Internet-Memes verbreiten: Ein verbotener Spaß?

Internet-Nutzer kommen nicht um sie herum: Memes. Die lustigen Bilder und Videos werden auf Facebook, Twitter und Co. millionenfach geliked, geteilt und gepostet. Dabei sind Internet-Trends wie „Grumpy Cat“ rechtlich geschützt, wodurch man bei der Verbreitung rechtliche Probleme bekommen könnte.

Der Fall „Grumpy Cat“ zeigt, dass Memes nicht nur irgendwelche Bilder oder Videos aus dem Internet sind, die jeder benutzen kann. In den USA hat die weltberühmte, schlecht gelaunte Katze bei einem Gerichtsprozess fast 600 000 Euro verdient. Eine Kaffeefirma hatte unter anderem T-Shirts mit dem Gesicht des mürrisch blickenden Tiers verkauft.

Cool, könnte man sich bei dieser Rechtslage in den USA denken: Dann poste ich einfach ein virales Foto oder Video und werde reich, weil andere meine Rechte verletzen. So leicht wie in den USA ist es in Deutschland zwar nicht, aber auch hier spielen Urheber-, Bild- und Markenrechte natürlich eine große Rolle. „Wenn ich das Coca-Cola Logo auf einen Softdrink klebe, damit es andere Menschen als vermeintlich echtes Cola-Produkt kaufen, dann ist klar, wo der Schaden liegt“, erklärt Dr. Tobias Gostomzyk, Professor für Medienrecht an der TU Dortmund.

Was sind Memes?

Memes sind Fotos, Zeichnungen oder Videos, die oft mit einem Text kombiniert werden und dadurch unterschiedliche Bedeutungen bekommen. Manche Memes verbreiten sich rasend schnell und werden zum Internet-Phänomen. Sie sind oft lustig gemeint, gesellschaftskritisch oder beziehen sich auf aktuelle Diskussionen. Manche spiegeln auch einfach nur wider, wie es sich anfühlt, wenn man unbedingt die nächste Folge der Serie gucken möchte, aber eigentlich schlafen gehen muss oder man den Valentinstag mal wieder alleine verbringen muss. Es gibt die verschiedensten Arten von Memes:

Grundsätzlich ist bei Memes zwischen Urheber- und Bildrechten, gelegentlich auch Markenrechten, zu unterscheiden. Die Urheberrechte hat immer die Person, die das Werk im Grunde „erschaffen“, also fotografiert, gefilmt oder gezeichnet hat. Das Recht am Bild dagegen gehört der Person, die auf dem Foto oder Video zu sehen ist. Um ein Werk verbreiten zu können, braucht man sowohl die Einwilligung des Urhebers, als auch des Bildmotivs.

Die Verbreitung von Memes verstößt meist mindestens gegen Urheberrechte. Bisher passiert bei diesen Rechts-Verletzungen in der Regel nicht viel, jetzt will die EU im Internet aber aufräumen – beziehungsweise aufräumen lassen. Am 20. Juni entscheidet das Parlament über eine Reform des Urheberrechts.  Das soll Online-Plattformen dazu bringen, in Zukunft alle Posts zu filtern und diejenigen rauszuschmeißen, die Urheberrechte verletzen könnten. Das könnte vor allem die Meme-Kultur treffen. Eine Urheberrechts-Reform ist vielleicht fällig (das letzte Update ist 17 Jahre her), für den aktuellen Vorschlag gibt es allerdings von vielen Seiten Kritik – auch von Abgeordneten des EU-Parlaments.

Sollte das EU-Parlament für die Reform stimmen, ändert sich in der nächsten Zeit erstmal nichts. Bis die neuen Regeln gelten, würde es noch etwas dauern. Deswegen erklären wir euch:

Wie die Regeln bisher sind

 

Nein, in den meisten Fällen nicht. Grundsätzlich muss man sich immer fragen: 1. Habe ich die Erlaubnis des Urhebers, das Bild zu verwenden? 2. Verletzt das Motiv die Rechte von niemandem? Beides muss zutreffen, damit das Bild – rechtlich gesehen – sorgenfrei verbreitet werden kann. Dabei hakt es aber oftmals, wie Tobias Gostomzyk erklärt:

Auch beim Teilen in sozialen Netzwerken wird eine Kopie erstellt. Dafür liegt in den meisten Fällen keine Zustimmung der Rechteinhaber vor, die regelmäßig erforderlich sein dürfte.

Genauso wie Bilder und Videos können auch Zeichnungen wie das bekannte „Forever Alone“- Meme geschützt sein, weil dahinter ein kreativer Prozess steckt. Dabei geht es nicht darum, ob das Meme lustig oder schön ist, es kommt auf den kreativen Gestaltungs-Prozess an.

Trotz der strengen Regeln greifen sowohl beim Recht am eigenen Bild-, als auch beim Urheberrecht manchmal Ausnahmen, durch die die Verbreitung erlaubt ist. Beim Bildrecht ist das unter anderem das besondere Interesse der Öffentlichkeit. „Wenn zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Spaziergang mit Journalisten im Westfalenpark nebenbei verkünden würde, dass Deutschland aus dem Klimaabkommen austritt, dann dürfte ich das Foto, das ich von ihr geschossen habe, veröffentlichen, ohne sie vorher um Erlaubnis fragen zu müssen“, beschreibt Gostomzyk. In dieser Situation steht das besondere Interesse der Öffentlichkeit im Vordergrund.

Bei Memes funktioniert zumindest diese Ausnahmeregelung nicht. In der Regel werden die Fotos und Videos durch Beschriftungen in andere Kontexte gesetzt, die lustig sein oder sich manchmal auch kritisch mit einem Thema auseinander setzen sollen. „Öffentliches Interesse ist allerdings etwas anderes, als privat in einem Meme seine Kritik zu äußern.“

Beim Urheberrecht gibt es die Ausnahmeregelung des Zitatrechts. Wenn man den rechtmäßigen Urheber des Werkes angibt und sich damit inhaltlich auseinandersetzt, darf man es unter Umständen verbreiten. Diese Regel trifft beim Posten und Teilen von Memes allerdings wiederum meistens nicht zu, da niemand den Urheber des Werkes angibt und das Meme einfach nur teilt ohne sich stärker damit auseinanderzusetzen.

Die Regeln sind streng und wenn man sich daran hält, darf man wirklich nur Fotos und Videos veröffentlichen, für die man von allen Seiten eine Einverständniserklärung hat. Man darf dementsprechend ohne Probleme Leute auf einer anderen Webseite verlinken, vorausgesetzt das Bild erscheint nirgendwo als Vorschau. „Da bei der Verlinkung das Bild prinzipiell nicht vervielfältigt wird, ist das regelmäßig kein Problem“, erklärt der Medienrechtsexperte Tobias Gostomzyk. Allerdings gibt es auch hier wieder die Ausnahme: Das Motiv darf rechtlich nicht bedenklich sein. Aber seien wir bei dieser Verlinkungs-Regel ehrlich: Ein Trost ist das für Meme-Liebhaber nicht.

Es gibt noch eine interessante Ausnahme: Von einem süßen oder witzigen Tier darf man ein Bild oder Video posten, ohne es vorher um Erlaubnis fragen zu müssen (Das wäre natürlich auch schwierig…). Der Grund: „Tiere haben kein Persönlichkeitsrecht. Rein rechtlich gesehen sind sie Sachen, auch wenn sie uns Menschen oftmals mehr bedeuten“, weiß Tobias Gostomzyk. Eine Einschränkung gibt es dabei aber natürlich trotzdem wieder: Das Foto muss man selbst geschossen haben und das Tier darf nicht als Marke geschützt sein wie zum Beispiel „Grumpy Cat“.

Insbesondere Privatpersonen werden schnell ungewollt zur Internet-Sensation. Oft sind die Memes eher unvorteilhaft für die Protagonisten und werden aus ihrem Kontext gerissen. Das Meme Scumbag Steve steht symbolisch für einen Idioten und Good Guy Greg ist zwar ein netter Kerl, raucht aber einen Joint. Es gibt Meme-Protagonisten, die ihre ungewollte Berühmtheit ärgert oder traurig macht. Manche Memes fallen leider sogar unter die Kategorie des Internet-Mobbings. In der Realität ist die Verbreitung im Internet kaum aufzuhalten oder zu kontrollieren.

Auch wenn rechtliche Schritte eingeleitet werden, ist es nahezu unmöglich, für immer aus dem Netz zu verschwinden. Meme-Protagonisten können zwar vor Gericht gehen, die Klagen müssen sich aber gegen Einzelpersonen richten. Schwierig, wenn eine Million Menschen das Meme veröffentlicht oder geteilt haben.

Soziale Medien müssen sich aber auch an Regeln halten. „Wenn rechtswidrige Inhalte gemeldet werden, müssen soziale Netzwerke diese grundsätzlich löschen“, erklärt Gostomzyk. Durch die geplante Urheberrechts-Reform sollen sich diese Regeln nochmal verschärfen und die rechtswidrige Verbreitung einschränken, ohne dass jemand die Rechtsverletzung zuerst melden muss.

Viele Meme-Protagonisten freuen sich dagegen auch über den Hype um ihre Person und nutzen ihn, um Geld zu verdienen, die Karriere anzukurbeln oder für wohltätige Zwecke.

Wie Youtuberin Laina ihr Internet-Meme nutzt
Youtuberin Laina ist als das Overly Attached Girlfriend-Meme im Internet berühmt geworden. Mittlerweile hat sie auf ihrem Youtube-Kanal über eine Million Abonnenten. Viele ihrer Videos, mit denen sie Geld verdient, beziehen sich auf den Charakter der besessenen Freundin, durch den sie vor fünf Jahren zur Internet-Sensation geworden ist. Laina nutzt ihre Bekanntheit auch für gute Zwecke: Sie hat rund 22 000 Dollar für ein Surf Camp für Kindern mit Autismus gesammelt.

Wenn man ein Meme postet, aber nicht gemeldet wird, passiert oft nichts. „Barack Obama wird vermutlich nicht wegen eines Memes über sich im Internet aufräumen und die Posts löschen lassen. Zumindest ist mir das nicht bekannt“, sagt Tobias Gostomzyk. Bei einer Strafverfolgung wegen der Verletzung von Urheberrechten könnte man laut dem Medienrechtsexperten mehrere hundert Euro zahlen müssen. Wenn man durch die Veröffentlichung oder Verbreitung eines Memes dagegen Bildrechte verletzt, fallen die Geldsummen in der Regel milder aus. Allerdings hängen die rechtlichen Folgen davon ab, was man auf dem Bild oder Video sieht. Auch die sozialen Medien wie Facebook können Konsequenzen ziehen: Das gepostete Foto oder sogar der ganze Account könnte gelöscht werden.

Für Meme-Liebhaber sind diese Erkenntnisse wahrscheinlich etwas deprimierend – besonders im Hinblick auf die geplante Reform in der EU. Weil wir unsere Leser natürlich nicht am Boden zerstört zurücklassen wollen, haben wir uns etwas überlegt: Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr die Memes in diesem Beitrag teilen und posten, ohne auf die normalen Regeln achten zu müssen. 🙂

Beitrags- und Teaserbilder: Sebastian Hahn/Josefine Upel

 

 

 

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