Kommentar: Die Maskenpflicht – Ein gefährlicher Weg!

Seit Montag gilt in NRW die Maskenpflicht. In Bussen, Bahnen und beim Einkaufen darf man sich jetzt nur noch mit Schutzmasken zeigen. Wer dennoch auf diesen Schutz verzichtet, muss mit einem Bußgeld rechnen. Eine Maskenpflicht ist nicht sinnvoll, weil die Bevölkerung dadurch falsche Sicherheit bekommt.

Es ist schon kurios: Noch vor wenigen Wochen hat sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Person seines Präsidenten Lothar Heinz Wieler gegen eine allgemeingültige Maskenpflicht ausgesprochen. Jetzt ist sie, mit Absegnung Wielers, doch gekommen. Gleichzeitig lockert die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen und kleinere Geschäfte dürfen wieder öffnen. Es scheint so, als sei die Maskenpflicht nur eingeführt worden, um die Lockerungen zu rechtfertigen.

Hinzu  kommt, dass eine Maskenpflicht die persönlichen Freiheitsrechte stark einschränkt. Dieser Einschnitt muss gut überlegt sein. Insgesamt können Masken durchaus helfen. Es ist aber wissenschaftlich umstritten, ob einfache Schutzmasken wirklich helfen.

Schutzmasken allein reichen nicht

In einer Frage sind sich die Wissenschaftler einig: Schutzmasken schützen vor allem die Mitmenschen. Dies zeigt auch eine Studie aus Hongkong. Hier wurde bei mehreren erkrankten Probanden geprüft, was sie ausatmen beziehungsweise -husten. Ein Teil der Probanden trug dabei einfache Schutzmasken, der andere Teil nicht. Ergebnis dieser Studie war, dass die Forscher bei den Probanden mit Schutzmaske, keine Tröpfchen mit Viren gefunden wurden.

Masken können also die Verbreitung von Viren verhindern. Also warum gibt es überhaupt Diskussionen? Das Problem ist, dass die Nützlichkeit von Schutzmasken in weiten Teilen der Bevölkerung schlichtweg überschätzt wird. Der Virologe Hendrick Streeck sagte dazu jüngst in der Talkshow “Markus Lanz”, dass ein normaler Mundschutz nur den anderen schützt und nicht bei sich selbst. Vorsicht bleibt also geboten!

Die wohl größte Gefahr der Maskenpflicht ist, zu glauben, dass man mit Schutzmaske wieder den gewohnten Alltag aufnehmen kann. RKI-Chef Wieler sagt, dass die Abstandseinhaltung von 1,5 Metern auch mit Maske dringend notwendig ist. Die Maskenpflicht kann sich sogar negativ auf die Eindämmung des Coronavirus auswirken, wenn die Bevölkerung unvorsichtiger wird.

Was ist eine geeignete Schutzmaske?

Ein großes Problem ist, dass nicht definiert ist, was als Atemschutzmaske gilt. Im Netz sind hierbei schon sehr kuriose Dinge zum Vorschein gekommen. Ein Zahnarzt hat beispielsweise auf Twitter vorgeschlagen, einfach Kaffeefilter zu nehmen und sich um den Mund zu binden. Virologe Streeck äußerte sich in der Fernsehsendung “Stern TV” skeptisch gegenüber diesem Versuch. Solche Experimentierkünste der Bevölkerung können gefährlich sein.

Eine andere Sache, die man häufig sieht, ist, dass sich Menschen Schals oder andere Tücher um den Mund binden. Auch dies kann gefährlich sein. Zwar schützt Stoff schon eher als ein Kaffeefilter, aber solche „Behelfsmasken“ sind auch kritisch zu sehen. Das Problem hierbei liegt vor allem beim An- und Ablegen dieser. Es ist laut RKI wichtig, dass die Masken richtig und eng anliegen.

Umgewickelte Schals werden so schnell zur Keimschleuder

Es wäre tragisch, wenn durch ein zu lockeres Tragen trotzdem Viren freigesetzt werden. Ein weiteres Problem ist, dass sich in einfachen Stoffen Tröpfchen sammeln. Umgewickelte Schals werden so schnell zur Keimschleuder. Das Robert-Koch-Institut erklärt hierzu, dass man sich unter keinen Umständen die ungereinigte Maske zurechtrücken sollte. Gerade beim Ausziehen kann dies problematisch sein. Diese Stoffe muss man, um hundert Prozent sicher zu gehen, geradezu ständig reinigen bei mindestens 60 Grad.

Selbstgenähte Masken scheinen aktuell die beste Idee zu sein. Doch wer kann schon selbst nähen? In diesem Zusammenhang eine kurze Anekdote: Weil meine Mutter nähen kann, bekommt sie ständig Anfragen von verschiedenen Bekannten, ob sie denn für sie auch eine Schutzmaske nähen könnte. Was erst einmal sinnvoll wirkt, kann aber schnell zu dem Problem führen, dass Masken abgeholt und dadurch die empfohlenen Kontaktvermeidungen einfach außer Acht gelassen werden. Damit erhöht sich natürlich das Risiko der Verbreitung von Corona. Außerdem schreibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte selbst, dass man sich nicht auf die Schutzwirkung dieser Masken verlassen könne, da eine entsprechende Schutzwirkung nicht nachgewiesen wurde.

Viele Masken liefern nur einseitigen Schutz

Eine gute Alternative ist die Mund-Nasen-Schutzmaske (MNS), welche auch besser als OP-Maske bekannt ist. Diese Maske lässt sich mit Bändern deutlich einfacher und präziser anlegen. Mit diesen Masken wurde übrigens auch die Studie in Hongkong durchgeführt. Insofern lässt sich festhalten, dass sie vor allem die Mitmenschen schützen.

Die einzigen Masken, die einen selbst schützen, sind die professionellen partikelfilternden Halbmasken. Durch das spezifische Material dieser Masken gelangen beim Einatmen keine Viren in den Körper. Ein Problem dieser Maske ist allerdings, dass nicht alle dieses Typus die ausgeatmete Luft wieder filtern. Je nach Modell helfen sie also auch nur einseitig.

Krankenhäuser brauchen Schutzmasken dringender

Wo sollen die Masken herkommen? Bereits jetzt haben wir einen Mangel an professionellen Schutzmasken in Krankenhäusern. In Berlin haben sich, laut internem Lagebericht des Berliner Krisenstabs, so der Rundfunk Berlin-Brandenburg (Rbb), unter anderem deshalb mehr als 500 Gesundheitsbeschäftigte mit dem Coronavirus infiziert. Wenn jetzt auch jeder einzelne Bürger Schutzmasken benötigt, ist zu befürchten, dass sich dieser Mangel verschlimmert. Vor allem, wenn es dann wie beim Klopapier dazu führt, dass Masken gehortet werden. Auch der Berliner-Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) gab laut Rbb, trotz langsam wieder füllender Lager, keine Entwarnung.

Ein weiteres Problem ist der einseitige Schutz. Wenn man sich schon eine professionell hergestellte Schutzmaske zulegen möchte, was jetzt natürlich noch häufiger vorkommt, sollte man lieber eine OP-Maske bestellen. Denn logischerweise sind die partikelfilternden Halbmasken für die Ärzte unersetzlich, gerade wenn sie es mit Corona zu tun haben. Das Problem ist aber, dass vielen Menschen dies egal sein wird und diese sich dann höchst egoistisch die Masken zulegen, die sie auch selbst schützen.

Die Alltagstauglichkeit dieser Profi-Masken ist auch fragwürdig. Das Atmen fällt in diesen Masken sehr schwer und vernünftiges Sprechen ist nicht möglich. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die MNS-Maske, also die OP-Maske, als beste Lösung. Allerdings nur, wenn weiterhin der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird.

Lockerungen kamen zu früh

Wegen der Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen durch die Bundesregierung ist tatsächlich das öffentliche Leben in gewissen Bereichen wieder angelaufen. Immer mehr Leute zieht es in die Städte. Maskenpflicht hin oder her, dieser Schritt kam wohl zu früh.

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in einer Maskenpflicht keinen Nutzen. WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan erklärte in einer Stellungnahme am 30.März, dass vielmehr zusätzliche Risiken entstehen, wenn die Menschen mit den Masken falsch umgehen und sie beispielsweise falsch ausziehen.

Schutzmasken sind nicht die Allheilbringer

Die Abstandseinhaltung und Kontaktvermeidung bleibt immer noch das Maß aller Dinge –  auch mit Schutzmaske. Also warum folgt dieser Schritt erst jetzt? Die Corona-Eindämmung in Deutschland lief doch vorher schon sehr gut. Bund und Länder  versuchen durch die Maskenpflicht, ihre Lockerungen in anderen Bereichen zu rechtfertigen. Das ist Unsinn und gefährlich.

Schutzmasken können nicht der Allheilbringer sein, weil sie es letzten Endes nicht sind. Natürlich können sie Mittel der Eindämmung helfen, aber auch nur dann, wenn man es richtig einsetzt. Dass bei einem Neustart der Bundesliga Schutzmasken als Möglichkeit gesehen werden, die Spieler während eines Fußballspiels zu schützen – so zitiert das Magazin Spiegel ein internes Papier des Referats Arbeitsschutz des Bundesarbeitsministeriums -, ist nur noch lächerlich.

Regierung lässt kritische Reflexion vermissen

Vor allem wirtschaftliche Zwänge haben die Bundes- und Landesregierungen dazu geführt, die Maßnahmen zu lockern. Was im gewissen Maße verständlich ist. Aber in der Kommunikation ist hier etwas schiefgelaufen. Man hätte dieses Thema öffentlich kritischer reflektieren müssen.

Die Menschen vertrauen der Regierung, gehen mehr raus in die Stadt unter Leute und begeben sich hiermit in unnötige Gefahr, weil ja die Schutzmaske helfen soll. Insgesamt ist das aber ein Spiel mit dem Feuer. Auch die Schutzmaskenpflicht wird eine drohende zweite Corona-Welle nicht aufhalten.

Bildquelle: pixabay.com (User: Mylene2401)

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