Weltaffentag 2017: „Wir sind auch Affen.“

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – die Emojis mit den kleinen Äffchen sind längst Kult. Der alljährliche Weltaffentag soll unsere Artverwandten ehren, aber auch auf die Belange und Rechte der Primaten aufmerksam machen. Da Gattungen wie der Orang-Utan zunehmend gefährdet sind, beispielsweise durch die Abholzung der Regenwälder oder den Anbau von Palmöl, ist es wichtig, sie zu schützen.

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Das findet auch Dr. Stefanie Heiduck vom Deutschen Primatenzentrum (Leibniz-Institut für Primatenforschung) in Göttingen. Frau Heiduck, es heißt ja, dass wir Menschen von den Affen abstammen. In welchen Punkten ähneln wir den Primaten denn?

Zunächst einmal muss man klarstellen: Wir Menschen sind auch Affen. Wir gehören biologisch gesehen zu den Primaten. Von daher haben wir auch die gleichen Vorfahren. Wir haben also nichts von den Affen übernommen. Wir haben uns gemeinsam entwickelt.

Und in welchen Punkten unterscheiden wir uns von den Primaten? Also inwiefern sind wir Menschen anders als Affen?

Es ist einfach so, dass sich vor allem die kognitiven Fähigkeiten bei uns Menschen stärker entwickelt haben. Wir können zum Beispiel reflektieren und über uns und unser Dasein nachdenken. Das tun andere Primaten nicht. Was wir dadurch entwickelt haben, ist auch eine Form von Kultur. Die gibt es zwar auch bei Menschenaffen, wie beispielsweise, dass sie die Herstellung und Nutzung von Werkzeugen an die nächste Generation weitergeben, aber das ist nur eine Vorstufe zu unserer Kultur mit der Schriftsprache.

Wie hoch ist denn die Intelligenz der Affen, etwa in Bezug auf Sprache und Kreativität? Und im Vergleich zu anderen Tieren?

Was Fähigkeiten wie Kreativität sind, zum Beispiel, dass Affen Bilder malen können, ist immer aus unserer menschlichen Sicht gesehen. Also was aus unserer Sicht wichtig ist. Es gibt auch andere intelligente Tierarten, wie zum Beispiel Delfine. Die können anatomisch gesehen nicht malen, da sie im Gegensatz zu den Primaten ja keine Hände haben, aber sie sind trotzdem sehr schlau. Wir können uns leider nicht so mit ihnen verständigen wie mit Affen. Deswegen wissen wir vieles gar nicht. Auch Rabenvögel haben eine hohe Intelligenz, denn sie können Probleme lösen und Werkzeuge nutzen.

Dr. Stefanie Heiduck, Mitarbeiterin in der Kommunikation am Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Foto: DPZ

Können wir auch noch etwas als Menschen von den Affen lernen?

Wir können ganz viel von ihnen lernen, auch von nicht-menschlichen Affen. In den 50er Jahren war es zum Beispiel bei den Menschen so, dass vor allem in den westlichen Industrieländern propagiert wurde, Babies und Kinder nur selten in den Arm zu nehmen, da sie das verhätscheln würde.  Aufgrund einer Untersuchung an Affenfamilien mit Müttern und Babies konnte man jedoch feststellen, dass es den Babies alleine sehr schlecht geht. Der Mensch hat durch die Affen gelernt, dass Babies und Kinder Körperkontakt und persönliche Nähe brauchen. Gerade im Umgang mit Kindern kann man sich bei ihnen also etwas abgucken.

Haben Affen ein bestimmtes Sozialverhalten, das unserem vielleicht sogar ähnelt?

Bei den Primaten gibt es ganz viele unterschiedliche soziale Systeme. Es gibt beispielsweise Affen, die wie wir Menschen in Monogamie leben, also nur einen Partner haben. Dort leben sie dann wie eine kleine Familie mit Vater, Mutter und Kindern. Es gibt aber auch Systeme, wo ein Männchen mit mehreren Frauen zusammenlebt. Und bei den Orang-Utans leben Männchen und Weibchen getrennt voneinander, da sie überwiegend auf Bäumen leben und es ansonsten nicht genug Platz und Futter für große Gruppen gäbe. Es hat also auch etwas mit dem Lebensraum zu tun. Der Mensch hat sich zu einem sozialen Gruppentier entwickelt. Das gibt es auch bei manchen Primaten.

In Science-Fiction-Filmen wie „Planet der Affen“ haben Affen uns Menschen von der Intelligenz her eingeholt oder sind uns sogar überlegen. Könnte das tatsächlich einmal passieren?

In 100 Jahren wird es sicherlich noch nicht möglich sein, dass die Affen die Menschen von den kognitiven Fähigkeiten oder der Intelligenz her  übertreffen. Evolution funktioniert nämlich viel langsamer. Bei „Planet der Affen“ geht es ja auch vor allem darum, dass die Affen es geschafft haben, eine menschliche Sprache zu entwickeln. Tiere kommunizieren zwar auch untereinander, aber auf eine andere Art und Weise. Sprache war in der Evolution ja mehr ein Zufall bei uns Menschen, und dass so etwas noch einmal zufällig passiert, ist eher unwahrscheinlich. Wobei man auch bei Zufällen nie weiß, wann sie eintreffen und wie sich das entwickelt.

Die Affen sind uns jedoch in anderen Bereichen weit voraus, zum Beispiel bei der Muskelkraft. Eins ist jedoch sicher: Durch Lebensraumzerstörung und Jagd reduziert der Mensch die Anzahl der Tiere immer weiter. Wenn es so weitergeht, wird es in 100 Jahren nicht mehr viele nicht-menschliche Primaten geben. Bereits heute stehen mehr als die Hälfte aller Primaten auf der Liste der bedrohten Arten.

Teaser-/Beitragsbild und Bildergalerie: Malin Annika Miechowski

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