Fragen und Antworten zur europäischen Super League

“Es wäre ein guter Zeitpunkt, dann aufzuhören, wenn es so einen Quatsch gibt.” Das sagte Nationalspieler Toni Kroos im November letzten Jahres in seinem Podcast “Einfach mal Luppen”. Mit “Quatsch” meinte Kroos in diesem Fall eine mögliche Super League, bestehend aus Europas Fußballelite.

Diese ist jetzt näher als jemals zuvor: Zwölf europäische Topklubs haben ein solches Projekt angekündigt. Ob Toni Kroos nun wirklich seine Fußballschuhe an den Nagel hängt, bleibt abzuwarten. Was andere mögliche Folgen sind, wie Spieler reagieren und welche Punkte noch offen sind: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie soll die Super League aussehen?

Die europäische Super League soll ein internationaler Wettbewerb mit 20 europäischen Topklubs werden. Dabei soll es 15 dauerhafte Mitglieder geben, fünf weitere Teams könnten sich jede Saison sportlich qualifizieren – wie genau, steht noch nicht fest. Die Gruppenphase mit zwei Gruppen mit jeweils zehn Teams soll immer im August starten, es folgt eine K.O.-Runde. Das Finale soll dann an einem neutralen Ort stattfinden. Das haben alle Gründungsvereine in einem gemeinsamen Statement in diesen Tagen auf ihren Vereinswebseiten bekannt gegeben. Zu den Gründungsvereinen zählen unter anderem der FC Liverpool und der FC Chelsea aus England, Real Madrid aus Spanien und Juventus Turin aus Italien. Die Super League soll so schnell wie möglich starten, heißt es in dem Statement der Klubs.

Was erhoffen sich die Klubs von der Super League?

Das Turnier soll parallel zur UEFA Champions League stattfinden. Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und erster Vorsitzender der Super League, möchte mit dem neuen Wettbewerb “den Fußball retten”. Das sagte der 74-Jährige in einem Interview in der spanischen Fernsehsendung El Chiringuito. Laut dem Spanier befinden sich viele große Klubs in einer “sehr schlechten finanziellen Situation”, auch bedingt durch die Corona-Pandemie. Die Super League soll dabei helfen, fehlende Einnahmen zurückzuholen. Allerdings waren Klubs wie Real Madrid oder der FC Barcelona auch vor Corona schon hoch verschuldet. Damit scheint klar: Der Plan hinter der Super League ist wohl nicht nur, möglichst viele attraktive Spiele zu bieten. Die Vereine scheinen möglichst viel Geld verdienen zu wollen: Insgesamt sollen in der neuen Liga bis zu 3,5 Milliarden Euro pro Saison an die Klubs gehen.

Was sagt die UEFA dazu?

Der europäische Fußballverband ist wenig begeistert von der Idee. Die UEFA hat auf ihrer Webseite sofort ein klares Statement abgegeben. Darin heißt es, dass man “alle Maßnahmen, die zur Verfügung stehen, in Betracht ziehen” werde, um die Super League zu verhindern. Das bedeutet: Die UEFA will auch alle rechtlichen Schritte prüfen. In dem Statement, das auch vom englischen, spanischen und italienischen Fußballverband unterstützt wird, ist von einem “zynischen Projekt” die Rede. Die UEFA droht auch schon mit Konsequenzen: Die teilnehmenden Klubs sollen aus allen anderen Wettbewerben, sowohl national als auch international, ausgeschlossen werden. Außerdem könnte den beteiligten Spielern verboten werden, für die jeweilige Nationalmannschaft zu spielen. Dann wäre zum Beispiel auch Toni Kroos, der bei Real Madrid spielt, nicht bei der Europameisterschaft dabei. Für UEFA-Präsident Aleksander Čeferin steht jedenfalls fest: “Diese Idee ist wie ein Spucken ins Gesicht aller Fußballfans.”

Champions League-Reform beschlossen
Trotz der Aufregung um die geplante Super League hat die UEFA eine Reform der Champions League ab der Saison 2024/25 beschlossen. Der Wettbewerb wird von 32 auf 36 Teams aufgestockt. Gespielt wird dann nicht mehr in Vierergruppen, sondern in einer Liga. Dabei wird jede Mannschaft zehn Gruppenspiele bestreiten, bisher sind es sechs. Die besten Acht der Tabelle ziehen dann direkt ins Achtelfinale ein, die weiteren Mannschaften werden in Playoffs ermittelt. Ab dem Achtelfinale ist der Modus der Gleiche wie bisher.

Was ist mit deutschen Vereinen in der Super League?

Stand jetzt wären nur englische, spanische und italienische Vereine zum Start der Super League dabei. Die Deutsche Fußballliga sowie der DFB haben sich in einem Statement bereits klar auf die Seite der UEFA geschlagen. Deutsche Topklubs sollen zwar von den Organisatoren gewünscht sein, lehnen den Wettbewerb (bisher) aber auch konsequent ab. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat in einer Mitteilung des Vereins klar gemacht, “dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt”. Der gleichen Meinung sind auch die Verantwortlichen des FC Bayern. Präsident Herbert Hainer hat am Dienstag in einer Vereinsmitteilung nochmals bekräftigt: “Der FC Bayern sagt Nein zur Super League.” Auch die deutschen Europapokalteilnehmer der laufenden Saison, Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig und Bayer Leverkusen, haben sich bereits gegen eine Super League ausgesprochen. Rudi Völler von Bayer Leverkusen spricht in der SPORT BILD von einem “Verbrechen am Fußball”. Und auch Klubs, die nicht für die Super League infrage kommen, haben schon Statements abgegeben. Der Zweitligist SV Darmstadt verkündete vorsorglich bei Twitter, dass er nicht an der Super League teilnehmen wird:

Wie stehen Spieler und Trainer zur Super League?

Befürworter der Super League sind unter aktiven Spielern und Trainern noch keine bekannt. Liverpool-Trainer Jürgen Klopp hat sich auf jeden Fall klar zu dem Thema positioniert: Bereits 2019 sprach sich der ehemalige Dortmunder in einem Interview mit dem Kicker deutlich gegen eine Super League aus. Vor dem Spiel der Liverpooler gegen Leeds United bekräftigte Klopp am Montag bei Sky Sports noch einmal: “Meine Meinung hat sich nicht geändert.” Der andere deutsche Trainer, der an der Super League teilnehmen würde, ist Thomas Tuchel vom FC Chelsea. Er äußerte sich auf einer Pressekonferenz zunächst diplomatisch, er wolle sich bei dem Thema nicht einmischen: “Es ist zu früh, um zu urteilen”, so Tuchel. James Milner vom FC Liverpool sieht das anders. Der Mittelfeldspieler sprach gegenüber der BBC wohl vielen Fußballfans aus der Seele: “Ich mag es kein bisschen und hoffe, dass es nicht passiert.” Auch der junge Dortmunder Mittelfeldspieler Jude Bellingham hat seine Meinung geteilt. Auf Instagram postete der Engländer ein Bild, das die aktuelle Situation im Fußball zusammenfassen soll. Zu sehen war eine Fan-Choreografie mit einem Banner, auf dem in Bezug auf den Fußball geschrieben steht: “Created by the poor, stolen by the rich”.

Auch die beiden ehemaligen deutschen Nationalspieler Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger haben sich über Twitter zur Super League geäußert. Für Schweinsteiger ist der Gedanke an den neuen Wettbewerb mit all seinen Auswirkungen “traurig”, Podolski beschreibt die Pläne der beteiligten Klubs als “ekelhaft und nicht fair”.

Welche Fragen sind noch offen?

Viele. Erstens stehen noch gar nicht alle Teilnehmer fest: Es werden noch drei ständige Super-League-Mitglieder gesucht. Auch ein Starttermin des Wettbewerbs ist noch nicht fix. Sollte es tatsächlich schon dieses Jahr soweit sein, ist die nächste Frage, ob und wann die UEFA ihre Drohungen wirklich wahr machen kann. Sportrechtlich dürfte sich ein Ausschluss von Vereinen und Spielern aus diversen Wettbewerben auch schwierig gestalten. “Die Spieler aussperren zu wollen, ist angesichts der Rechtslage eine leere Drohung”, sagte beispielsweise Sportjurist Paul Lambertz der ZEIT. Es wird wohl auch spannend sein zu sehen, wie die Spieler der Super-League-Klubs reagieren, sollte es tatsächlich zur Einführung des Turniers kommen. Denn die Spieler sind die Hauptakteure, die am Ende im Mittelpunkt stehen sollen. Doch die wurden bisher gar nicht gefragt.

Teaser- und Beitragsfoto: Vienna Reyes/unsplash

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