Das Duell: Impfpflicht – soziale Verantwortung oder Ausgrenzung?

Jens Spahn legt einen Gesetzesvorschlag zur Impfpflicht für Kindergarten- und Schulkinder vor und plötzlich scheint sich ganz Deutschland in zwei Lager zu teilen. Impfpflicht ja oder nein, das ist hier die Frage.

Wer sein Kind nicht impft, begeht Körperverletzung. Daher brauchen wir die Impfpflicht, denkt Juliane Hermes. Ob ich mein Kind gegen Masern impfen lasse oder nicht, entscheidet nicht nur über die Gesundheit meines Kindes, sondern auch über die Gesundheit einer ganzen Gesellschaft. Masern gehören zu den ansteckendsten Viren und lösen nicht selten tödliche Krankheiten aus. Deshalb sollte die Impfung nicht abhängig von der Einstellung Einzelner sein. Das Leben von Kindern mit Impfgegner-Eltern ist genauso viel wert wie das Leben von Kindern, deren Eltern sie regelmäßig impfen lassen. Der einzige Weg, um diese Kinder zu schützen, ist eine Impfpflicht. Die Wirkstoffe sind getestet und sicher Gerade der Wirkstoff der Masernimpfung ist schon lange auf dem Markt und wurde vielfach getestet. Ernsthafte Nebenwirkungen der Impfung treten nur sehr selten auf. Durch falsche Informationen im Internet lassen sich jedoch sehr viele Menschen vom Gegenteil überzeugen. Wenn sich diese Menschen allerdings auch durch wissenschaftliche Beweise nicht von der Wichtigkeit einer Masernimpfung überzeugen lassen, dann hilft meiner Meinung nach nur noch die Impfpflicht – zum Schutze aller. Natürlich sollten Menschen, die nachweislich eine Impfung nicht vertragen, sei es auf Grund einer Vorerkrankung, des Alters oder einer Allergie, von dieser Impflpflicht ausgenommen sein – das ist selbstverständlich. Damit aber gerade auch diese Leute geschützt werden, ist die sogenannte „Herdenimmunität“ umso wichtiger. Wir brauchen die Herdenimmunität Die „Herdenimmunität“ besteht, wenn 95% einer Gesellschaft geimpft sind. Durch die hohe Impfquote sind dann auch ungeimpfte Menschen vor Krankheiten geschützt. Die Quote für die Masernimpfung liegt in Deutschland momentan allerdings nur bei 92,6%. Eine Impfpflicht würde diese Quote zwangsläufig steigen lassen. Impfgegner eine Gefahr für alle… Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Impfgegner zur globalen Bedrohung erklärt. Für mich ist das absolut ein Grund dafür, harte Maßnahmen zu ergreifen. Wenn ich mir vorstellen müsste, dass mein Kind eine andere Person, die sich wohlmöglich nicht impfen lassen kann, ansteckt, weil ich die Impfung versäumt habe, könnte ich nie wieder ein Auge zu machen. Ich finde, wenn es um die Prävention von Krankheiten geht, muss an das Gemeinwohl gedacht werden. …und egoistisch und asozial Anscheinend schaffen es die Deutschen nicht, ohne eine Impfpflicht den Schutz vor Krankheiten aufrecht zu erhalten. Immer wieder hört man von neuen Masernausbrüchen, und das in einem so gut entwickelten Land wie Deutschland. Dabei denke ich gar nicht mal, dass so viele Menschen etwas gegen Impfungen per se haben. Viele vergessen es sicherlich auch nur, oder es ist ihnen zu lästig, regelmäßig zum Arzt zu gehen. Eine Impfpflicht für Kinder würde dieses fahrlässige Verhalten bestrafen und dadurch hoffentlich die Motivation wecken, seine Kinder und sich selbst impfen zu lassen. Wenn es nach mir geht, dürfte es gerne eine allgemeine Impfpflicht geben, die auch für Erwachsene gilt.  Wer sich oder seine Kinder ohne triftige Gründe nicht impfen lässt, riskiert andere zu gefährden und verhält sich egoistisch und asozial gegenüber der Gesellschaft.
Eine Impfpflicht ist nicht die Lösung des Problems, denkt Anna Quasdorf. Sie selbst ist gegen Impfungen allergisch. Impfungen sind wichtig, ja. Es gibt aber auch Impfungen, deren Risiko mir einfach zu hoch ist. An einer Windpockenerkrankung stirbt in der Regel niemand, außer man hat eine Vorerkrankung. Dann kann man aber auch bereits an einer einfachen Erkältung sterben. Eine Tetanusimpfung empfinde ich dagegen tatsächlich als wichtig. Ich bin der Meinung, dass Eltern selber entscheiden sollten, gegen welche Krankheiten sie ihr Kind schützen wollen und gegen welche nicht. Manche können einfach nicht geimpft werden Als Allergikerin gegen Impfstoffe stellt für mich eine Impfung eine Gefahr dar. Wenn ich geimpft werde, besteht die Möglichkeit, dass ich im schlimmsten Fall sterben könnte. In meiner Kindheit gab es oft Krankheiten, die ich durch die Impfung bekommen habe. Ernst genommen wurde ich nie. „Das kann nicht durch eine Impfung kommen, Impfungen sind doch super“, waren die Aussagen der meisten Ärzte. Nach einem Unfall vor einigen Jahren bekam ich ungefragt von den Ärzten eine Tetanusimpfung. An sich eine reine Vorsichtsmaßnahme, die auch nachvollziehbar ist. Allerdings ohne mich vorher zu fragen. Natürlich kam es daraufhin zu Komplikationen, die man hätte vermeiden können. Da ich in keinem Risikoberuf arbeite, wäre ich von der Impfpflicht ausgeschlossen. Zumindest vorerst. Aber wer sagt denn, dass die Impfpflicht nicht für alle eingeführt wird? Ich werde nicht mein Leben durch eine Impfung riskieren, wenn es die eigentliche Krankheit nicht tun würde. Neigungen zu Allergien sind vererbbar. Ich werde nicht auch das Leben meines Kindes riskieren, nur damit es keine Masern oder Windpocken bekommt. Egoistisch? Vielleicht. Aber es geht hier um das Leben meines Kindes. Die meisten Eltern lassen ihre Kinder ja impfen. Ich habe dann keine andere Wahl, als mich im Zweifelsfall auf die „Herdenimmunität“ zu verlassen. Die Ursache bekämpfen, nicht das Symptom  Die meisten Kinder sind heutztage gegen Masern geimpft. Das Problem sind vielmehr junge Erwachsene, die ihre Impfung schlichtweg vergessen haben. Von einer Impfpflicht wären sie aber nicht betroffen. Besser wäre es, wenn Kinderärzte die Eltern ausreichender über das Risiko der Krankheit und auch Risiko der Impfung informieren würden. Die meisten Eltern würden sich für das Impfen entscheiden und das ist auch vollkommen okay, solange sie das aus freien Stücken tun und dann nicht aus einer Trotzreaktion heraus das Kind nicht impfen lassen. Das konnte man in anderen Ländern mit Impfpflicht bereits beobachten. Ausgrenzung in der Gesellschaft Knapp 93% der Kinder sind gegen die Masern geimpft. Jens Spahn möchte durch seinen Gesetzesentwurf bewirken, dass 95% der Kinder geimpft sind. Für zwei kleine Prozentpunkte soll ein Aufwand betrieben werden, der für mich absolut nicht nachvollziehbar ist. Die Kosten dafür wären so hoch, diese Summen sollten besser in Aufklärungsarbeit gesteckt werden. Broschüren per Post oder Informationsveranstaltungen für Eltern könnte ich mir gut vorstellen. Ich denke, dass Deutschland sich bei diesem Thema in zwei Lager aufteilt. Wo die Ungeimpften bewusst ausgegrenzt werden. Fälle gibt es dazu jetzt schon.  Eine Impfpflicht würde das noch weiter provozieren.
 

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