Kommentar: Warum der Rundfunkbeitrag keine Abzocke ist

Der Rundfunkbeitrag soll erhöht werden. Das rückt die Kritik, die sonst im gesellschaftlichen Hintergrund umherschwirrt, einmal mehr in den Vordergrund. „Dieser Staatsfunk macht eh nichts für junge Leute“, heißt es häufig – und zu teuer sei die Abgabe sowieso. Doch die Kritik am Rundfunkbeitrag ist oft unberechtigt. Ein Kommentar.

Das Studierendenleben ist meistens nicht besonders luxuriös. Viele wollen oder müssen an der einen oder anderen Stelle sparen. Aber bitte nicht beim Rundfunkbeitrag! Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der mit den Beiträgen finanziert wird, bietet auch für junge Menschen viel. Egal ob auf Instagram, auf YouTube oder als Podcast – der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist schon längst mehr als nur TV und Radio.

Nachrichten kommen nicht nur um 20 Uhr bei der Tagesschau – sondern jederzeit über die Tagesschau-App, den Telegram-Kanal von WDR aktuell oder den Podcast „Der Tag“ vom Deutschlandfunk. Und anstatt den Tatort zu gucken, kann man sich True-Crime-Fälle im „Mordlust“-Podcast anhören – ein Angebot von funk. Das ist ein ganzes Netzwerk, das Inhalte speziell für junge Leute produziert. 117 Kanäle und 17 Serien gehören zurzeit zu funk. Wissenschaftsthemen werden bei „maiLab“ erklärt, Reportagen gibt es beim „Y-Kollektiv“ oder bei „STRG_F“, Tabu-Themen aus dem Teenager-Alltag bespricht „Auf Klo“ oder „Mädelsabende“, aktuelle Nachrichten und ihre Hintergründe liefert die „News-WG“ und DIYs für den Klimaschutz zeigt „OZON“. Genug Stoff also, um den ganzen Tag auf Instagram, YouTube, Snapchat, Spotify und Co. mit diesen Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verbringen.

In Deutschland gibt es keinen Staatsfunk

Die Öffentlich-Rechtlichen sind unabhängig von wirtschaftlichen Einflüssen, ganz anders als private Medien. Ein Beispiel: Bei „Tatort“, „hart aber fair“ und „extra 3“ gibt es keine Werbeunterbrechungen. ARD und ZDF schalten zwar etwas Werbung – aber deutlich weniger als ihre privaten Konkurrenten.

Einen Staatsfunk, wie Kritiker es gern behaupten, gibt es in Deutschland ebenfalls nicht. Durch die gemeinschaftliche Finanzierung ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk erst unabhängig von staatlichen Mitteln. Politische Interessen bestimmen also nicht das Programm.

Frei von wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme stellen die öffentlich-rechtlichen Medien so sicher, dass jede*r über eine frei zugängliche und verlässliche Informationsquelle verfügt. Diese brauchen wir in Zeiten von Fake-News und dem Vertrauensverlust, mit dem etablierte Medien zu kämpfen haben, mehr als je zuvor.

Die Präsenz von öffentlich-rechtlichen Angeboten ist wichtig

Kurzgesagt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet eine ganze Menge Programm für sein Geld – auch für junge Leute. Besonders in den neuen Medien, in denen sich Fake-News und Verschwörungstheorien geradezu tummeln, ist die Präsenz von öffentlich-rechtlichen Angeboten wichtig. Dafür ist der monatliche Beitrag von 17,50 Euro gerechtfertigt. Auch dann, wenn er noch etwas ansteigen würde. Außerdem: Wer sich den Beitrag wirklich nicht leisten kann, zum Beispiel weil er oder sie von Hartz IV oder Bafög lebt, kann sich davon befreien lassen.

Teaser- und Beitragsbild: pixabay.com

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