Alternativen zu russischem Gas: Was ist LNG?

Der Krieg in der Ukraine hat die gesellschaftliche Debatte über Alternativen zu russischen Gas-Lieferungen neu entfacht. Immer öfter im Gespräch ist dabei das sogenannte „LNG“. Aber was steckt hinter der Abkürzung? Und kann LNG wirklich eine Alternative zu russischem Gas sein?

Am Mittwoch (11. Mai) gab der ukrainische Gasnetzbetreiber GTSOU bekannt, dass er die Lieferung von Erdgas durch eine Pipeline in der Region Luhansk gestoppt hat. Als Grund nannte er die „Einmischung der Besatzungskräfte“. Laut einer Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gefährdet. Dennoch beweist dieser Vorfall einmal mehr, dass die Versorgung mit russischem Gas aktuell keinesfalls gesichert ist. Das verschärft die Debatte um Alternativen zu russischen Gas-Lieferungen. Einer der derzeit am stärksten diskutierten alternativen Energieträger heißt LNG.

Was ist LNG überhaupt?

Ausgeschrieben steht LNG für den englischen Begriff Liquified Natural Gas. LNG ist also verflüssigtes Erdgas. Damit Erdgas eine flüssige Form annimmt, muss es stark abgekühlt werden – bis zu einer Temperatur von -161 bis -164 Grad Celsius. Das Abkühlen ist zwar aufwändig und kostspielig, hat aber auch einen großen Vorteil: Denn flüssiges Erdgas benötigt nur etwa ein Sechshundertstel des Lagervolumens, das die gleiche Menge Erdgas in Gas-Form braucht. Das ermöglicht es, große Mengen an Erdgas über weite Strecken und über Ozeane hinweg zu transportieren – ganz ohne Pipelines.

LNG wird zumeist mit Spezial-Tankschiffen transportiert. Diese legen an einem Ausfuhr-Terminal im Herkunftsland des Erdgases an. Im Terminal wird das Gas heruntergekühlt und dann verflüssigt in die Tanks des Schiffes gepumpt. Am Zielort legt das Schiff dann an einem Anlande-Terminal an. Dort wird das Flüssigerdgas aus den Tanks gepumpt und in das normale Versorgungsnetz oder Speicheranlagen weitergeleitet.

Warum ist LNG aktuell so viel im Gespräch?

Bisher bezieht Deutschland den Großteil seines benötigten Erdgases aus Russland. Über lange Pipelines, wie die Anlage „Nordstream“, gelangt das Erdgas zu uns. Schon seit Jahren gibt es daran Kritik. Denn die Versorgung mit russischem Gas macht Deutschland abhängig von Putin, der in den vergangenen Jahren zunehmend autokratisch regierte und in der Ost-Ukraine prorussische Separatist*innen unterstützte.

Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat die Kritik an der deutschen Abhängigkeit vom russischen Gas noch einmal an Schärfe gewonnen. Aus verschiedenen Teilen von Politik und Gesellschaft wird seit Monaten gefordert, den Import von russischem Gas vollständig zu stoppen. Die entscheidende Frage ist, woher Deutschland sonst das benötigte Erdgas beziehen soll. Hier kommt LNG ins Spiel. Denn das Verfahren ermöglicht es, große Mengen an verflüssigtem Erdgas ohne russische Pipelines zu beziehen. So könnte die Abhängigkeit von russischen Gas-Importen durchbrochen werden.

Wie soll das LNG nach Deutschland kommen?

Auch wenn Deutschland kein Gas mehr aus Russland beziehen würde – Erdgas müsste weiterhin aus dem Ausland importiert werden. Wichtige Exporteure von Flüssigerdgas sind beispielsweise Katar, Saudi-Arabien und Algerien. Aber auch die USA exportieren mittlerweile in großen Mengen LNG. Die Herkunft des Flüssigerdgases ist einer der Hauptkritikpunkte, die Gegner*innen der LNG-Technologie anführen. Sie geben zu bedenken, dass es sich auch bei Katar oder Saudi-Arabien um autoritär regierte Staaten handelt. Und auch Saudi-Arabien ist aktuell im Jemen in einen fortlaufenden Krieg verwickelt.

Dennoch sieht angesichts des Kriegs in der Ukraine aktuell alles danach aus, als ob bald aus diesen Staaten Flüssigerdgas nach Deutschland geliefert wird. Das einzige größere Hindernis sind aktuell die fehlenden Anlande-Terminals. Denn bisher verfügt Deutschland über keinen einzigen Terminal, an dem LNG-Tanker anlegen und ihre Fracht entladen können. Das Gas muss derzeit also über Polen oder Belgien nach Deutschland kommen. Bundeskanzler Olaf Scholz hat schon im Februar angekündigt, dass er dies ändern will. Kurzfristig sollen zwei Flüssiggas-Terminals in Deutschland errichtet werden. Einer in Brunsbüttel nahe Hamburg und der andere in Wilhelmshaven in der Nähe von Bremen.

Wie sieht es mit Umwelt-Bedenken aus?

Erdgas bleibt – egal ob flüssig oder nicht und egal woher es geliefert wird – ein nicht-erneuerbarer Energieträger. LNG aus den USA wird zudem zu großen Teilen durch die sogenannte „Fracking“-Methode gewonnen. Diese ist in Deutschland verboten, weil die Risiken für die Umwelt als zu groß eingeschätzt werden.

Was ist Fracking?
Beim Fracking handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Risse in tief liegenden Gesteinsschichten erzeugt und erweitert werden, um dort liegendes Erdöl, Erdgas oder andere Rohstoffe zu fördern. Dazu werden unter hohem Druck flüssige Gemische in das Gestein gepumpt. Das Verfahren gilt als potentiell umweltschädlich, weil die teilweise giftigen Flüssiggemische Umwelt und Trinkwasser verschmutzen können.

Für Umweltschutz-Organisationen wie die Deutsche Umwelt Hilfe oder Greenpeace widerspricht der Ausbau der LNG-Infrastruktur dem Ziel der Energiewende. Sie befürchten zudem, dass es durch den Bau von LNG-Terminals in Deutschland zu einem sogenannten „Lock In“-Effekt kommen könnte. Damit meinen sie, dass die Investitionen in LNG dazu führen könnten, dass es künftig für Unternehmen und den Staat attraktiver wird, dauerhaft am fossilen Energieträger Erdgas festzuhalten. Und sie kritisieren, dass Umweltstandards bei der verkürzten Planung von LNG-Terminals vernachlässigt würden.

Greenpeace: „Klimafreundlich ist nur die Energieerzeugung aus Sonne, Wind und anderen Erneuerbaren.“

Die Umweltschutz-Verbände lehnen das Vorhaben der Bundesregierung also ab. Die Deutsche Umwelt Hilfe hat sogar schon Widerspruch gegen den vorzeitigen Baubeginn des LNG-Terminals in Wilhelmshaven eingelegt.

Ob sie damit allerdings am Ende Erfolg haben wird, ist mehr als ungewiss. Die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz der LNG-Technologie in Deutschland geht währenddessen weiter. Es ist davon auszugehen, dass der fortlaufende Krieg in der Ukraine sie auch weiter befeuern wird.

Beitragsbild: Von Pline – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Von Pline – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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