen oft anders an Probleme heran und betrachten diese aus einem anderen Blickwinkel. Nur Männer sind schlecht, nur Frauen sind schlecht – aber gemischt würde es einfach besser laufen. Denn Frauen sind üblicherweise ähnlich gut ausgebildet wie ihre männlichen Kollegen.

Druck durch Politik

Die ehemalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) setzt sich schon lange für Frauen in der Arbeitswelt ein, ob Lohngleichheit oder Frauenquote. Doch viele andere Politiker scheinen die Augen zu verschließen vor dem Problem, das in deutschen Unternehmen herrscht. Ohne verbindlichen und einheitlichen Druck bewegt sich nichts. Viele Firmen haben sich selbst verpflichtet, Frauen zu fördern. Dennoch hat sich in den vergangenen zehn Jahren der Frauenanteil in Führungspositionen kaum verbessert. Seit jedoch das Gesetz vor anderthalb Jahren in Kraft getreten ist, zeigt sich sich eine deutliche Steigerung des Frauenanteils. In Unternehmen, die unter die feste Quote von 30 Prozent fallen, ist der Anteil von 25 auf 27,3 Prozent gestiegen. In den Unternehmen, die nicht unter die feste Quote fallen, gab es einen Anstieg von 19,5 auf 21,2 Prozent.

Eigentlich ist es fast schon ein bisschen traurig, dass wir eine Frauenquote in Deutschland brauchen, da die Chancengleichheit im Beruf eigentlich selbstverständlich sein sollte. Trotz alledem muss endlich eine Frauenquote in allen deutschen Unternehmen her. Sie wird künftig den Weg für benachteiligte Frauen ebnen, die genauso qualifiziert sind wie Männer.

Die Frauenquote ist nicht gerecht,
findet Jana-Sophie Brüntjen.

Es ist wichtig, Frauen zu fördern und zu unterstützen. Die Frauenquote ist dafür nicht der richtige Weg. Denn sie bekämpft nur das Symptom des Problems und nicht den Ursprung. Dieser liegt darin, dass  Frauen weniger zugetraut wird. Dass Männer glauben, Frauen könnten nicht dasselbe leisten wie sie. Dass sie für bestimmte Aufgaben zu weich oder schwach wären.

Befürworter der Frauenquote erkennen das Problem und versuchen es durch willkürlich gesetzte Richtwerte zu vertuschen. Für Sexisten ist das eine Bestätigung. Wenn Frauen doch die gleiche Arbeit erledigen können wie Männer, warum brauchen sie dann eine vorgeschriebene Quote? „Die hat den Job nur bekommen, weil der Chef die Quote erfüllen wollte“, heißt es dann.

Qualifikation über Geschlecht

Natürlich möchte ich als Frau nicht, dass meine Bewerbung aufgrund meines Geschlechts abgelehnt wird. Ich möchte aber auch nicht eingestellt werden, weil ich eine Frau bin. Meine Qualifikationen müssen entscheidend sein. In einer modernen Gesellschaft im 21. Jahrhundert sollte es keine Rolle spielen, ob jemand männlich, weiblich oder etwas dazwischen ist. Alle sollten gerecht behandelt werden.

Gerechtigkeit – einer der Gründe, den Unterstützer der Frauenquoten immer wieder nennen. Ist es aber gerecht, wenn bei Daimler 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden, obwohl nur 15,2 Prozent der Belegschaft weiblich sind? Ist es gerecht, dass mindestens 50 Prozent der Amtsträger der Grünen Frauen sein müssen, aber der Anteil der weiblichen Parteimitglieder nur bei 32,7 Prozent liegt? Müssen Männer diskriminiert werden, um Frauen nicht zu benachteiligen? Eindeutig nein.

Potential von Frauen wird nicht voll genutzt

Wer zudem Frauenquoten fordert, sollte sie für alle Bereiche der Arbeitswelt wollen. Also nicht nur für Spitzenpositionen, sondern auch für weniger prestigeträchtige Jobs wie Gärtner oder Fleischer. Natürlich wird niemand jemals eine Frauenquote für Fleischer verlangen. Weil man die natürliche Geschlechterverteilung nicht auf jeden Beruf übertragen muss. Manchmal ist eine Frau besser für eine Stelle geeignet – und manchmal eben doch ein Mann.

Die Fähigkeiten von Frauen wurden bislang auf dem Arbeitsmarkt noch nicht ausgeschöpft. Gerechtigkeit lässt sich nicht durch Quoten erreichen, sondern durch langfristige und nachhaltige Maßnahmen. Bewerbungen sollten anonym verfasst werden. Es muss mehr Kitaplätze geben, um Frauen den Wiedereinstieg in ihren Beruf zu erleichtern. Aber am wichtigsten ist es, der nachfolgenden Generation beizubringen, dass Frauen genauso stark sind wie Männer. Vielleicht hilft es schon, wenn nicht in jeder Geschichte die Frau die hilflose Prinzessin ist – sondern auch mal der Ritter, der den Drachen besiegt.

Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann.

Teaserfoto: pixabay.com/geralt, lizenziert nach CC

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